«Vor einem Jahr hat der Bundesrat erstmals angekündigt, dass die Bundeskasse in Schieflage ist», sagte Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbands (SBV), am Mittwoch, 30. August, vor den Medien in Bern. Die Gesamtaufwände des Bundes seien seit 2010 um 40 Prozent oder fast 24 Milliarden Franken gestiegen. Hohe Wachstumsraten verzeichneten die soziale Wohlfahrt oder der Verkehr. «Doch sparen will der Bundesrat nicht dort, wo der Speck sitzt sondern bei den schwach gebundenen Ausgaben», monierte Rufer.

«Schlaflose Nächte»

Abo«Bereinigungsmassnahmen»Der Bund will 2024 bei der Landwirtschaft sparenDonnerstag, 16. Februar 2023 Dass das Agrarbudget 2024 um 2 Prozent gekürzt werden soll, stösst beim SBV, beim Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) und bei der Junglandwirte-Kommission (JULA) auf heftige Kritik. Die 66 Mio Franken entsprächen 1300 Franken pro Bauernfamilie. Dazu kämen Kürzungen im vierjährigen Rahmenkredit um 0.1 Prozent. «1300 Franken pro Betrieb sind viel Geld. Oftmals muss bereits jetzt jeder Franken umgedreht werden und schlaflose Nächte von Bäuerinnen und Bauern sind die Folge», sagte SBV-Präsident Markus Ritter dezidiert. Wenn immer mehr von der Politik gefordert werde, «laufend neue Vorschriften und Massnahmen», dann müsse dafür auch bezahlt werden. «Bestellte Leistungen nicht bezahlen, ist Diebstahl», hielt Ritter fest.  

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Negativ für psychisches Wohlbefinden

AboBundesfinanzen«Die Landwirtschaft braucht nicht weniger, sondern mehr finanzielle Mittel»Montag, 10. Juli 2023 Die Sparpläne stören die Verbände insbesondere auch, weil das Einkommen der Bauernfamilien aus der landwirtschaftlichen Produktion nach wie vor zu tief sei. Aufmerksam gemacht wurde auf einen durchschnittlichen Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft von lediglich 43'000 Franken pro Jahr im Berggebiet.

«Die geplante Mittelkürzung verschlechtert die wirtschaftliche Situation eines Betriebs», sagte SBLV-Präsidentin Anne Challandes. Das habe direkte negative Auswirkungen auf die soziale Situation und das psychische Wohlbefinden der Bauernfamilien und der Angestellten. «Auf klein strukturierten Familienbetrieben fehlen oft die Arbeitskräfte, um sich gegenseitig für ein freies Wochenende oder eine Woche Ferien abzulösen.» Eine Woche mit mehr als 50 Arbeitsstunden sei für zwei Drittel der Landwirt(innen) Realität. 

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«Demotivationspritze»

«Für uns Junglandwirtinnen und Junglandwirte, die gerade eben investiert haben, sind solche Kürzungen fatal und eine grosse Demotivationsspritze»: Deutliche Worte fand auch Jula-Vizepräsidentin Leana Waber. Für junge Berufsleute wie sie selbst sei die Übernahme des elterlichen Betriebs mit sehr hohen Schulden und oft Investitionen zur Erneuerung veralteter Infrastruktur verbunden. «Nun kommt der Bundesrat und kürzt uns einfach die Mittel. Wir haben keine unternehmerische Möglichkeit, die Leistungen auch entsprechend zu reduzieren.» 

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