Das Tierschutzgesetz (TSchG), die Tierschutzverordnung (TSchV) und die Verordnung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über die Haltung von Nutztieren und Haustieren (Nutz-HaustierV) basieren auf Mindestabmessungen für Stalleinrichtungen. Hingegen ist das Ziel des Kuhkomforts eine Haltung im Stall mit möglichst wenig Einschränkungen. Dies als gute Basis für gesündere und langlebigere Tiere.

Platz für Kopfschwung nötig

Steht eine Kuh auf der Weide auf, schwingt sie den Kopf weit nach vorne, um mithilfe des Schwungs ihr Hinterteil hochzustemmen. Für diesen Kopfschwung benötigt die Kuh, von den Vorderknien gemessen, bis zu einem Meter Platz. Werden die vorgeschriebenen Masse mit den Empfehlungen für Kuhkomfort verglichen, gibt es vor allem beim Kopfraum grosse Unterschiede.

Beispiel Gutsbetrieb in Hohenrain

Die Liegeboxen auf dem Gutsbetrieb des BBZN Hohenrain sind beim Umbau 2006 gemäss der damaligen Tierschutzverordnung erstellt worden. Werden die Kühe beim Aufstehen beobachtet, stellt man fest, dass die Tiere den Kopfschwung zur Seite machen. Das zeigt deutlich, dass die vorgegebenen Masse des Tierschutzes für den Kopfschwung nicht ausreichend sind. Was für junge Tier weniger ein Problem darstellt, ist für hochträchtige und ältere Kühe äusserst kräfteraubend.

Verlängerung ist selten möglich

Eine Verlängerung der Boxe in die Laufgänge ist selten möglich, da diese Masse ebenfalls vom Tierschutz vorgegeben sind. Deshalb muss bei gegenständigen Boxen jegliche Behinderung im Kopfbereich der Kuh entfernt werden. Beim Gutsbetrieb BBZN muss das Frontrohr nach oben gesetzt werden. Um einen optimalen Kuhkomfort zu ermöglichen, sollte das Rohr ganz entfernt werden, was jedoch nicht gesetzeskonform wäre. Bei wandständigen Boxen gibt es durch die Entfernung der Wand Platz für den Kopfschwung. Ein positiver Nebeneffekt ist die Erhöhung der Frischluftzufuhr in den Stall. Jedoch muss vor diesem Schritt unbedingt die Statik überprüft werden.

Hinsehen und dann handeln

Doch nicht nur der seitliche Kuhschwung gibt einen Hinweis auf den ungenügenden Kopfschwungraum. Weitere Hinweise, wie in den Boxen stehende Kühe oder schräg liegende Tiere, können Anzeichen dafür sein. Die Zeichen der Kuh müssen bewusst wahrgenommen und verstanden werden.