Bevor man als Rindviehzuchtverband einen genauen Fitnesszuchtwert schätzen kann, braucht man verlässliche Daten zur tatsächlichen Gesundheit der Tiere. Deren Erfassung und Auswertung gibt für die Rindviehhalter und Zuchtverbände aber viel Aufwand beziehungsweise erhebliche Kosten. Doch trotz grossem Aufwand kann keine Rasse darauf verzichten.
Zellzahl ist nicht gleich Mastitis
Erste Erfolge und Erfahrungen können wir derzeit mit den in den letzten Jahren eingeführten Zuchtwerten für Mastitisresistenz (MAR), Ketoseresistenz (KER) oder Aufzuchtverlusten (AZV) machen. So gibt es zum Beispiel Stiere, die zwar im Zuchtwert (ZW) Zellzahl (ZZ) gute, hohe ZW über 100 aufweisen, aber bezüglich Mastitisresistenz doch unterdurchschnittlich vererben. So zum Beispiel Braunvieh-Altstar Zaster mit ZW ZZ 106 und ZW MAR 82! Das heisst, trotz im Schnitt tiefer Zellzahlen, sind dessen Töchter überdurchschnittlich anfällig für eine Euterentzündung. Gut zu wissen, wenn man bedenkt, was für Kosten und Mehrarbeit mit einer Mastitis verbunden sind.
Bei der Ketoseresistenz (KER) wird aufgrund der erfassten Gesundheitsdaten und mit der Ketose zusammenhängender Merkmale errechnet, wie anfällig die Töchter eines Stieres sind, an einer Ketose zu erkranken. Hier gibt es Stiere, die sehr stark vererben. Von den jüngeren Braunviehstieren mit Auswertung zählen beispielsweise Barca (KER Index 122) und Lennox (KER 119) zu jenen mit guter Resistenz gegen Ketose. Auf der anderen Seite vererben z. B. Piero (KER 87) oder Sascha (KER 91) unterdurchschnittlich. Bezüglich ungewollter Aufzuchtverluste ist z. B. Haegar ein starker Vererber mit AZV-Index 113, während auf der anderen Seite der Skala ein Payssli nur einen 88er-Index aufweist. Von ihm gingen also deutlich mehr Tiere in der Phase vom Abtränken bis zum ersten Kalben ab.
Weniger Probleme, weniger Kosten
In der internationalen Milchviehzucht sind neue Gesundheitszuchtwerte momentan voll im Trend. Nach Skandinavien und den Niederlanden haben weitere Länder offizielle Zuchtwerte für Klauengesundheit eingeführt. Im Journal «Holstein International» wurde denn auch ein Viehzüchter bezüglich dem Unterschied zweier Stiere mit 10 Indexpunkten Differenz in der Klauengesundheit zitiert: «Töchter in 2. Laktation haben im Vergleich vom besseren zum schlechteren Vererber 35 % weniger Klauenprobleme. Das bedeutet 35 % weniger Arbeit, 35 % weniger Kosten und 35 % weniger Ärger.» Mehr Argumente zum Nutzen der Gesundheitsdatenerfassung und Auswertung braucht es meiner Meinung nach nicht. Eine gezielte und lückenlose Erfassung der Gesundheitsdaten bringt auf lange Sicht also allen «weniger Ärger».

