AboSchlachtviehTrockenheit und Futtermangel: Jetzt bloss nicht nervös machen lassenSonntag, 7. August 2022 Aufgrund der aktuellen Trockenheit hat das Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau am 29. Juli 2022 Aus­nahmeregelungen für die Be­weidung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) und für das Tierwohlprogramm Regelmässiger Auslauf ins Freie (RAUS) erlassen. Für die beiden Ausnahmeregelungen besteht keine Meldepflicht, teilt das Landwirtschaftsamt mit.

Im Thurgau befristet bis zum 31. August

Wegen der trockenheitsbedingten Futtersituation kann beim RAUS-Programm die Weide ab sofort durch Auslauf im Laufhof ersetzt werden. Die Beweidung von BFF ist möglich bei:

  • Extensiv genutzten Wiesen
  • Wenig intensiv genutzten Wiesen
  • Uferwiesen

Das sind die Auflagen für die Beweidung von BFF

- Keine frühzeitige Beweidung von Naturschutzflächen
- Bei BFF in den Vernetzungskorridoren mit Zusatzmassnahmen muss die Grundanforderung eingehalten werden (Stehenlassen der Vegetation auf mind. 10% der Fläche bei der 1. und 2. Nutzung). Diese Fläche muss somit ausgezäunt werden. Dies gilt auch bei Vernetzungsflächen mit der Zweitanforderung (Stehenlassen von 10% Altgras: Zweiter Aufwuchs bis zum kommenden Sommer)
- Kurze, schonende Weidenutzung   
- Bei gutem Aufwuchs im Herbst ist eine weitere Herbstweide oder Schnittnutzung vorzunehmen   
- Die frühzeitige Weide muss in den ÖLN-Aufzeichnungsunterlagen (z.B. Wiesenjournal) mit dem Hinweis «Futtermangel» vermerkt werden. 

Die Ausnahmerege­lungen gelten vorerst bis am 31. August. Ob es eine Verlängerung gibt, ist abhängig von der weiteren Entwicklung der Wetterlage. Ueli Müller, Abteilung Direktzahlungen beim Landwirtschaftsamt, sagt: «Wir beobachten die Situation laufend und entscheiden Ende August, ob eine Verlängerung ein Thema ist.» Des Weiteren weist Müller darauf hin, dass die BFF ab dem 1. September ohnehin beweidet werden dürfen. Es gehe Ende August vor allem um eine allfällige Verlängerung beim RAUS.

Das sind die Auflagen für RAUS

- Es müssen weiterhin mindestens 26 Tage pro Monat Auslauf auf einer Weide oder im Laufhof gewährt werden. 
- Die Tage im Laufhof müssen im Auslaufjournal eingetragen und mit dem Vermerk «Futtermangel» begründet werden. 

Im Kanton St. Gallen ab 15. August

Auch im Kanton St. Gallen sind solche Ausnahmeregelungen ein Thema, wie die BauernZeitung auf Nachfrage erfahren hat. So hat das Landwirtschaftsamt die Betriebe diese Woche per E-Mail informiert, dass die Beweidung von BFF und keine Weidepflicht für das RAUS-Programm aufgrund der aktuellen Lage zulässig sind. Die Ausnahmeregelung tritt am 15. August in Kraft und gilt unbefristet. Es gelten ähnliche Auflagen wie im Thurgau.

Für die Landwirte besteht keine Meldepflicht. Christoph Högger, Abteilungsleiter Direktzahlungen beim Landwirtschaftsamt, sagt: «Bei uns war die Lage bis jetzt weniger prekär als beispielsweise im Kanton Thurgau oder im Zürcher Weinland. Wir haben in unserem Kanton generell mehr Niederschlag und auch die schwereren Böden mit einer grösseren Wasserspeicherkapazität.»

Ausnahmen auch für Sömmerungsbetriebe

Anhaltende TrockenheitKanton Freiburg bittet Armee um Hilfe bei der WasserversorgungDonnerstag, 4. August 2022 Für St. Galler Sömmerungsbetriebe ist seit dieser Woche eine Ausnahmeregelung in Kraft, die eine vorzeitige Alpabfahrt oder eine längere Bestossung erlaubt, ohne dass es bei einer Bestos­sung von weniger als 75 Prozent oder mehr als 110 Prozent zu einer Kürzung der Direktzahlungen kommt. Gemäss Schreiben des Landwirtschaftsamts bleibt die Zufuhr von Futter zur Überbrückung witterungsbeding­ter Ausnahmesituationen auf höchstens 50 kg Dürrfutter pro Normalstoss (NST) und für gemolkene Tiere (Kühe, Ziegen, Schafe) auf zusätzlich 100 kg Dürrfutter und 100 kg Kraftfutter pro NST und Sömmerungsperiode beschränkt.

Die Alpungsbeiträge 2023, basierend auf der Sömmerung 2022, werden den Ganzjahresbetrieben auf Grundlage der Sömmerungsdauer 2022 berechnet. Ein Ausgleich der Alpungsbeiträge 2022 bei einer vorzeitigenAlpabfahrt ist ausgeschlossen. Die Bestimmung der langen Weideruhe von sechs Wochen im Rahmen der Landschaftsqualitätsprojekte kann ohne Beitragskürzung unterschritten werden.

Kanton Zürich: Landwirte müssen Antrag stellen

Dürftig ist die Antwort aus dem Kanton Zürich. Die Medienstelle teilt lediglich mit, ­solche Ausnahmeregelungen würden den Landwirt(innen) auf Anfrage einzelbetrieblich gewährt.

Appenzell Innerrhoden zieht Schnittzeitpunkt vor

Auch in Appenzell Innerrhoden hat die Trockenheit Auswirkungen auf die Grünlandnutzung. Wie der Kanton am Mittwoch mitteilte, wird der Schnittzeitpunkt für Naturschutzflächen mit Schnittzeitraum vom 15.8. bis 15.9. im Jahr 2022 ausnahmsweise auf den 10. August vorverlegt.

Diese Vorverlegung sei möglich, weil die langanhaltenden Schönwetterperioden im Jahr 2022 zu einer ausgesprochen frühen Vegetationsentwicklung der Naturschutzflächen führen. Ausserdem seien aufgrund der sehr geringen Niederschlagsmengen die Böden trocken, weshalb der Schnitt schonend durchgeführt werden kann.