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Schweiz-International
Publiziert: 20.01.2019 / 12:29
IG Anbindestall will Tiergesundheitsbeiträge

Die Lobby für den Anbindestall setzt auf die vom Bund vorgeschlagenen neuen Tiergesundheitsbeiträge. Ursprünglich wollte man für eine BTS-Anerkennung von Anbindeställen kämpfen, der SBV riet aber ab.

Am Freitag haben sich rund 150 Mitglieder der IG Anbindestall in Thun zur Hauptversammlung getroffen. Die traktandarischen Geschäfte gingen reibunslos über die Bühne. Einige Sorgen bereitet der IG einzig die Zahlungsmoral der rund 2500 Mitglieder, wie Präsident Konrad Klötzli sagt: «Wenn alle pünktlich zahlen würden, hätten wir keine Probleme», so Klötzli mit Blick auf die Jahresrechnung.

Wieder Forschung zum Anbindestall

Klötzli sieht nach wie vor viel Potenzial für die Organisation. «Unser Ziel wäre, dass alle Bauern mit Anbindestall bei uns Mitglied werden», sagt der Berner Oberländer Landwirt. Laut seinen Angaben sind dies rund 50% der Milchviehhalter, also mindestens 10'000.

Klötzli stimmt optimistisch, dass sich auch die landwirtschaftliche Forschung wieder vermehrt dem Anbindestall annimmt, er erwähnt Arbeiten zur Frage, welches das beste Anbindestall-System ist oder zur Frage, wie gross das Problem von Lahmheit in Anbindeställen ist.

Zuletzt gab es einige Innovationen im Bereich Anbindestall. So hat man unter anderem im Bereich der Liegeflächen Elemente des Laufstalls wie die Kalk-Stroh-Matratze übernommen. Bei der Anbindevorrichtung wurde entschlackt, in neuen Anbindeställen gibt es beispielsweise nur noch eine Kette über den Köpfen, an denen die Kuh viel Bewegungsfreiheit geniesst.

Kuhtrainer nach wie vor unbestritten

Nach wie vor unbestritten ist für Klötzli der Kuhtrainer oder das Kuhreinhaltegerät, wie man ihn heute auch nennt. Es gebe zwar Alternativsysteme, diese seien aber nicht gleichwertig. In der politischen Auseinandersetzung wolle man sich dafür einsetzen, dass der Kuhtrainer künftig auch bei Neubauten wieder zugelassen werde, so Klötzli.

In der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2022+ will sich die IG aktiv einbringen. Das Ziel ist, dass Eigentümer von Anbindeställen in den Genuss der neu vorgesehenen Tiergesundheitsbeiträge kommen sollen (s. Kasten). Ursprünglich wollte die IG dafür kämpfen, dass der Anbindestallt ins BTS-Programm (für besonders tierfreundliche Stallhaltung) aufgenommen wird.

Der Schweizer Bauernverband habe aber von dieser Strategie abgeraten, sagt Klötzli. Der Dachverband habe befürchtet, dass damit BTS verwässert würde, da für den Konsumenten heute klar ist, dass BTS=Laufstall.

Rückenwind durch die Motion Von Siebenthal

Rückenwind für ihre Anliegen erhofft sich Klötzli von der Motion von Erich von Siebenthal «Keine Benachteiligung der Anbindeställe», die von beiden Räten angenommen worden ist. Von Siebenthal trat in Thun als Referent auf und rief dort unter anderem in Erinnerung, dass gerade im Berggebiet mit Mehrstufen-Betrieben ein Umbau auf Laufställe finanziell nicht zu bewältigen sei. Zudem seien die Umweltbelastungen im Anbindestall geringer als im Laufstall.

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Das geplante Tiergesundheitsprogramm des Bundes

Im erläuternden Bericht des Bundes zur AP 22+ steht zum neuen Programm unter anderem Folgendes (S. 82 und folgende):

Aufbauend auf dem Art. 104 Abs. 3 Bst. b BV, der die Förderung besonders tierfreundlichen Produktionsformen bezweckt, sollen im Bereich der Direktzahlungen die bestehenden Programme BTS und RAUS mit einem koordinierten Tiergesundheitsprogramm erweitert werden, welches auf das Tierverhalten, die Haltungsbedingungen, die Fütterung, die Vermeidung von Stresssituationen, die medizinisch messbare Gesundheit und den Einsatz von Tierarzneimitteln einwirkt.

