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Bei Familie Manser geht sogar der Stier durch den Melkroboter

Die Umstellung auf Bio braucht Zeit. Emil Manser aus Brülisau zeigte an einem Schnupperhöck des Bio-Rings Appenzellerland, wie es funktioniert und mit welchen Tücken er bei der Umstellung vor 27 Jahren zu kämpfen hatte.

Im Appenzellerland sind die Betriebe aufgrund der Bewirtschaftung und der Strukturen nahe am Biolandbau. Doch nur 6,5 Prozent der Betriebe in Appenzell Innerrhoden (28) werden biologisch bewirtschaftet. 19,6 Prozent sind es in Ausserrhoden (132). Mit Schnupperhöcks will der Bio-Ring Appenzellerland Gegensteuer geben und lädt Bauern und Bäuerinnen, die sich Gedanken über eine Umstellung machen, zu Hofbesichtigungen ein. Am 28. Juli 2023 war man zu Gast bei Emil und Claudia Manser in Brülisau. Ihr Hof liegt auf 1150 m ü. M. und ist einer der höchstgelegenen Betriebe in Appenzell Innerrhoden.

Durch das steile Gelände baulich eingeschränkt

Bei Familie Manser geht sogar der Stier durch den Melkroboter
Emil und Claudia Manser haben mit der grossen Umstellerwelle 1996 auf Bio umgestellt.

Den rund 40 Besuchern bot sich vom Betrieb Rossberg aus eine fantastische Aussicht auf das Alpsteingebirge und über das Appenzellerland. Doch diese einmalige Lage hat ihre Tücken. «Wir sind durch das Gelände baulich eingeschränkt», sagte Emil Manser. Der Kuhstall war eines von mehreren Beispielen, die der Betriebsleiter erwähnte. 1994 übernahm Manser den Betrieb mit sehr baufälligen Gebäuden von seinen Eltern. Zwei Jahre später stellte er auf Bio um. 1998 wurde der Laufstall mit der Scheune erneuert.

«Wir wollten eigentlich für 30 Kuhplätze bauen, doch bewilligt wurden nur 26.»

Emil Manser zum Umbau vom Anbinde- zum Laufstall

Beim Bau hatten sie nicht viel Spielraum in dem steilen Gelände. Darum bauten sie zweistöckig, unten der Kuhstall und oben die Scheune mit Hocheinfahrt.

Eingewöhnung an den Melkroboter braucht Zeit

2016 stellten sie vom Tandem-Melkstand auf einen Melkroboter um. «Ich dachte, dann geht es mit dem Melken etwas ringer», scherzte Emil Manser. Die Umstellung sei dann aber happig gewesen. «Fürs Einmelken muss man den Kühen Zeit geben, das funktioniert nicht einfach von heute auf morgen.» Die Milch bringen sie alle zwei Tage ins Tal, wo sie von der Molkerei Biedermann abgeholt wird. Die durchschnittliche Milchmenge liegt bei 6500 kg pro Kuh.

Blick vom Laufhof in den Milchviehstall. Aus Platzgründen wurde das Tor zum Melkroboter schräg gebaut. Die Kühe stört es nicht.
Blick vom Laufhof in den Milchviehstall. Aus Platzgründen wurde das Tor zum Melkroboter schräg gebaut. Die Kühe stört es nicht.

Speziell am Melkroboter ist, dass die Kühe auf der Seite reingehen. Das Tor zum Roboter ist aufgrund der Platzverhältnisse schräg gebaut. Manser berichtete, dass auch die Galtkühe und sogar der Charolais-Stier durch den Melkstand gehen würden. «Sie holen sich dort ihre Portion Kraftfutter – ohne Melken natürlich.»

Des Weiteren produzieren Emil und Claudia Manser Bio-Weide-Beef für die Migros. Der Betriebsleiter ist zufrieden: «Das Programm läuft gut. Die Tiere sind gesucht und der Preis stimmt.» Die Tränker, die er nicht ausmästet, verkauft er an die Silvestri AG. Manser verzichtet auf die eigene Nachzucht, er kauft die Rinder bei einem Biobauern aus dem Toggenburg.

Betriebsspiegel

Name: Emil und Claudia Manser Ort: Brülisau AI Betriebstyp: Bio-Knospe Fläche: 40 ha LN, davon 10 Prozent Ausgleichsflächen QII; 5 ha Wald zur Brennholzgewinnung Tierbestand: 25 Milchkühe, 1 Stier, 15 Weide-Beef, 10 Mutterschafe, 2 Alpakas Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, 1 Lehrling

Wasser von der eigenen Quellfassung

Da alles Abwasser von Stall und Wohnhaus in die Güllegrube geht, mussten Mansers 2009 ein zweites Güllenloch bauen. Dieses befindet sich rund 20 Meter vom Stall entfernt, unterhalb der Remise. Das Gebäude dient im Sommer als Maschinenunterstand, im Winter ist die Schafherde darin untergebracht. Ist die Güllengrube beim Kuhstall voll, wird die Gülle in die zweite Grube gepumpt und später wieder zurück. «Wir machen das oberirdisch mit einem Schlauch», führte Emil Manser aus. Das sei einfacher und günstiger zu realisieren gewesen als eine Bodenleitung. Beim Wasser sind Mansers in der glücklichen Lage, eine eigene Quellfassung mit einem Reservoir à 5000 Liter zu haben. Das Hydrantenwasser käme gar nicht zum Betrieb hoch, es bräuchte Zwischenpumpen.

Bei Familie Manser geht sogar der Stier durch den Melkroboter
Der Stall wurde wegen den Platzverhältnissen zweistöckig gebaut.

Futterpreise machen zu schaffen

Koni Meier, Präsident des Bio-Rings Appenzellerland, wollte von Emil Manser wissen, wie er mit den neuen Fütterungsrichtlinien – 100 Prozent Biofutter, max. 5 Prozent Kraftfutter – zurecht käme. Manser räumte ein:

«Wir können die Kühe fast nicht mehr nutzungsgerecht füttern.»

Emil Manser zur 5 Prozent Kraftfuttergrenze im Bio

Aber wenn man bei einem Programm mitmache, müsse man auch die Kriterien erfüllen. Die 5 Prozent Kraftfuttergrenze macht ihm weniger Sorgen als die gestiegenen Preise.

Darum werden die Kühe mit möglichst viel eigenem Grundfutter mit hoher Qualität gefüttert. Im Melkroboter bekommen sie Lockfutter. Die Bio-Weide-Beef-Tiere erhalten Ökoheu und Grundfutter von mittlerer Qualität. «Maiswürfel muss ich zukaufen und das ist teuer», schilderte Manser. «Da die Kühe die Würfel sowieso nicht fressen, höre ich wieder auf damit.»

Alpakas für den Herdenschutz

Die zehn Mutterschafe waren zum Zeitpunkt der Betriebsbesichtigung auf der Weide. Ebenso die Alpakas. Manser hält sie für den Herdenschutz bei den Schafen. Ihm gehören ein Muttertier und ein Junges, fünf Alpakas sind derzeit bei Familie Manser in den Ferien. Für den Herdenschutz würden Emil Mansers eigene zwei Tiere genügen.

Bei Familie Manser geht sogar der Stier durch den Melkroboter
Die Alpakas wurden für den Herdenschutz angeschafft. Zwei Tiere gehören Familie Manser, die übrigen Tiere sind derzeit bei ihnen im Futter.

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