«In der Milchwirtschaft ist der Strukturwandel ausgeprägter als in der übrigen Landwirtschaft», stellte Präsident Thomas Grüter an der Delegiertenversammlung der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) in Sempach fest. Dank Produktivitätssteigerungen schlägt sich dies bislang nicht in den Milchlieferungen nieder. Trotzdem macht der ZMP-Vorstand den Rückgang der Milchwirtschaftsbetriebe zum Fokusthema: «Was können wir unternehmen, damit unsere Mitglieder in der Milchproduktion bleiben?» Mit dieser Frage werde man sich künftig vertieft befassen, meinte er.

Wertschöpfung unter Druck

An der dreieinhalb Stunden dauernden Versammlung standen nebst den Traktanden Referate von SMP-Präsident Boris Beuret und Marketingleiter Stefan Arnold auf dem Programm. Milch bleibe der wichtigste Produktionszweig der Schweizer Landwirtschaft, die Produzenten bräuchten aber bessere Perspektiven, meinte Beuret.

Dass die Wertschöpfung der Milchproduzenten 2023 gelitten hat, führt Geschäftsführer Pirmin Furrer auf die geopolitischen Unsicherheiten, Kostensteigerungen und die erstmals negative Käsehandelsbilanz zurück. Entgegen den eigenen Ansprüchen bewegte sich der ZMP-Milchpreis Suisse Garantie beim nationalen Monitoring lediglich auf Durchschnittsniveau, bei der Biomilch wurde nach wie vor der beste Preis bezahlt. Die gelieferte Milchmenge stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent (Suisse Garantie) beziehungsweise 1,2 Prozent (Bio).

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Melkberatung ausbauen

Um die Exporteinbussen beim Käse wettzumachen, hält Pirmin Furrer eine Erhöhung der Verkäsungszulage für unumgänglich. Erklärtes Ziel für 2024 sei es, beim Milchpreismonitoring wieder besser abzuschneiden. Die fortschreitende Automatisierung der Melksysteme ist laut dem Geschäftsführer mit neuen Herausforderungen bei der Melkberatung verbunden. Zur Sicherung der Milchqualität werden die Dienstleistungen in diesem Bereich ausgebaut. Häufigste Probleme betreffen die Eutergesundheit und damit die Zellzahlen.

Milchpreis steigt im Mai

Die ZMP würden den Basispreis für Milch Suisse Garantie ab 1. Mai 2024 um einen Rappen erhöhen, erklärte Pirmin Furrer. Dies sei aber eine teilweise Vorwegnahme der Preiserhöhung per 1. Juli. Beim Basispreis für ZMP-Biomilch sei eine Preiserhöhung um drei Rappen auf 1. Juli ebenfalls realistisch.

Nachdem sie sich selber vorgestellt hatten, wurden Lukas Dissler aus Wolhusen und Franziska Duss aus Escholzmatt bei vereinzelten Gegenstimmen und Enthaltungen in den Vorstand gewählt. Sie ersetzen die langjährigen Mitglieder Markus Schnider (seit 2009) und Werner Weiss (seit 2005) im Gremium. Die fünf bisherigen Amtsinhaber mit Präsident Grüter wurden für weitere drei Jahre bestätigt.

Protein liegt im Trend

Verwaltungsratspräsident Urs Riederer informierte über den Geschäftsgang von Emmi. Als erfreulich wertet er den Zuwachs im Inlandgeschäft und in attraktiven Nischen. Emmi engagiere sich stark im Bereich Nachhaltigkeit, so bei Verpackungen. Die mediale Aufmerksamkeit um vegane Nahrungsmittel bezeichnet er als trügerisch. «Der grösste Trend ist Protein. Milch- und Molkeprotein-Produkte wachsen bei uns deutlich schneller.» Sorgen bereitet ihm der Verlust von Marktanteilen beim Käseexport. Der Druck auf die Verkaufspreise und weiter steigende Kosten blieben für Emmi herausfordernd.

 

ZMP in Zahlen

Per Ende 2023 gehörten der Genossenschaft ZMP 2822 (–47) Mitglieder an. Die Vertragsmenge belief sich auf 579 (+7) Mio kg, der Milchverkauf auf 422 (+9) Mio kg, davon 41 Mio kg Biomilch. Die durchschnittliche Produk­tion pro Betrieb stieg um 6422 auf 180 546 kg. Mit dem Jahresgewinn von 256 000 Franken erhöht sich das Eigenkapital auf 35,5 Mio Franken.