Verbessert Vitamin D den Geburtsverlauf bei Zuchtsauen? Wie kann die Hofnachfolge organisiert werden? Und auf welche Weise können Ammoniakemissionen in der Tierhaltung reduziert werden? Unter anderem diesen Fragen widmete sich die zehnte Tagung des Netzwerks Nutztiere in Grangeneuve, dem Landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg. Anhand von Vorträgen und Postern präsentierten Student(innen) und Doktorand(innen) ihre Forschungsergebnisse. Diese sollen auch in der Praxis Anwendung finden.

Forschung für die Zukunft

Im Verlauf des Morgens betonten die Vortragenden immer wieder die Aktualität der erforschten Themen. Sie würden bereits heute, aber vor allem künftig eine bedeutende Rolle für die Schweizer Landwirtschaft spielen; im Zuge des Klimawandels und der wachsenden Anforderungen an die Tierhaltung. «Die Zukunft der Landwirtschaft sind die jungen Erwachsenen, die heute hier vertreten sind», so Benoît Castella, Vertreter des Organisationskomitees des Netzwerks. Bei der Tagung wird deutlich, die Jungen mischen mit und wollen dazu beitragen, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Nutztierhaltung zu meistern.

Maissilage oder Weidefutter?

Um diese Frage zu beantworten, hat sich Geraldine Zutter, Agronomie-Absolventin der HAFL, die Auswirkungen von Maissilage auf die Gesundheit von Mastrindern genauer angeschaut. In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie den Darmtrakt von zwölf Mastmunis, die eine mais-silagelastige Ration erhielten. Diese verglich sie mit den Darmtrakten von 13 Natura-Beef-Kälbern mit reiner Weidefütterung. Sie erwartete, dass die Mastmunis aufgrund der Maissilage deutlich mehr Schädigungen an Dick-, Dünn-und Blindarm aufweisen würden.

«Erstaunlicherweise schnitten die beiden Herden ähnlich schlecht ab«, so Geraldine Zutter. Lediglich beim Dickdarm stehe das Natura-Beef besser da. Sie kommt also zu keinem eindeutigen Urteil, welches Futter zu bevorzugen ist, beide führten zu Schädigungen am Darmtrakt. Die Absolventin rät den Landwirten, die Stärkemenge in der Fütterung anzupassen, um die Tiergesundheit zu erhalten. Beim Natura-Beef seien die Darmschädigungen vermutlich auf parasitäre Infekte zurückzuführen. Deshalb solle das Weidemanagement angepasst und regelmässig entwurmt werden. 

Auf Betrieben aufgewachsen 

Die anwesenden Nachwuchs-Wissenschaftler(innen) haben in vielen Fällen auch einen ganz persönlichen Bezug zur Landwirtschaft und zur Tierhaltung. «Ich habe schon von Kind auf die Leidenschaft für den Beruf mitbekommen«, sagte Geraldine Zutter, Agronomie-Absolventin der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Ihre Eltern bewirtschaften einen Betrieb mit 25 Hektaren und 20 Mutter-kühen sowie Pensions-Pferdehaltung. Deshalb habe sie sich auch für das Studium der Agronomie entschieden. Mit ihrer Abschlussarbeit über die Auswirkungen der Fütterung von Maissilage auf den Darmtrakt von Mastrindern wolle sie zu einer besseren Tiergesundheit und höheren Mastleistungen beitragen.

Mehr Untersuchungen nötig

Ihre und auch die anderen im Rahmen der Tagung vorgestellten Untersuchungen lieferten einige spannende Erkenntnisse (siehe Kästen unten), die aber teilweise noch mit Vorsicht zu geniessen sind. Häufig seien weitere Studien nötig, um die Ergebnisse zu präzisieren, betonten mehrere Vortragende. «Ziel der Tagung ist ein Austausch zwischen der Praxis, der Lehre und der Forschung», erklärte Benoît Castella. Damit das gewonnene Wissen auf die Betriebe komme, seien neben Wissenschaftler(innen) auch Berater(innen) und Landwirt-(innen) bei der Tagung anwesend gewesen. Aber auch die Student(innen) würden ihr vielfältiges Know-how in die elterlichen Betriebe bringen und so die Verbreitung der Forschungsergebnisse fördern. Zum Netzwerk Nutztiere gehören Grangeneuve, Agroscope, die Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern, Inforama und die HAFL.

Vitamin D für leichtere Geburten 

Störungen im Geburtsablauf bei Zuchtsauen haben oft weitreichende Folgen. Nicht nur die Ferkel-Vitalität kann geringer ausfallen, auch die Sauen leiden vermehrt unter Folgeerkrankungen. «Vorbeugende Massnahme sind von grosser Bedeutung, um die Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit eines Bestandes zu erhalten«, betont Laura Jahn von der Schweineklinik der Universität Bern.

Deshalb untersuchte sie, inwiefern die Verabreichung von 1,25-Vitamin-D, eine spezielle Form des Vitamins, die Geburt und die Ferkel-Vitalität beeinflusst. In der Studie erhielten die Zuchtsauen während der gesamten Trächtigkeit 1,25-Vitamin-D zusätzlich zur normalen Futterration. Die Dokumentation der Geburten zeigte, dass das spezielle Präparat positive Auswirkungen auf den Geburtsprozess hatte, die Ferkel-Vitalität jedoch nicht beeinflusste. Im Gegenteil, die Gabe von 1,25-Vitamin-D könne zu vermehrten Mumien führen, so die Autorin der Studie. Sie betont aber, dass weitere Studien notwendig seien, um zu beschreiben wie das Präparat im Organismus wirke.