Das Streben nach grösstmöglicher Effizienz macht auch vor der Viehzucht nicht halt. So sollen bei «modernen» Kühen die Futterverwertung optimal, die Milchleistung hoch und die Gehalte der Milch möglichst stabil sein. Die Anatomie der Kuh setzt diesem Streben jedoch noch immer gewisse Grenzen.

Projekt lange geheim gehalten

Nun haben Forschende des königlichen niederländischen Milchforschungs-Instituts (Koninklijke Melk Onderzoeksinstitut, KMO) über ein bislang streng geheim gehaltenes Zuchtprojekt informiert, das diese Grenzen verschieben will: Ein internationales Forscherinnenteam des KMO hat in den vergangenen Jahren unter Hochdruck daran gearbeitet, eine noch leistungsfähigere Kuh zu züchten. Das Hauptmerkmal der neuen Holstein-Züchtung ist bahnbrechend: Die HO-Kuh Unix Antje verfügt über sechs Zitzen.

Einen Fehler zur Stärke machen

Davon versprechen sich die Holländer eine gesteigerte Milchleistung, positive Auswirkungen auf die Eutergesundheit und eine erhöhte Langlebigkeit des Tiers. «Kühe mit sechs Zitzen sind eigentlich keine Neuheit. Sogenannte Afterzitzen wurden bislang einfach als ein fehlerhaftes Merkmal in der Zucht abgetan und möglichst unterbunden», erklärt Rudolf Carrell, assoziierter Forscher in Wageningen, an einer virtuellen Medienkonferenz.

«Wir haben uns aber gefragt, wie es wäre, wenn diese Zitzen als vollwertige Striche nutzbar wären.» In einer gesteigerten Zitzenzahl liege nämlich ein grosses Potenzial, auf das man sich nun mit der Neuzüchtung besonnen habe, ergänzt Carrells Kollege Johannes Heesters. Dadurch, dass die Milchleistung nicht mehr auf vier Viertel, sondern neu auf sechs Sechstel aufgeteilt werde, sei in jedem Segment eine Leistungssteigerung möglich. Zudem erhöhe sich die Eutergesundheit entscheidend, da durch die zusätzlichen Kanäle nach dem Melkgang keine Restmilch im Euter verbleibe. Dies minimiere wiederum das Entzündungsrisiko drastisch.

Die Genetik sorgfältig ausgewählt

Das Interesse an der neuen HO-Genetik sei gross, lässt Rudolf Carrell die Journalistinnen und Journalisten der internationalen Fachpresse wissen. Vater von Antje ist der bekannte und sehr komplette Holstein-Stier Unix; mütterlicherseits stammt sie in fünfter Generation aus einer Trimbo-Tochter. Trimbo war seinerseits bekannt dafür, Zusatzzitzen zu vererben. «Wir haben bei der züchterischen Selektion sehr viel Sorgfalt walten lassen und sind überzeugt, dass Antje ein sehr grosses Potenzial hat», betont Carrell.

Melktechnik-Anbieter involviert

Eng in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit eingebunden war auch der Melktechnik-Hersteller Lely. «Wir haben das enorme Potenzial einer Kuh, die an sechs Zitzen gemolken werden kann, erkannt. Sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht ergibt dieser Zuchtfortschritt absolut Sinn, weshalb wir uns freuen, als einziger Melktechnologie-Anbieter von Anfang an als vollwertiger Partner in den Prozess miteingebunden worden zu sein», sagt Marcel Schwager, Mitglied der Geschäftsleitung von Lely Schweiz.

So hat sich Lely einmal mehr innovativ gezeigt und einen Melkroboter entwickelt, der mit sechs Zitzen arbeiten kann: «Bei uns läuft aktuell ein Projekt für einen Melkroboter, der eigens für die neuen Gegebenheiten mit sechs Zitzen konzipiert wird. Sobald sich die neue HO-Genetik einmal am Markt etabliert hat, wird auch dieser Roboter Einzug in den Ställen halten», bestätigt der Ostschweizer.

Folgen bald weitere Züchtungen?

Der züchterische Erfolg des niederländischen KMO hat indes bereits Wellen geschlagen. Hierzulande arbeiten Forschende der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwisschenschaften (HAFL) im bernischen Zollikofen an einem entsprechenden Projekt zur Zucht von Milchziegen mit vier Zitzen. «Wir arbeiten stets am Puls der Zeit und sind international bestens vernetzt. So sind wir auch über die Forschungen in den Niederlanden ins Bild gesetzt worden», sagt Peter Spring, Leiter Fachbereich Agronomie an der HAFL.

Im Gegensatz zum KMO setzt die HAFL mit ihrem Milchziegenprojekt aber auf das Besetzen einer Nische und arbeitet dafür mit einem kleineren Anbieter: Mit an Bord ist die Wermelinger Melktechnik aus Hasle im Entlebuch, die eigens entsprechende Technik entwickeln will.

ACHTUNG: «April, April»
So sensationell unsere exklusive Nachricht vom niederländischen Zuchtfortschritt und der Wunderkuh Antje mit sechs Strichen ist - sie ist leider ein frei erfundener Aprilscherz. Auch die holländischen Kühe haben nach wie vor vier Zitzen.

Die BauernZeitung möchte sich an dieser Stelle herzlich bei Lely Melktechnik, Wermelinger Melktechnik und Peter Spring von der HAFL bedanken.