Ketose ist eine wirtschaftlich bedeutende Stoffwechselkrankheit bei Rindern. Sie tritt dann auf, wenn der Energiebedarf nicht ausreichend über die Futteraufnahme gedeckt wird. Und das ist bei Hochleistungskühen meist in der Phase der höchsten Milchleistung der Fall. Neben den Kosten kann die Krankheit das Tierwohl massgebend beeinträchtigen. Heute ist bekannt: Die Anfälligkeit für die Stoffwechselkrankheit Ketose ist vererblich und damit nicht nur fütterungstechnisch, sondern auch auf züchterischem Weg beeinflussbar.

Natürliche Widerstandskraft

Am Viehzuchthorizont erscheint nun ein neuer Zuchtwert (ZW). Es handelt sich um den ZW Ketoseresistenz. Die BauernZeitung wollte von Urs Schuler, Qualitas AG (Kompetenzzentrum für Informatik und quantitative Genetik für Schweizer Zuchtorganisationen), wissen, worum es bei diesem ZW geht. «Im Kern geht es darum, die natürliche Widerstandskraft gegen Ketose in unseren Milchviehpopulationen zu verbessern», erklärt Schuler. Der ZW Ketoseresistenz sei ein Hilfsmittel dafür, dieses Ziel zu erreichen. Und mit ihm werde eine zielgerichtete Selektion auf Ketoseresistenz vereinfacht.

Daten werden und wurden erfasst

Für die Publikation eines Zuchtwerts sind Daten nötig. Und die müssen teils aufwendig erhoben werden. «Die Daten basieren auf den Analysen von Milchproben aus der Milchleistungsprüfung», sagt Urs Schuler. In einem Teil der Milchproben der Milchleistungsprüfung (MLP) werde Aceton chemisch gemessen. Zudem wird in jeder MLP-Milchprobe mit einem sogenannten Fourier-Transform-Infrarotspektrometer das Absorbtionsspektrum über den mittleren Infrarotbereich (MIR-Spektrum) gemessen. «Anhand des MIR-Spektrums werden dann das Fett/Eiweiss-Verhältnis in der Milch und die Konzentration von nicht veresterten Fettsäuren (Nefa) im Blut geschätzt», erklärt Schuler den technischen Ablauf weiter. Das bedeutet, dass die Daten eines Betriebes, der bei der MLP mitmacht, potenziell in die Zuchtwertschätzung (ZWS) einfliessen können. «Es wird jedoch für die ZWS auf Tiere der Rassen Braunvieh einerseits und Holstein, Simmental, Swiss Fleckvieh und Montbéliarde andererseits eingeschränkt», führt Schuler weiter aus und ergänzt, dass keine Daten aus dem elektronischen Behandlungsjournal für die ZWS Ketoseresistenz verwendet werden.

Nicht geschätzt

Auf die ergänzende Frage, ob ein Vergleich mit dem vor einigen Jahren eingeführten ZW Mastitisresistenz möglich und auch sinnvoll sei, sagt Urs Schuler: «Die genetischen Korrelationen zwischen Mastitisresistenz und Ketoseresistenz haben wir nicht geschätzt. Wir arbeiten derzeit auch nicht an Modellen, um dies zu tun, möglich ist das aber.» Das Berechnen von Korrelationen zwischen Zuchtwerten wäre jedoch möglich und kann, sobald die ZW Ketoseresistenz publiziert sind, auch von jedermann gemacht werden, wie Schuler weiter erklärt. Das Problem sei, dass solche Zahlen oft schwierig zu interpretieren seien und dass sie sich unterscheiden können aufgrund der Tiere (nur eine Rasse oder mehrere Rassen, nur Kühe oder nur Stiere oder beide, Anwendung einer Untergrenze für Bestimmtheitsmasse usw.), anhand deren man sie berechnet.

Frühestens im April 2022

Spruchreif ist die Publikation des neuen Zuchtwerts aber noch nicht. Der Entscheid über die Publikation des ZW Ketoseresistenz liege bei den Zuchtorganisationen. Der frühestmögliche Einführungszeitpunkt sei im April 2022. Ein Blick in die Zukunft zeigt: Die Reise geht noch weiter. Im Rahmen des Ressourcenprojekts «Gesunde Klauen – das Fundament für die Zukunft» soll bereits 2023 und 2024 an Zuchtwerten für Klauengesundheit gearbeitet werden, wie Urs Schuler verrät.