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Post: der schmale Grat zwischen Lob und Kritik

Die Post und ihre Dienstleistungen: seit Jahren ein Politikum und ein regelmässiges Thema in den Medien. Und das nicht nur wegen den letzten Skandalen, sondern insbesondere wegen den Dienstleistungen, die sich verändern. Das hat auch Folgen für Landwirte wie Peter Haas.


Publiziert: 25.12.2018 / 06:15

Wer plötzlich seine Zeitung am Morgen nicht mehr im Briefkasten hat, der weiss, dass die Post etwas geändert hat. Die Hauszustellung, wie die morgendliche Runde des Pöstlers im Jargon heisst, wird überall geschätzt. Und wenn die Post damit zurückfahren will, kommt das selten gut an. Auch bei Peter Haas und Helena Kaupp nicht. Die beiden betreiben im abgelegenen Weiler Envelier, der zu Vermes JU, einer Gemeinde, die mit Montsevelier und Vicques zu Val Terbi fusionierte, Mutterkuhhaltung. Neben den 30 Mutterkühen halten sie 60 Walliser Schwarzhalsziegen und einen Esel. Ein weiterer Betriebszweig sind Hochstammbäume verschiedener Früchtesorten. „Damit Ende des Monats regelmässig ein Betrag hereinkommt“, lacht der Landwirt, „fahre ich in Teilzeit Postauto bei einem privaten Unternehmer. Und hoffe, Linien in abgelegene Gebiete ereile nicht das gleiche Schicksal wie die Poststellen …“


Fährt selbst im Dienst der Post: Peter Haas ist Postauto-Chauffeur bei einem Transportunternehmen und hofft, dass die abgelegenen Linien nicht dasselbe Schicksal ereilt, wie die abgelegenen Poststellen

Angefangen hat alles mit der Schliessung der Poststelle in Vermes. Die Post beschloss, einen reduzierten Poststellenservice im Dorfladen anzubieten. Allerdings weiss man nicht, wie lange er sich noch halten kann. Schon früher beabsichtigte die Post, die Hauszustellung einzustellen. „Das kann sie“, sagt Peter Haas enttäuscht, „denn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür sind geschaffen worden.“ Ein paar Betroffene hätten sich zusammengeschlossen und bei Postcom ein Schlichtungsverfahren beantragt. Postcom ist eine unabhängige Behörde und administrativ dem Departement Uvek angegliedert. Sie beaufsichtigt den schweizerischen Postmarkt, wacht darüber, dass die Grundversorgung in hoher Qualität erfolgt und sichert einen fairen Wettbewerb.

Die Post selbst habe sich nicht kooperativ verhalten, sagt er, hingegen habe die unabhängige Behörde nach zwei Jahren den Entscheid gefällt, die Post müsse ihnen weiterhin zugestellt werden. „Also musste die Post eine Ersatzlösung präsentieren, die klappt“, fasst er zusammen. Sie seien sich natürlich bewusst, dass die Situation sich ändern könnte, würde das Postgesetz geändert. Die Betroffenen loben Postcom aber als tatsächlich unabhängig. Haas möchte darum jenen Bauernfamilien Mut machen, denen die Hauszustellung gestrichen wurde: "Wenn ihr euch wehrt, nützt es!", sagt er.

"Wenn die nicht mehr rentieren, reduzieren sie oder machen zu"

Attilio Tam hat 47 Jahre lang als Posthalter von Maloja GR tätig. Als er letztes Jahr pensioniert wurde, ging die Post zu. "Wie ist es bei KMU und in grossen Unternehmen?“, fragte er beim Besuch rhetorisch. "Wenn die nicht mehr rentieren, reduzieren sie oder machen zu.“ Bei der Post sei das nicht anders. Die letzten Jahre hatte er beispielsweise durchschnittlich 70 Kunden täglich: 30 davon kauften eine Briefmarke für einen Franken oder Karten oder einen Artikel vom Verkaufsgestell; dann waren da noch die Geldüberweisungen, die etwa zwei Kunden in die Poststelle führte. Die restlichen 38 kamen herein mit einer Frage. Er fungierte als Auskunftsbüro für Touristen und Wanderer. „Damit kann die Post weder die Miete noch die Angestellten zahlen.“

In Maloja (gehört politisch zur Gemeinde Bregaglia im Bergell) werden die nicht mehr zahlreichen Bauernhöfe täglich bedient, ausser es liegt zu viel Schnee. Ihre Post können die Leute dem Zusteller mitgeben. Er kennt niemanden im Oberengadin, der wegen der Postschliessung gemurrt hätte, sagt Tam. Viele sagten, es sei nun einfacher, weil Agenturen länger offen hätten als die Post.

