Weidemast-Berater Stefan Schürmann weiss, dass die Haltung der Biotränker auf dem Betrieb während mindestens vier Monaten hinsichtlich der Rentabilität «schwierig» ist. Eine weitere Herausforderung ist der Verkauf des Fleischs der Bioweiderinder vom Partnerbetrieb. 

Fleischproduktion Mit der Bioweidemast den Tränker-Kreislauf schliessen Sonntag, 4. Januar 2026 Bio Bern sei aktuell mit einem potenziellen Abnehmer in Kontakt, der einige Tiere monatlich abnehmen könnte, sagt Projektleiterin Regula Etter. Sie rät, vor der Umstellung auf Bioweidemast einen Abnahmevertrag mit möglichen Abnehmern wie Aldi (Retour aux Sources Weiderind), Lidl (Lidl Organic Weiderind) oder Migros (Bioweidebeef) mit ihren spezifischen Übernahmebedingungen zu vereinbaren, damit eine Abnahme auf jeden Fall garantiert ist. «Bei Aldi sind beispielsweise aktuell Bio-Weidemast-Partnerbetriebe gesucht, mit einem Liefervorrang für Retour aux Sources Weiderinder», weiss Stefan Schürmann.

Schwere Tiere in die Gastronomie

Parallel dazu bauen verschiedene Branchenakteurinnen ein Programm auf, das den Zugang zur Gastronomie erleichtern soll. Dieser Absatzkanal ist besonders für schwere Tiere geeignet, da dort die Portionierung der Stücke weniger streng eingehalten werden muss, als dies beim Labelfleisch im Detailhandel der Fall ist.

Regula Etter ist sich bewusst, dass das System Bioweidemast noch nicht grossflächig verbreitet ist. Die Branche hat jedoch erkannt, dass die Kopplung von Milch und Fleisch unausweichlich ist. «Demnach sollen vermehrt auch F1-Tiere und Ochsen aus der Milchviehhaltung einen Markt finden», so Etter.

Überschüssige Milch verwerten

Laut den Fachpersonen befinden sich die Milchviehbetriebe akutell in einem Umfeld, indem die Nachfrage nach Bio-Remonten steigt. Zudem entsteht durch das Abtränken auf dem Geburtsbetrieb die Möglichkeit zur Verwertung der überschüssigen Milch, was in Zeiten eines sinkenden Milchpreises attraktiv sein könnte. Die Anforderungen und Vorteile für die Geburtsbetriebe sind also klar. 

Doch welche Auflagen müssen die Partnerbetriebe erfüllen, die Bioremonten auf der Weide ausmästen wollen? Regula Etter von Bio Bern verweist in diesem Zusammenhang auf die Richtlinie der Bioweidebeef-Produktion und listet folgende Punkte auf:

  • Unterteilung in 3 Gruppen (idealerweise)
  • Genügend eingestreute Fläche
  • Permanent zugängliche Laufhöfe
  • Dauerhafte und starke Absperrungen
  • Selbstfanggitter einbauen
  • Mindeststallmasse Mastvieh, Jungrinder bis über 400 kg SG
  • Alter Mastvieh/Jungvieh >12/20 Monate und LG über 400 kg brauchen eine eingestreute Liegefläche von mindestens 3

Auf jeden Fall gelte es, die Fressplatzbreiten einzuhalten, betont die Fachfrau. Für die Ochsen eignen sich laut Etter Tiefstreuliegeplätze oder Hochboxen besser als Tiefboxen. Die Betriebe müssen die Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) sowie RAUS einhalten. Zudem gilt eine Laufstallpflicht. Das Weide-RAUS ist freiwillig. Dieses schreibt einen TS-Verzehr von 70 % TS auf der Weide vor. Hier gilt: Lieber eine etwas kleinere Herde, dafür das Weide-RAUS erfüllen. «Das ist finanziell interessant», sagt auch Stefan Schürmann vom Institut für Agrarökologie.

Diese Anforderungen an den Stall gelten

Ideal ist laut den Fachpersonen eine Einteilung in drei Gruppen. Eine Gruppe für die jungen Kälber bis 1½-jährig, dann je eine Ausmastgruppe für die Ochsen und eine für die Rinder, weil die Ochsen einen höheren Energiebedarf haben bzw. die Rinder schneller verfetten. Generell kann man als Ersatz für 20 Milch- oder Mutterkühe mit rund 40 Weiderindern rechnen, zumindest was den Futterbedarf anbelangt. Natürlich muss denn auch die Herdengrösse auf die Weidefläche und die Stallverhältnisse angepasst sein.

Hinsichtlich der Fütterung gibt es auch bei der Bio-Weidemast verschiedene Intensitäten. In der «intensivierten» Mast schaut man genau auf den Bedarf und stimmt das Futter entsprechend ab. Dies sei jedoch je nach Saison schwierig zu treffen, sagt Stefan Schürmann. «Schlussendlich ist es auch eine Genetikfrage», so der Berater. 

