Viele viehhaltende Betriebe, gerade Bergbetriebe, die keinen Ackerbau betreiben, müssen Stroh zukaufen. Dabei können die Schweizer Getreideproduzenten den Strohbedarf längst nicht mehr decken. Deshalb wurden im Jahr 2020 über 330 000 Tonnen Stroh in die Schweiz importiert. Zusätzlich braucht es bei der Verwendung von Stroh als Einstreu häufiges Nachstreuen, damit der Untergrund nicht zu feucht wird und sich keine Bakterien und Keime vermehren, die eine Gefahr für die Klauen-und Eutergesundheit darstellen. Zu nass, zu hart oder zu rutschig darf der Untergrund ebenfalls nicht sein, denn liegen Kühe zu wenig, sinkt ihre Milchleistung. Die Ansprüche an die richtige Einstreu sind also hoch.

Abfallnutzung statt Strohimporte

Als Alternative zu Stroh hat die Firma Kompomo einen Bio-Waldboden entwickelt, der aus Schweizer Grüngutabfällen hergestellt wird. Laut Angaben des Unternehmens werde er bisher vor allem in der Pferdehaltung eingesetzt. Die Agronomie-Absolventin Vanessa Wyss hat in ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) den Bio-Waldboden als Einstreu im Milchviehstall getestet. Ihr Versuch fand auf einem Ganzjahresbetrieb statt, der an den Programmen BTS und RAUS teilnimmt und mit 45 Kühen der Rasse Holstein Milch nach IP-Wiesenmilch-Richtlinien produziert. Anstatt mit Stroh wurde die 280 m² grosse Liegefläche des Tiefstreustalls mit Bio-Waldboden eingestreut. Da der Versuchsbetrieb zuvor jedoch Stroh nutzte, konnte Vanessa Wyss die Ergebnisse ihrer dreimonatigen Beobachtung der Tiere mit den Werten vor der Einstreu-Umstellung vergleichen.

Bei Kühen hoch im Kurs

«Die Zellzahl-Mittelwerte in der Milch zeigten eine klar sinkende Tendenz und es konnten keine euterschädlichen Erreger in der Einstreu nachgewiesen werden», stellte Vanessa Wyss fest. Weiter verbesserte sich die Sauberkeit der Klauen. Auf Stroh zeigte die Versuchsherd Hautirritationen an Sprunggelenk und Brustbein, diese konnten auf dem Waldboden ausheilen. «Der Anteil liegender Kühe war bei jeder Erhebung hoch und die Kühe wurden in verschiedenen Liegepositionen vorgefunden», so die Absolventin. Dies spreche für eine hohe Akzeptanz des Waldbodens bei den Kühen und ein hohes Tierwohl. Das liege wohl auch an der trockenen Liegefläche, die verhindere, dass sich Fliegen in der Liegematratze einnisten. Auch die im Vergleich zum Stroh niedrigere Kerntemperatur des Bodens von 25°C steigere die Beliebtheit der Einstreu bei den Kühen. Bei hohen Aussentemperaturen im Sommer zeigte sich, dass die Kühe die Liegeflächen gerne aufsuchten, um sich dort abzukühlen. Im Gegensatz dazu erhitze sich eine Strohmatratze im Kern bis auf 80° C, Kühe litten aber schon ab 25°C unter Hitzestress. Im Hinblick auf die Tiergesundheit liefert der Waldboden laut den Ergebnissen von Vanessa Wyss also einige Vorteile. Aber wie sieht es mit der Anwendung im Arbeitsalltag aus?

Wenig Arbeitserleichterung

«Diese Einstreuvariante steckt noch in den Kinderschuhen», erklärt die Agronomin auf Anfrage der BauernZeitung. Der Versuchsbetrieb habe bei der Verwendung von Stroh täglich zweimal alle Kotstellen von Hand gewendet und anschliessend Stroh nachgestreut. Beim Bio-Waldboden müsse täglich sogar drei- bis fünfmal Kot von Hand aussortiert und jeden zweiten Tag nachgestreut werden. Der Waldboden bietet im Vergleich zur klassischen Stroheinstreu also aktuell noch keine Arbeitserleichterung bei den täglich anfallenden Stallarbeiten.

Kostenfaktor muss weiter erforscht werden 

Ein entscheidender Unterschied sei aber, dass in den Versuchsmonaten deutlich geringere Mengen des Waldbodens benötigt wurden im Vergleich zum Stroh. Rechne man diese Mengen auf das gesamte Jahr hoch, müsse der Versuchsstall anstatt viermal nur noch einmal jährlich entmistet und Mist auf dem Feld ausgebracht werden. Dadurch könnten Kosten gesenkt werden.

Diese Ergebnisse seien jedoch mit Vorsicht zu geniessen. «Es müssen weitere Versuche folgen, die den Einsatz des Waldbodens und die benötigten Mengen über den gesamten Jahresverlauf beobachten», betont Vanessa Wyss. Erst dann könne abschliessend geklärt werden, ob durch den Waldboden Kosten eingespart werden können oder ob seine Nutzung letztlich teurer ist als die Verwendung von Stroh.