«Ich kann bei keiner sagen, die hätte einen Fehler. Aber eine muss ich nehmen.» Mit diesen Worten eröffnete der Obwaldner Richter Sepp Rohrer den Schöneuterpreis der Kühe ab vierter Laktation. Die Entscheidung fiel knapp zugunsten von Nancy aus, einer Jongleur-Tochter von Hansruedi Zgraggen, Bürglen. Knapp dahinter platzierte sich Jelinda von Hans Indergang, Erstfeld. Auch die Vorjahres-Miss Evolet stand auf dem Podest. Und die beiden, Nancy und Evolet, sollten sich nicht zum letzten Mal an diesem Tag gegenüberstehen.
Nicht nur Volumen
Stefan Knecht befand bei der Erstmelk-Schöneuterwahl: «Das sind Kühe mit Zukunft.» Seine Wahl fiel nicht auf das Tier mit dem meisten Eutervolumen oder -druck; Knecht beeindruckten die Drüsigkeit und die breite, hohe Euteraufhängung der Siegerin Calvin Coline. Gegenüber der Jongleur-Tochter Nadia von Hans Indergand, Erstfeld, war sie stärker in der Zitzenstellung. Das Siegertier gehört Damian Arnold, Schattdorf, welcher zuvor mit Nescardo Greysi bereits den Schöneuter-Titel der mittleren Kühe empfangen hatte. Beni Schmid suchte dort ebenfalls nicht das grösste Euter, sondern «es muss in allen Teilen dem Zuchtziel möglichst nahe kommen». Ausschlaggebend war wiederum die bessere Zitzenstellung gegenüber Blooming Belinda von Urs Gisler, Andermatt.
Eine Altbekannte
Theo Marty setzte bei der Schöneuter-Ausscheidung der Original-Braunvieh-Kühe auf Valido-Tochter Pia. «Eine alte Kuh, die schon etwas geleistet hat und das Euter sitzt noch immer so hoch und breit «, sagte er über die Siegerin von Josef Kempf, Isenthal. Pia hatte vor drei Jahren bereits die Schleife der Miss Uri OB getragen. Marty gab ihr den Vorzug vor General Belinda von Gusti Zurfluh, Isenthal, und der jungen, vielversprechenden Valerius-Tochter Madeira von Theo und Toni Kempf, Attinghausen.
Die Jüngsten sind bereit
«Die Zukunft der Urner Viehzucht ist gesichert.» Zu diesem Schluss kam Marty bei der Suche nach der Rindermiss OB. Der Bürgler Thomas Arnold siegte mit seiner Lorento Lorena vor den Isenthaler Züchtern Josef Kempf und Gusti Zurfluh. Die Gewinnerin gefiel Marty mit ihrem Format, Fundament und nicht zuletzt der super Euteranlage. Ge-genüber der Vize-Miss Valerius Luna habe sie noch etwas mehr Kapazität im Rahmen. Minor Erina als Dritte gehörte zu den jüngsten Jährlingen, ihr attestierte Marty eine grosse Zukunft.
Die Rindertagessiegerin bei den Brown Swiss hiess Ascard (Alino) von Klaus Kempf, Unterschächen. Die Siegerin der ältesten Rinderklasse war eine imposante Erscheinung, hoch gewachsen mit ideal aufgesetztem Widerrist. Sie wurde Blooming Elodie von Thomas Baumann, Schattdorf, vorgezogen. Auch hier stand auf dem dritten Platz mit Hägar Helen von Daniel Walker, Flüelen, ein junges, hoffnungsvolles Tier.
Eine Top-Bergkuh
Der Berner Andreas Anderegg traf seine Entscheidung bei der Miss-Wahl aufgrund von Kleinigkeiten. «Diese Kühe können laufen, wie es sich für einen Bergkanton gehört», hatte er zuvor festgestellt. Als «Top-Bergkuh» bezeichnete er denn auch die Siegerin, General Belinda von Gusti Zurfluh, Isenthal. Ins Auge stach ihr sehr hoch angesetztes Euter. Vize-Miss wurde Minor Waespi von Ruedi Briker, Flüelen, eine ältere Kuh mit ausgezeichnetem Galteuter. Auf dem Ehrenplatz klassierte sich die junge, schon sehr gut entwickelte Madeira von Theo und Toni Kempf, Attinghausen.
Zum Abschluss duellierten sich wieder die beiden «Grandes Dames» Nancy und Evolet, beide Jongleur-Nachkommen. Gross war die Freude bei der Familie von Manuel Arnold, Erstfeld, als ihre Evolet zum dritten Mal in Folge Miss Uri wurde. Während die Vize Nancy zwar mit einem Top-Euter begeisterte, war die Siegerin in den Lenden noch stärker. «Eine Kuh in siebter Laktation, die noch in allen Merkmalen super dasteht», so Experte Cedric Schärz. Die junge Drittplatzierte Coline, bereits Schöneutersiegerin, werde man noch auf den Schauplätzen antreffen, war Schärz überzeugt.
Der neue Standort auf der Bärenmatt in Schattdorf hatte sich auch bei der Grossviehausstellung bewähren können. Trotz Regen am Vorabend und mässigem Wetter während der «Vee-zäichnig» herrschten gute Verhältnisse und die Auffuhr von 624 Tieren lockte viele Zuschauer an.
Die ganze Rangliste ist hier zu finden.