Als passendes Beispiel nennt Regula Etter die Limousin-Rasse, die für die intensivere Mast geeignet sei. «Hat man eine weniger intensive Futtergrundlage, eignen sich zum Beispiel Anguskreuzungen gut. Hat man eine gute Futtergrundlage, sind Aubrac- oder Charolaiskreuzungen eher besser geeignet.» 

Schürmann verweist dazu auf die aktuellen FiBL-Merkblätter zum Thema Kälberaufzucht und Bioweidemast. Weiderinder seien kompatibel mit einer Sömmerung, aber es brauche eine geeignete Alp, sagt Schürmann.

Der Bund soll Anreize schaffen

Angelehnt an die Tränker-Problematik läuft das Projekt der KAG-Freiland «Zu Hause gross werden», welches Bio Luzern mit der Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung, Bio Suisse und dem Rindergesundheitsdienst vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat.

Ziel des Projekts ist es, Kälber mindestens 120 Tage auf dem Geburtsbetrieb zu halten. Anschliessend sollen die Kälber auf einem Partner-Bio-Weidebetrieb aufwachsen und das Fleisch über den Biokanal vermarktet werden. Dies soll die Reduktion des Antibiotika-Einsatzes durch Gesunderhaltung der Kälber fördern. Eine andere Möglichkeit ist die Haltung der Kälber auf dem Geburtsbetrieb während mindestens 150 Tagen und anschliessendem Verkauf in die Weidemast. Die Projektbetriebe verpflichten sich dabei über eine Zeitspanne von zehn Jahren. 

Dabei können Bio-Milchbetriebe, die zu wenig Stallplätze für das Abtränken der Kälber haben, im Rahmen des Projekts bei KAG-Freiland eine finanzielle Unterstützung für den Stallbau beantragen. Der RGS begleitet das Projekt und leitet dem Bundesamt für Landwirtschaft die Resultate weiter. Dies mit dem Ziel, später durch den Bund Anreize – beispielsweise in Form von Direktzahlungen – zu schaffen, um das Abtränken auf Geburtsbetrieben zu fördern.


«Ein Projektbetrieb konnte den Deckungsbeitrag um 7900 Franken steigern»

Nachgefragt bei Chiara Augsburger

Frau Augsburger, wie verbreitet ist die Bioweidemast heute in der Schweiz?

Es werden rund 10 000 Tiere als Bio-Weiderindfleisch vermarktet.[IMG 2]

Wie gross ist die Kapazität des Projekts? Können momentan überhaupt noch neue Remonten- und Mastbetriebe aufgenommen/unterstützt werden?

Es können nach wie vor Geburtsbetriebe aufgenommen respektive unterstützt werden.

Wie hoch ist der Anteil an Biotränkern, die im konventionellen Mastkanal landen?

Schätzungsweise rund 70 Prozent der Kälber aus der Biomilchproduktion gehen als Tränker in die konventionelle Kälber- und Grossviehmast.

Als wie hoch schätzen Sie die Bereitschaft der Biomilchbetriebe ein, ihre Tränker mindestens vier Monate auf dem Betrieb zu halten?

Das Interesse ist vorhanden, jedoch braucht es Überwindung, das bisherige System hinter sich zu lassen. Die Kapazitäten müssen auf den meisten Betrieben geschaffen werden. Jedoch setzen die finanziellen Unterstützungsbeiträge aus dem Projekt genau da an: bei Kosten für Infrastrukturanpassungen.

Was sind die Anforderungen an die Partnerbetriebe, um abgetränkte Biokälber auf der Weide auszumästen?

Für die Partnerbetriebe sind keine Anforderungen ausformuliert. Wichtig sind passende Partnerbetriebskonstellationen, dies sowohl auf persönlicher Ebene als auch auf Produktionsebene, z. B. passende Futtergrundlagen zur Genetik der Remonten.

Die Checkliste hält fest, dass Projektbetriebe mindestens zehn Jahre mitmachen müssen. Warum diese Forderung?

Die Auszahlung von finanziellen Beiträgen, die bei KAG-Freiland aus Spendengeldern stammen, fordert eine gewisse Verbindlichkeit. Mit dieser Forderung möchten wir sicherstellen, dass die teilnehmenden Betriebe hinter dem Projekt stehen und ihre Kälberhaltung nachhaltig verändern. Gleichzeitig wollen wir damit missbräuchliches Verhalten verhindern, indem finanzielle Beiträge abgeholt würden und danach weiterhin Tränker verkauft würden.

Was sind die Vorteile für den Bio-Geburtsbetrieb? Mit welchem preislichen Vorteil gegenüber dem Verkauf in den konventionellen Kanal kann er rechnen?

Die Gesundheit der Kälber ist nachweislich besser: keines der ausgewerteten Projektkälber musste bisher antibiotisch behandelt werden. Die Preise für die Remonten werden jeweils von den Partnerbetrieben untereinander ausgemacht und sind daher meist betriebsindividuell. Als Beispiel: Ein Projektbetrieb konnte den Deckungsbeitrag durch den Remonten- anstatt den Tränkerverkauf um 7900 Franken steigern.

Infos zu stallbaulichen Vorschriften