Neu soll ein Anreizprogramm «Gesundes Nutztier» als zweistufiges Programm eingeführt werden. Einerseits sollen konkrete Massnahmen auf den Betrieben unter Berücksichtigung der betriebsindividuellen Unterschiede zu einer Verbesserung der Gesundheit der Nutztiere führen. Diese Stufe Massnahmen richtet sich an Landwirte, welche Unterstützung bei der Gesundheitsförderung in Anspruch nehmen wollen. Andererseits hat das Programm eine ergebnisorientierte Komponente, welche den effektiven Tiergesundheits-Status in den einzelnen Betrieben aufzeigt und bei guten Leistungen honoriert. Diese Stufe Ergebnisse richtet sich an Landwirte, die selbstständig und/oder mit unterstützenden Massnahmen einen guten Gesundheitszustand erreichen wollen. Diese Komponenten sind unabhängig voneinander. Tiergesundheitsbeiträge werden bis zu einem definierten Höchstbetrag ausbezahlt.
 
Die Massnahmen:
Massnahmen werden im Bereich der Prävention und Grundlagenverbesserung zur Förderung der Tiergesundheit vorgeschlagen. Dazu sollen keine neuen Handlungsanweisungen vonseiten Bund ausgearbeitet werden. Vielmehr soll die Teilnahme von Betrieben an teilweise bereits existierenden, vorwiegend beratenden Angeboten, welche betriebsindividuelle Massnahmen er möglichen, mit Direktzahlungen gefördert werden (z.B. Bestandesbetreuung, Gesundheitsdienste; nachfolgend private Programme genannt). Das BLW soll für diese Zielsetzung private Programme basierend auf einem Kriterienkatalog, der gemeinsam mit dem BLV und Fachpersonen aus der Branche ausgearbeitet wird, anerkennen können. Landwirte, welche an einem anerkannten Programm teilnehmen, können sich einen Anteil der anfallenden Kosten gegen Vorweis einer Quittung über die Direktzahlungen zurückerstatten lassen. Die privaten Programme legen dem BLW periodisch (alle 4 Jahre) einen Wirksamkeitsnachweis vor. Dieser wird für den Verbleib auf der Liste der anerkannten Programme vorausgesetzt.  
Dieses Modell hat den Vorteil, dass bewährte, private Initiativen fortgeführt werden und die Attraktivität der Prävention durch die Kostenbeteiligung des Bundes gesteigert wird. Anerkannte Massnahmen profitieren somit vom Zugang zu einem breiteren Kundenkreis. Der Bund stellt die Wirksamkeit der Programme über die periodische Wirksamkeitsprüfung sicher. Der Landwirt kann wie bisher ein für seinen Betrieb passendes Programm zur Prävention wählen, betriebsspezifische Massnahmen umsetzten und erhält neu finanzielle Unterstützung für anfallende Kosten. Der Bund schreibt keine auf dem Betrieb umzusetzenden Massnahmen vor, folglich ist auch der Kontrollaufwand bei den Kantonen gering. Die Zielerreichung wird über den alle vier Jahre erforderlichen Wirksamkeitsnachweis auf Stufe Programm sichergestellt.
 
Betriebe, welche auf eigenen Wegen eine gute Gesundheit ihrer Nutztiere erreichen, sollen Beiträge erhalten. In dieser Stufe werden keine Massnahmen vorausgesetzt und keine Handlungsanweisungen erteilt. Ein Set von Indikatoren stellt den Gesundheitszustand des Bestandes objektiv fest. Das BLW legt in Zusammenarbeit mit dem BLV einen Zielwert für diese Indikatoren fest. Der Landwirt erfasst den Gesundheitsstatus seines Bestandes mittels dieser Indikatoren. Betriebe, welche das gesetzte Ziel erreichen, können einen Beitragsanspruch geltend machen. Die Indikatoren werden voraussichtlich ab 2024 für eine breite Umsetzung bereitstehen.
Im Rahmen der Schaffung der Grundlagen für diese Tiergesundheitsbeiträge im LwG werden auch im Tierseuchengesetz entsprechende Bestimmungen geschaffen. Diese Änderungen werden im LwG unter den Änderungen bisherigen Rechts aufgenommen. 

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