Bauernzeitung | Logo | Home
Schweiz-International
Publiziert: 18.03.2018 / 08:57
IG Dinkel wächst weiter und lanciert neue Kampagne

Die IG Dinkel blickt auf ein erfolgreiches Jahr mit einer Rekordernte zurück. Nun sucht man weitere Produzenten und lanciert eine Bäckerkampagne. Produkte mit der IG-Marke UrDinkel sind bereits in 900 Verkaufsstellen von über 400 Schweizer Bäckereien erhältlich.

Bei der IG Dinkel läuft im Moment alles rund, man blickt auf eine Rekordernte zurück, die Zahl der Produzenten wächst und das Produkt ist am Markt auch dank dem eigenen Label UrDinkel gefragt. Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein, wie Präsident Fritz Trachsel an der GV in Ueberstorf FR betonte.

Sorgen bereitet Trachsel zurzeit die Trinkwasser-Initiative, die vom Titel her zwar sympathisch daherkomme aber im Falle einer Zustimmung harte Auswirkungen hätte. Immerhin biete die Volksinitiative die Gelegenheit, mit den Konsumenten ins Gespräch zu kommen. Und so Trachsel, er hoffe, dass diese dann auch so einkauften, wie sie abstimmen. Oder anders ausgedrückt, wer indirekt für eine Verteuerung der Produkte stimmt, sollte dann auch bereit sein, dafür mehr zu bezahlen. 

Flächen legen stark zu

Allzu lange hielt sich Trachsel aber nicht mit politischen Fragen auf, vielmehr thematisierte er wie sein Geschäftsführer Thomas Kurth (s. Interview im Kasten) auf den Markt. Hier ist der Dinkel zur vielversprechenden Nische herangewachsen. Letztes Jahr konnten erstmals seit der Gründung der IG in den 90-er Jahren über 30'000 Tonnen abgesetzt werden. Die Konzentration auf alte Sorten, die nie mit Weizen eingekreuzt wurden und die Lancierung des UrDinkel-Labels hat bei der Vermarktung von Brot, Pasta oder Biscuits stark geholfen.  

Der Aufschwung äussert sich auch in einem Wachstum der Anbaufläche. Die Aussaat 2017/18 bezifferte Kurth auf 3020 ha IP-Suisse-UrDinkel (+6%), 340 ha Bio Suisse UrDinkel (+18%) und 149 ha konventionellen Dinkel (11,4%).  Swiss Granum geht von einer Gesamtfläche von 5700 ha aus (+15%).

"Hand-Werk vom Feinsten"

Nun sollte man ja bekanntlich nie zurücklehnen, wenns gut läuft.. Deshalb lanciert die IG eine neue Bäckerkampagne unter dem Motto "Hand-Werk vom Feinsten", wie Petra Dubach von der Geschäftsstelle ausführte. Diese wird am 12. April lanciert und unterstützt mit einem neuen Kochbuch.

Die traktandierten Geschäfte gingen problemlos über die Bühne. Neu im Vorstand Einsitz nimmt Sandro Rechsteiner von der IP-Suisse. Er ersetzt dort Niklaus Hofer, der seit 2001 im Vorstand gesessen hatten und nun IP-intern vom Pflanzenbau zum Fleisch gewechselt hat, während sich Rechsteiner um den Ackerbau kümmert.

akr

"Wir postitionieren Dinkel so weit weg vom Weizen wie möglich"

Der Geschäftsführer der IG Dinkel, Thomas Kurth äussert sich im Interview über Marktverlauf und Erfolgsrezepte der Vermarktungsorganisation.

Die Ernten 2015 und 2016 fielen schlecht aus. Nur dank Importen gab es überhaupt genügend UrDinkel-Produkte in den Läden. Wie sieht gegenwärtig die Versorgung aus?
Thomas Kurth: Dank der guten Ernte 2017 konnten wir den Einsatz von Import-Bio-Dinkel alter Sorten per Ende 2017 beenden. Seit dem 1 Januar arbeiten die Mühlen wieder mit 100 Prozent Schweizer UrDinkel.

