Blumen, Äste, Ranken, Moos und Gräser stehen in Kübeln, Eimern und Vasen in und rund um das Geschäft. Gestecke mit Primeli und Hyazinthen, Federn und Eierschalen ziehen die Blicke auf sich. Von jedem Gestell lugt ein Deko-Osterhase und es riecht fast tropisch nach Erde, feuchter Luft und den verschiedensten Blumendüften. Im «Blumenlädeli» von Petra Schmid ist der Frühling in Hochblüte.
Der Liebe wegen umgezogen
Petra Schmid hat im Gartencenter in Beinwil am See nach der Grundschule Floristin gelernt. Anschliessend vertiefte sie ihr Handwerk während fünf Jahren in zwei verschiedenen Blumenläden in Anstellung. Der Liebe wegen zog sie dann zu Ruedi Schmid auf seinen Hof in Hägglingen AG. Sie gründeten eine Familie und bekamen zwei, unterdessen erwachsene Kinder. Ihr Mann Ruedi Schmid kümmert sich bis heute um den Hof mit 20 Hektaren Nutzfläche. Die Schmids halten Mutterkühe und betreiben Pouletmast. Zudem ist er im Dorf als Gemeinderat tätig.
In ihrem Bekanntenkreis war bekannt, dass sie mit grosser Freude wunderschöne Blumendekorationen zaubert. Immer wieder bekam sie Anfragen und richtete im Keller ihres Bauernhauses Sträusse und Gestecke auf Bestellung her. Ihre Kinder wurden älter, und so blieb ihr zunehmend mehr Zeit für ihren ursprünglich gelernten Beruf. Sie organisierte stimmungsvolle Adventsausstellungen auf dem Hof, die weit herum bekannt waren, und ihr Keller wurde zu einem kleinen Atelier, in dem man jederzeit ein Blumengeschenk kaufen konnte.
Blumendeko für eine TV-Sendung
Mit den Aargauer Landfrauen dekorierte sie Anlässe wie die Abschiedsfeier von Regierungsrat Roland Brogli oder die Landammannfeier von Regierungsrat Markus Dieth. Auch die Dekoration des «Buuresonntig» des Bauernverbands Aargau liegt seit vielen Jahren in ihrer Obhut. «Mein erster Auftrag war jedoch für die SRF-Sendung ‹Hopp de Bäse› mit Kurt Zurflueh», erinnert sie sich stolz. «Ein Ereignis, das ich nie mehr vergesse.»
Vor fünf Jahren wurde im Nachbarsdorf Dottikon ein Blumengeschäft frei. Petra musste nicht lange überlegen, ob sie diese Chance packen wollte: «Ich würde es noch heute jeden Tag bereuen, wenn ich es nicht gewagt hätte», davon ist sie überzeugt.
Arbeiten im Team
Mit einer grossen Eröffnung zum Muttertag 2021, bei der sie von den Kunden förmlich überrannt wurde, startete sie ins offizielle Geschäftsleben. Ihre Arbeit frönt nun keinem Kellerdasein mehr; das Bluemelädeli an zentraler Lage lädt rund um die Uhr zum Shoppen ein. Geschlossen ist der Laden nur am Sonntag. Abends und an Feiertagen kann man sich jederzeit selbst bedienen und mit Twint bezahlen. «Das funktioniert recht gut», stellt Petra Schmid fest. «Es wird relativ wenig gestohlen.»
Unterdessen beschäftigt sie zwei Angestellte. «Ich habe ein gutes Team und schätze die Zusammenarbeit sehr», sagt sie. «So kann ich mir einen Tag in der Woche freinehmen, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen oder allenfalls auf dem Betrieb mitzuhelfen.»
Ihr Mann Ruedi unterstützt sie mit allen Kräften, indem er seit der Geschäftseröffnung täglich kocht. «In den ganzen 25 Jahren unserer Ehe hat er sich nie in der Küche gezeigt. Jetzt entwickelt er beinahe eine Leidenschaft dafür und kocht sehr gut. Ich freue mich immer aufs Mittagessen», schwärmt Petra Schmid. Geschäftsfrau zu werden bedeutet für sie «Lernen mit dem Tun». «Ich habe mir vieles selbst beigebracht, Ratschläge eingeholt und natürlich auch Lehrgeld bezahlen müssen. Und doch würde ich es jederzeit wieder machen.»
Schwer berechenbar
Das Blumengeschäft ist kein einfaches Business. Kalkulieren und Planen gleichen manchmal einem Blick in die Kristallkugel – die sie jedoch nicht besitzt, wie sie lachend erzählt. Wie viele Rosen braucht es am Valentinstag? Wie läuft das Geschäft am Muttertag? Sie möchte eine schöne Auswahl anbieten können und dennoch nicht zu viele Blumen übrighaben.
Die Arbeit mit den Kunden schätzt sie sehr. «Viele sind Stammkunden, aber es gibt auch immer wieder spannende Laufkundschaft.» Auch die Zusammenarbeit mit den Landfrauen, dem Bauernverband und der Vianco Arena bedeuten ihr viel. Ebenso zählen Hochzeitsplanerinnen, Bestattungsunternehmen und Restaurants zu ihren Auftraggebern. «Wir sind dankbar für jeden Auftrag, auch für die ganz kleinen, denn die laufenden Kosten sind nicht zu unterschätzen.»
In zwei Büchern verewigt
Sie könnte Bücher schreiben über all die Geschichten, die sie schon erlebt hat, meint Petra Schmid schmunzelnd. In zwei Büchern kommt sie tatsächlich vor – und hat grosse Freude daran. Im Buch «Wald- und Wiesensträusse» der «Landliebe» wurden sie und ihre Arbeit porträtiert. Auch Autor Pirmin Steiner, der sich als Praktikant durch verschiedenste Berufe arbeitete, half bei ihr als Florist aus und hat sie in seinem Buch «Beruf(ung) Einblicke» verewigt.
Es hat ihm so gut gefallen, dass er ab und zu wieder als Aushilfe im Laden steht – und sei es als Betreuer des Stammtisches, den Petra in einem Teil ihres Lokals eingerichtet hat und wo sie Getränke und Kaffee anbietet. So ist das Bluemelädeli auch ein Treffpunkt für die Dorfbewohner geworden.