Gerade viele Mutterkuhbetriebe wünschen sich beim Original-Braunvieh genetische Hornlosigkeit. Dies vor allem, um bei den Kälbern den Eingriff des Enthornens nicht mehr vornehmen zu müssen. Bisher ging man davon aus, dass dies beim OB ohne eine Öffnung des Herdebuchs, ohne die Einkreuzung mit anderen Rassen, nicht möglich ist. Die Öffnung des Herdebuchs wäre aber im Original-Braunvieh-Zuchtverband aktuell sicher nicht mehrheitsfähig, wie Ruedi Frehner, Präsident des Schweizerischen Original-Braunvieh-Zuchtverbandes, im Januar in einem Interview mit der BauernZeitung betonte. Nun scheint es aber einen reinen OB-Jungstier zu geben, der Hornlosigkeit vererbt.
Ein OB-Kalb ganz ohne Hornansätze
Es war eine ganz normale Geburt auf dem Heimet Leh-Laad in Nesslau SG im September 2022. Die Erstmelkkuh Uliana von Vreni und Wisi Bürgler gebar ein Omar-Kuhkalb, das den Namen Unia bekam. «Unia war ein unauffälliges Kalb, erst nach einigen Wochen bemerkte ich beim Tränken, dass ihr Kopf im oberen Bereich schmäler war und sie keine Hornansätze hatte», erinnert sich Wisi Bürgler.
Um herauszufinden, ob die Hornlosigkeit einfach eine Laune der Natur war, oder ob da doch eine genetische Hornlosigkeit vorhanden sein könnte, machte Familie Bürgler bei Unia als Rind eine Spülung und erhielt eine schöne Zahl von Embryonen. Aus den ersten beiden Trächtigkeiten mit diesen Embryonen gab es im Juli 2024 zwei Kuhkälber aus dem Stier Harpune. Eines davon hatte ebenfalls keine Hörner.[IMG 2]
Auch Unias Sohn hat keine Hörner
Unia kalbte im Oktober 2025 ebenfalls zum ersten Mal ab. Und auch dieses Kalb, der Antonic-Sohn Ady, war hornlos. Dass an diesem Stierkalb auch die Genetik-Organisationen Interesse hatten, war klar. Der heute rund halbjährige Ady wurde von Swissgenetics angekauft. Ob und wie stark er zukünftig das Merkmal Hornlosigkeit vererbt, wird sich zeigen.
«Dass zwei der bisherigen drei Nachkommen von unserer Kuh Unia ebenfalls keine Hörner haben, zeigt, dass die Hornlosigkeit nicht nur eine Laune der Natur ist, sondern weitervererbt wird», erklärt Züchter Wisi Bürgler. Er ergänzt: «Auch die Abstammung wurde mittels Genom-Test auf ihre Richtigkeit überprüft.»
Untersuchungen laufen noch
Das Hornlos-Gen konnte bisher anhand von DNA-Tests noch nicht lokalisiert werden. Es gebe bei Rinderrassen bisher zwei verschiedene Genorte, wo die Hornlosigkeit bis jetzt beschrieben werde. Einerseits sei dies die keltische Variante und andererseits die friesische. Beide Varianten würden bei der Zuchtlinie von OB-Kuh Unia nicht infrage kommen, schrieb Braunvieh Schweiz in ihrer letzten Ausgabe von «CHbraunvieh». Aktuell sei man dabei, den Genort zu verifizieren und zu schauen, wo die Mutation für Hornlosigkeit stattgefunden habe.
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Der Junsgtier stammt aus starken Zuchtlinien
Wie stark Stier Ady die Hornlosigkeit vererbt, wird sich zeigen. Und wie stark die Original-Braunviehzüchter dann auf Hornlosigkeit setzen werden, ebenfalls. Erfreulich bei Jungstier Ady ist sicher, dass er neben seinen guten Zuchtwerten – er weist einen Gesamtzuchtwert von über 1200 aus – zusätzlich auch noch aus einer sehr guten Zuchtlinie stammt: Sein Vater Antonic geht auf die bekannte Kuhfamilie von Rino Roswita vom Betrieb Stalder zurück, bei Mutter Unia ist viel Blut von der Zuchtlinie der bekannten Vererber Morin oder Omar zu finden.