 

UrDinkel-Fläche legt seit Jahren zu, die Nachfrage wächst und wächst. Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?
Der wichtigste beeinflussbare Punkt ist, dass das Angebot kontinuierlich der Nachfrage angepasst wird: Sicherstellung einer genügenden Versorgung bei Vermeidung von Überschüssen. Mit den wetterbedingten Ernteschwankungen gerät man da aber leider auch von Zeit zu Zeit in Schwierigkeiten und muss teuer überlagern oder importieren. Wir investieren aber auch sehr viel in die Kommunikation und positionieren den UrDinkel möglichst weit weg vom Weizen. Nicht beeinflussen können wir, und das war und ist glücklicherweise naturgegeben, dass UrDinkel rundum gute Eigenschaften hat, die perfekt in die Langzeit- und Ernährungstrends passen.

 

Die IG Dinkel sucht zusätzliche Dinkel-Flächen. Wie ist das Interesse der Bauern?
Wir haben bisher die Wachstumsziele erreicht. Wir haben jedes Jahr neue Produzenten und zusätzliche Flächen auf bestehenden Betrieben. Die Feinsteuerung läuft hier über die Preisrelation zum Weizenpreis. Aber auch der gute Strohertrag und die Tatsache, dass Dinkel in den meisten Kantonen als separate Kultur bei der Landschaftsqualität anerkannt ist, helfen.

Man hört immer wieder, dass Dinkel auch von Menschen mit Glutenunverträglichkeiten konsumiert werden könne. Stimmt das?
Nein. Dinkel und UrDinkel haben mehr Gluten als Weizen. Bei Zöliakie werden beide nicht vertragen. Ein anderes Thema sind spezifische Weizenallergien. Das Thema ist aber komplex und wir machen in diesem Bereich bewusst keine Werbung.

 

Die IG Dinkel versucht, vermehrt auch in der Westschweiz Fuss zu fassen. Wie erfolgreich sind Sie?
Das ist schwierig und braucht noch viele Jahre Aufbauarbeit. Dinkel ist traditionell ein alemannisches Getreide und in der Westschweiz gab es schon immer den Weizen. Mit dem Anbau, den wir in der Waadt vor 3 Jahren gestartet haben, hoffen wir, über die Produktion in der Landschaft eine Brücke zum Konsumenten zu schlagen.

 

Annahme- und Lagerkapazitäten sind vielerorts limitiert. Was bedeutet das für den Ausbau der UrDinkel-Produktion?
Das ist ein stetes Thema, das uns begleitet. Der Lagervolumen-Bedarf ist beim Dinkel mit dem tiefen Hektolitergewicht besonders gross. Zum Glück gibt es immer wieder Betriebe, die an den weiteren Ausbau des Dinkelmarktes glauben und in neue Lagerkapazitäten investieren. Wir haben aber auch die Pflichtenhefte leicht angepasst, so dass Röllmühlen neu auch mit je einer zusätzlichen Sammelstelle zusammenarbeiten können.

 

Interview: LID

Ähnliche Artikel

IG Dinkel sucht Produzenten

Am 17. März findet in Sissach BL die Generalversammlung der IG Dinkel statt. Man suche noch zusätzliche Flächen in der ganzen Schweiz, heisst es in der Einladung.

06.03.2017

Gute Marktchancen 
für Dinkel

Im Mittelpunkt der Generalversammlung der IG Dinkel am Landw. Zentrum Liebegg AG standen Informationen über die Marktaussichten sowie die Mengensteuerung. «Dank guter Absatzentwicklung konnte das Flächenregime beim Dinkel wieder gelockert werden», hielt Präsidentin Sabine Jenni in ihrem Jahresbericht fest.

29.03.2014

Ihr Beitrag wird überprüft. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht.