Étienne Klopfenstein aus Corgémont war seit 2013 als SVP-Grossrat im Amt. Im Amtsjahr 2019 bis 2020 war er Deputationspräsident. Die Députation vertritt im Grossen Rat die Anliegen des Berner Juras und der französischsprachigen Bevölkerung des Amtsbezirks Biel. 

Der Meisterlandwirt spricht im Interview über die Herausforderungen der Landwirtschaft im Berner Jura und warum er nicht mehr als Grossrat kandidiert hat.

Étienne Klopfenstein, was war der ausschlaggebende Punkt, sich nicht mehr zur Wahl als Grossrat zu stellen?

Étienne Klopfenstein: Das Alter. Ich bin 70 Jahre alt geworden. Auf unserer Liste haben wir viele junge Kandidaten, die sehr fähig sind.

Wie haben Sie die letzte Session erlebt?

Die letzte Session war sehr intensiv. Alle Geschäfte müssen behandelt werden, weil es die letzte Session der Legislatur war. Die Session dauerte deshalb mit drei Wochen ausserordentlich lange.

Was betrachten Sie als die grössten politischen Herausforderungen der Landwirtschaft im Berner Jura heute und in Zukunft?

Im Berner Jura ist die Landwirtschaft gut unterwegs. Die Betriebsstrukturen, also die Grösse der Betriebe, sind hervorragend. Die Milchwirtschaft steht im Vordergrund, wobei die meiste Milch in wertschöpfungsstarke Käsesorten wie Tête-de-moine, Greyerzer und örtliche Spezialitäten verarbeitet wird. 

Die grössten Schwierigkeiten haben wir mit der Bürokratie, wie zum Beispiel Baubewilligungen. Im Berner Jura haben wir zudem grosse Waldweiden, die im Unterhalt arbeitsintensiv sind. Auch das Entsorgen von Astmaterial stellt ein Problem dar, da ja das Verbrennen verboten ist.

Welche Herausforderungen mussten Sie persönlich in diesem Amt meistern?

Die Herausforderungen waren die Corona-Krise, die Gesundheit und die Sicherheit unserer Bevölkerung, die Jurafrage und hier namentlich die Moutierfrage sowie die Finanzen des Kantons Bern.

Auf welche Erfolge blicken Sie als Grossrat gerne zurück? Gab es auch eine empfindliche Niederlage, die Sie einstecken mussten?

Es ist ein Privileg in einem Kanton zu leben, wie dem Kanton Bern. Er ist geografisch, wirtschaftlich und kulturell äusserst vielfältig. In den letzten Jahren konnten wir auch endlich die hohen Steuersätze etwas reduzieren. Aber hier gibt es noch viel zu tun.

Gab es Widerstände gegen Ihre Arbeit innerhalb der Partei oder seitens der Öffentlichkeit, die Sie geprägt haben?

In einem Parlament gibt es naturgemäss verschiedene Meinungen, manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Im Kanton Bern haben wir eine bürgerliche Mehrheit, was auch sehr wichtig ist in der Zukunft.

Welche Bereiche sind aus Ihrer Sicht künftig besonders wichtig für die SVP-Grossrätinnen und Grossräte?

Die Sicherheit für Lebensmittel, Energie und Bevölkerung. Eine starke und produktive Landwirtschaft. Weniger Bürokratie und eine effizientere Verwaltung.

Wie sieht nun Ihre Zukunft aus, wofür setzen Sie die frei gewordene Zeit ein?

Ich freue mich, in Zukunft mehr Zeit für meine Familie und meine Freunde zu haben. Und vielleicht auch für etwas Ferien.