Alfred Bärtschi aus Lützelflüh BE vertrat die SVP seit 2010 im Grossen Rat des Kantons Bern. Er ist eidg. Dipl. Landwirt. Je acht Jahre war er Mitglied bei der Justizkommission (JuKO) sowie Bau-, Energie-, Verkehrs-, und Raumplanungskommission (BaK). Nach 16 Jahren im Amt ist er nicht mehr angetreten. Er verrät, was ihn in dieser Zeit am meisten bewegt hat und wo er zukünftige Herausforderungen sieht.

Alfred Bärtschi, Sie sind nicht mehr zu den Wahlen angetreten. Was hat Sie dazu bewogen?

Alfred Bärtschi: Die SVP-Bern hat eine parteiinterne Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren. Für mich stimmt der jetzige Zeitpunkt sehr gut. Das eröffnet Chancen auf etwas Neues, auf eine Veränderung. Die Zeit als Grossrat war bis zum letzten Tag sehr lehrreich!

Wie haben Sie die Zeit als Grossrat erlebt?

Die ersten acht Jahre war ich in der JuKo. Da war ich bei diversen Gesetzesberatungen dabei, zum Beispiel Sozialhilfe-, Wasserbau- und Berufsbildungsgesetz. Von 2014 bis 2018 war ich Ausschuss Leiter Verwaltungsgericht und auch zuständig für spezielle Eingaben. Als Leiter Verwaltungsgericht war ich auch Mitglied der Justiz-Leitung. 

Das war ausserordentlich lehrreich, ist das doch ein Gebiet, das bis zu diesem Zeitpunkt weit entfernt von mir war. Ich habe die Berner Justiz in all ihren Facetten von innen betrachten und viel erlernen können. Was aber auch immer sehr präsent war, ist die Gewaltenteilung. Das heisst, die Politik ist für die Organisation, die Gebäude, die Richter und so weiter zuständig. Aber die Politik oder einzelne Grossräte mischen sich nie in die Rechtsprechung ein. 

Die zweiten acht Jahre in der BaK kamen mir sehr entgegen. Ich bin schon ein paar Jahre in der Schwellenkorporation Lützelflüh tätig, und als Landwirt ist mir das Bauen sehr präsent. Dabei kamen aber auch Geschäfte, die mich regelrecht ins Schwitzen brachten. Ich war zum Beispiel Kommissionssprecher beim Geschäft Inselneubau BB07, einem Gebäude auf dem Inselareal für Bildung und Forschung mit geplanten Kosten von 435 Mio. Franken.

Was hat Sie persönlich in der ganzen Zeit am meisten bewegt oder beschäftigt?

Die Organisation von Familie, Betrieb, Lernende, Politik und andere Präsidien/Vorstandsarbeiten. Das hat meistens gut funktioniert. Dies aber auch dank der kräftigen Unterstützung der Familie. 

Was sehr viel Zeit erfordert, ist das Aktenstudium. Ohne die kräftige Unterstützung meiner Frau und meines Umfelds wäre das alles nicht möglich gewesen.

Mit dem Klimawandel sind längere Trockenzeiten und Nässeperioden ein Thema. Sie haben sich stark für den Hochwasserschutz eingesetzt. Konnten Sie das erreichen, was Sie wollten, oder wo sehen Sie für das neue Parlament Herausforderungen?

Wenn die Hochwasserschutzgeschäfte in den Grossen Rat kamen, sind sie meist ohne Probleme angenommen worden. Das Problem ist, bis es bewilligungsfähig ist. Für ein grösseres Projekt planen wir heute leider zehn oder noch mehr Jahre ein. Dann läuft man Gefahr, dass in der Zwischenzeit das Projekt überarbeitet werden muss, weil das Wasserbaugesetz oder andere Rahmenbedingungen ändern.

An welche politischen Entscheide denken Sie mit grosser Freude zurück und an welche mit Bedauern?

Sehr positiv ist sicher der Entscheid für das Projekt «Emmentalwärts». Das sollte recht viel entlasten und braucht wenig Kulturland. Es gibt zwei Geschäfte, die ich sehr bedaure. Da aber beide noch nicht abgeschlossen sind, kann ich mich zum heutigen Zeitpunkt nicht dazu äussern.

Gab es Momente oder Entscheidungen, die Sie im Nachhinein anders treffen würden?

Nein.

Gab es Widerstände innerhalb der Partei oder gegenüber der Öffentlichkeit, die Sie geprägt haben?

Es gab auch immer wieder Niederlagen. Die muss man selbstkritisch analysieren, annehmen und am besten schon vorher wieder aufstehen.

Jetzt, nach Ihrem Rücktritt: Wofür setzen Sie Ihre Kraft ein? Bleiben Sie mit der Politik in irgendeiner Form verbunden, oder worauf legen Sie nun Ihr Augenmerk?

Als Erstes setze ich nun mehr Zeit auf unserem Betrieb ein. Ich bin dankbar, dass wir immer hervorragende Lernende hatten. Jetzt will ich etwas zurückgeben. Als Präsident der Schwellenkorporation Lützelflüh und Präsident der Emme II bin ich weiterhin im Wasserbau tätig. 

Da stehen grosse und komplexe Bauvorhaben an. Zudem amte ich als ÜK-Instruktor und Prüfungsexperte. Aber mit 61 Jahren plane ich nun sukzessive die Stabsübergabe des Betriebes und der noch verbleibenden politischen Ämter.