Tatsächlich will die Post ihre Angebotsstrukturen anpassen: bis 2020 soll es noch 800 bis 900 eigene Filialen geben, derweil der Hausservice beibehalten, die Zahl der Aufgabe- und Abholstellen erhöht und die Zahl der mit Partner betriebenen Filialen ebenfalls erhöht werden sollen.



Der sympathische Pöstler

Unbesehen von der Kritik an der Poststellenschliessung und am Umbau der Leistungen lancierte die Post in den vergangenen Monaten eine neue Image-Kampagne: Pöstler wie Christian Herger, der in Riemenstalden SZ und Sisikon UR die Zustellungen macht, erzählen von ihrem Tagesablauf und dem, was sie auf den Zustelltouren alles erleben.

Im Video erklärt Herger, dass die Digitalisierung alles verändert; die Kommunikation werde schneller und einfacher. Gleichzeitig spielt er darauf an, dass sich damit auch die Dienstleistungen der Post verändern könnten.

Herger ist Mann ihres Vertrauens. Auch die vielen Hunde mögen ihn. Und er sagt, dass sich die Leute auf dem Land freuen, wenn der Pöstler vorbeikommt. "Anstatt ein Trinkgeld erhalte ich kleine Geschenke wie Käse, Eier, Gemüse oder Trockenfleisch vom eigenen Betrieb. Die Kunden sind auch gerne bereit, ein paar Worte zu wechseln; man kennt sich." Der Hausservice wird laut Herger geschätzt, die Kunden würden die Lösung regelmässig nutzen. "So sparen sie sich den Weg zur nächsten Post oder einer Partnerfiliale. Auf die Schliessung von Poststellen bin ich von meiner Kundschaft schon lange nicht mehr angesprochen worden." 


Postagentur hat länger offen

„Es ist eine geniale Sache“, verrät Ivo Tonidandel, Leiter der Postagentur Malix GR, die in seiner Tankstelle mit Shop und Bistro eingerichtet ist. Zusammen mit seiner Frau Beatrice hat er das Geschäft vor dreieinhalb Jahren übernommen. Das „geniale“ Postbüro habe sein Vorgänger eingerichtet; eine Post in einer Tankstelle, das habe auch ihn fasziniert. Begeistert erzählt er, Tankstellenkunden würden noch einkaufen oder Postsachen zum Versand bringen. Oder Leute, die ein Paket abholen, einen Kaffee trinken. Es gebe viele Möglichkeiten, wie das Eine das Andere und das Dritte beeinflussen würde. Er habe Kundinnen, die ihr Auto auftanken und Pakete postlagernd an seine Adresse schicken lassen würden. Oder jene, die nicht in Malix wohnen, jedoch auf dem Arbeitsweg bei ihm vorbeifahren und nun ihre Postadresse bei ihm an der Hauptstrasse haben.


Beatrice und Ivo Tonidandel vor ihrer Postagentur, die im Tankstellenshop mit Bistro eingerichtet ist.

 

„365 Tage haben wir offen von 6 bis 21 Uhr“ (Sonntag 7 bis 21 Uhr) hält er fest. „365 Tage“, wiederholt er. „Hat man vorher von solchen Öffnungszeiten gehört?“ Allerdings sagt er auch, dass älteren Leuten, die kein Auto haben, die langen Geschäftszeiten nichts nützen. Auch hätte die ältere Generation oft keinen Zugang zum Internet. Die Post bietet aber die Möglichkeit, dass die Zustellerin für Geldgeschäfte an die Haustür kommt. Der Kunde kann diesen Dienst bei der Post anfordern. Noch etwas bewegt den Agenturinhaber: „Früher haben Posthalter eine dreijährige Lehre absolviert“, denkt er laut, „und heute reichen ein paar Tage Einführung ins Geschäft.“ Natürlich würden gewisse Dienstleistungen heute wegfallen; trotzdem nehme er an, dass Vorgänger sich in diesem Zusammenhang gewisse Fragen stellen.

Landwirt Hubert Schneider kommt täglich zum Znünikaffee zu Tonidandels. „Am Sonntag treffen wir uns gar zu zehn bis 20 Personen um 9.30 Uhr zu einem Schwatz“, lacht er. Sie seien alle froh, dass es diese Tankstelle mit Dorfladensortiment und Postagentur gebe. „Denn“, fragt er, „wo könnten wir uns sonst noch treffen? In den letzten Jahren haben der Volg, die Restaurants und die Post geschlossen.“ Er gibt zu, dass sie auch selbst schuld seien. Sie hätten in Chur die Grosseinkäufe getätigt und übers Internet die Postzahlungen. Doch jetzt würden sie alles, was möglich sei, bei Tonidandels erledigen. Denn diesen Dienstleistungsbetrieb möchten sie nicht auch noch verlieren.

Benildis Bentolila

 

 

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