Vor einigen Wochen campierte er auf einer Wiese in Kehrsatz BE, mit Blick auf das Bundeshaus: der Zürcher Demeter-Landwirt, den inzwischen die meisten kennen, auch wenn er lieber anonym bleibt. «Jeder von uns ist ein Wilhelm Tell», lautet sein Credo. Nun will er nach Bern – diesmal mit Traktoren, am 7. März, direkt vor das Bundeshaus. Nicht Anstrengungen in einzelnen Kantonen und dabei jeder für sich, sondern gemeinsam und darum alle nach Bern.
Faire Preise, kleinbäuerliche Betriebe – die Anliegen sind bekannt
Die Botschaft hinter dem Aufruf ist dieselbe wie im Januar: faire Preise für kleinbäuerliche Betriebe, weniger Druck durch den Strukturwandel, eine Landwirtschaft, die auch ohne Wachstumszwang überleben kann. Über 27 000 Menschen haben im Januar eine entsprechende Petition unterzeichnet. Darin fordern die Unterzeichnenden den Bundesrat auf, unverzüglich wirksame Massnahmen zur Stärkung der Schweizer Landwirtschaft zu ergreifen.
Eine sichere und eigenständige Lebensmittelversorgung sei eine staatliche Kernaufgabe, die insbesondere in der aktuellen weltpolitischen Lage nicht weiter geschwächt werden dürfe. Konkret verlangt die Petition bessere Produktionsbedingungen, einen konsequenten Grenzschutz für inländische Produkte, eine gerechte Entschädigung für die geleistete Arbeit sowie den Abbau von Bürokratie und administrativen Belastungen. In den sozialen Medien sammelt sich seit Wochen Frust: «Wenn wir jetzt klein beigeben, werden wir dann noch ernst genommen?» Die Anliegen berühren viele – das ist unbestritten.
Bern sagt Nein
Doch die Kundgebung hat ein konkretes Problem: Sie ist nicht bewilligt. Am 7. März findet in Bern der Wochenmarkt statt, die Frühlingssession läuft – eine Veranstaltung auf dem Bundesplatz ist unter diesen Bedingungen nicht zu genehmigen. «Wilhelm Tell» erklärt, er habe über Wochen versucht, eine Bewilligung zu erhalten. Die Behörden wussten Bescheid. Die Antwort aus Bern blieb ein klares Nein.
SBV: Anliegen ja, Einzelaktion nein
Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat sich unmissverständlich positioniert. Auf Facebook warnt er: Unbewilligter Anlass – von einer Teilnahme werde dringend abgeraten. SBV-Direktor Martin Rufer betont gegenüber der BauernZeitung, was das eigentliche Problem ist: nicht die Anliegen, sondern die Form. «Das sind Dinge, die wir ernst nehmen und auf allen Ebenen auch in unsere Aktivitäten einfliessen, auch politisch», sagt Rufer. In Einzelaktionen ohne Bewilligung sieht er keine Lösung. Eine illegale Veranstaltung schade der Sache.
«Wilhelm Tell» stellt dem SBV nun eine Bedingung: Wenn der Verband keinen neuen Termin für eine bewilligte Kundgebung organisiere, werde er die Demo am 7. März nicht absagen.
Der SBV nehme die Anliegen ernst und setze sich aktiv dafür ein – politisch wie in den Märkten. Daran ändere sich nichts, betont Rufer. Wer aber am 7. März nach Bern fahre, nehme an einer unbewilligten Veranstaltung teil. Das könne rechtliche Folgen haben und gebe jenen, die die Anliegen der Bauern ohnehin kleinredeten, ein leichtes Ziel.
