Der Kampf gegen die Lumpy-Skin-Krankheit (noduläre Dermatose) nimmt bei unseren französischen Nachbarn extreme Ausmasse an. Nach schlimmen Bildern von Keulungen ganzer Herden gibt es heftige Zusammenstösse zwischen Hunderten von Polizisten und ebenso vielen Bauern. Der Einsatz von Gewalt hat leider den gegenteiligen Effekt. Man vergisst dabei die Gefahr, die eine Ausbreitung der hochansteckenden Viruserkrankung für die Tierhaltung darstellt. Und genau darin liegt das Hauptrisiko. Aufgrund ihrer Inkubationszeit ist diese Seuche sehr heimtückisch. Sie zu relativieren, bedeutet, sich der Verantwortung zu entziehen. Die Landwirtschaft und die Tierhalterinnen und -halter haben jedes Interesse daran, dass die Krankheit nicht ausbricht.

Drastische Massnahmen in Frankreich umgesetzt

Die Erfahrungen in den beiden französischen Bezirken Savoyen haben gezeigt, dass eine strenge Strategie funktioniert. Keulung der infizierten Herden – eine unbestritten äusserst drastische Massnahme –, Impfung im Umkreis von 50 km und Beschränkungen für den Tierverkehr haben die Tierseuche eingedämmt. In Savoyen und Hochsavoyen gab es keine weiteren Fälle mehr. 99 Prozent des Rinderbestands blieben verschont, während die Sterblichkeitsrate der Krankheit bis zu 10 Prozent beträgt. Die Massnahmen und die Sperrzone haben den Schutz der anderen Betriebe in diesem Gebiet gewährleistet.

«Der Kampf ist nicht verloren, wir dürfen nicht aufgeben»

Andererseits haben unkontrollierte Tiertransporte höchstwahrscheinlich zur Ausbreitung der Krankheit mit Ausbrüchen im französischen Jura und im Südwesten Frankreichs geführt. Der Kampf ist jedoch noch nicht verloren, wir dürfen nicht aufgeben!

Die Sorgen und der Aufschrei der französischen Betriebe sind verständlich. In Frankreich gibt es derzeit keine Bestimmungen, die eine Ausnahme von der Keulung einer Herde zulassen, selbst wenn diese vollständig geimpft ist. Die Schweiz hat weniger strenge Bestimmungen für vollständig geimpfte Herden, sodass nur kranke Tiere geschlachtet werden müssen. Frankreich und die EU sollten auf die Empörung hören und die Bestimmungen in diesem Sinne anpassen, ohne jedoch den Erfolg der Ausrottung der Lumpy-Skin-Krankheit in Europa zu gefährden.

Eine allgemeine Impfung ist kaum realistisch

Eine allgemeine Impfung – die von einigen als Lösung angesehen wird – blendet aus, dass es sich um einen Kampf gegen die Zeit handelt. Im Gegensatz zu einer Ausweitung der Impfzone, die mehr Sicherheit bringen würde, ist eine allgemeine Impfung allein schon aufgrund der Verfügbarkeit von Impfstoffen und der langen Produktionszeiten kaum realistisch. Ausserdem dauert es nach der Impfkampagne mehrere Monate, bis der Impfschutz wirkt. Hinzu kommen die Ausfuhrbeschränkungen, die andere Länder einem impfenden Land auferlegen könnten. Das würde Probleme beim Absatz unserer Produkte mit sich bringen. Auch in Bezug auf diese Ausfuhrbeschränkungen, insbesondere für Milchprodukte, müsste die EU ihre zu strengen Vorschriften anpassen.

Die strenge Beschränkung des Tierverkehrs ist ein Teil der Lösung

Konsequentes Handeln im Falle eines Virusausbruchs, Impfungen im betroffenen Gebiet und strenge Beschränkungen des Tierverkehrs in den Schutzzonen sind der wirksamste Weg, um die Lumpy-Skin-Krankheit zu bekämpfen. Zum Wohle unserer Tierhaltung sollten wir wachsam und verantwortungsbewusst handeln.