Bei Nutztieren wie Ziegen verläuft eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV in der Regel ohne Symptome Da betroffene Tiere nicht erkranken, sei keine Prävention nötig. Allerdings bleibt das FSME-Virus in Milch und Butter bis zu zwei Monaten aktiv, so das BLV und Menschen können sich daher über den Konsum erregerhaltige Rohmilch oder daraus hergestellter Produkte anstecken. 

Fachleute von Agroscope, dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und dem Labor Spiez haben das Risiko für mit FSME-kontaminierte Ziegenmilch in den alpinen Regionen des Wallis bewertet. Die Wahrscheinlichkeit sei zwar klein, aber trotzdem nicht zu vernachlässigen, so das Fazit laut einem Beitrag in Agrarforschung Schweiz. 

Kleines Risiko über Haushaltsmilch

Genutzt worden seien aktuelle Literaturdaten und die Ergebnisse einer Studie im Wallis, bei der nach FSME-spezifischen Antikörpern im Blut von Ziegen gesucht wurde. Das Risiko berechneten die Forschenden für Haushaltsmilch, also jene, die auf dem Bauernhof direkt verarbeitet oder konsumiert wird. Hier sei das Risiko am höchsten, da die rohe Ziegenmilch für den Eigenbedarf nicht extern kontrolliert und auch unerhitzt verwendet werde. 

Die Forschenden nahmen an, dass sich in einer durchschnittlichen Ziegenherde alle Tiere in ihren ersten drei bis vier Lebensjahren einmal mit FSME infizieren. Die Wahrscheinlichkeit für eine viruskontaminierte Haushalts-Ziegenmilch liege nach diesen Berechnungen zwischen 0,0012 und 0,024 Prozent. Das entspreche einer positiven Probe unter 5'000.

Die Problematik ist trotzdem aktuell

Völlige Entwarnung geben die Fachleute angesichts dieser Resultate nicht. Zwar gebe es im deutschsprachigen Raum generell wenige Fälle, in denen eine FSME-Infektion über Lebensmitteln nachgewiesen worden sei. Trotzdem sei das in Deutschland und Österreich in den letzten Jahren insgesamt acht Mal vorgekommen, wobei jeweils Ziegenrohmilch-Frischkäse der Auslöser war. 

Im letzten Fall, der 2020 unweit der Schweizer Grenze in Frankreich dokumentiert wurde, sind gemäss den Forschenden 37 Personen nach typischen Symptomen auf FSME getestet worden. Eine Mehrheit davon habe sich wiederum mit Käse aus roher Ziegenmilch angesteckt. 

Impfen oder Pasteurisieren

Man kann also festhalten: Eine FSME-Infektion über Lebensmittel ist möglich. Doch kann diese mit gezielten Massnahmen verhindert werden, wie man bei Agrarforschung Schweiz erläutert: 

  • Die FSME-Impfung biete einen effektiven Schutz.
  • Hitze tötet die Viren ab. Daher wird empfohlen, die Milch zu kochen, zu pasteurisieren oder ultrahoch zu erhitzen. 

Zweiphasige Erkrankung

Meistens sind es Zecken, die FMSE auf den Menschen übertragen. Wie das Bundesamt für Gesundheit BAG schildert, verläuft eine Infektion mit dem FSME-Virus in zwei Phasen: 

  1. Nach sieben bis 14 Tagen treten grippeartige Symptome auf.
  2. In einer zweiten Phase kann das zentrale Nervensystem befallen werden. Symptome hierfür sind Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Gehstörungen, die Wochen bis Monate anhalten können. 

Fünf bis 15 Prozent der Erkrankten haben keine Symptome der ersten Phase. Bei einem Teil der Patienten kann eine FSME zu Lähmungen der Arme, Beine oder Gesichtsnerven oder bleibenden Behinderungen führen. In etwa einem Prozent der Fälle mit neurologischen Symptomen sterben die Betroffenen. Die Therapie beschränkt sich laut BAG auf die Behandlung der Symptome.