ABO

Landwirt Anno Lutke Schipholt erweckt den Boden zum Leben

Der Bodenfruchtbarkeitsfonds unterstützt Landwirte, die Massnahmen für einen gesunden Boden umsetzen. Wir fragten bei einem Projektbetrieb nach.

Was macht Bodenfruchtbarkeit aus und wie kann sie verbessert werden? Anno Lutke Schipolt beschäftigt sich auf seinem Betrieb «Hof am Stei» in Siblingen mit diesem Thema. Es ist einer von 30 Projektbetrieben des Bodenfruchtbarkeitsfonds. Auf seinem Betrieb hat er sehr schwere (50 % Tonanteil) bis mittelleichte Böden und das Klima rund um Schaffhausen ist eher trocken. Er hat sich verpflichtet, etwas für den Boden zu tun, konnte aber selber entscheiden, welche Massnahmen er anwendet. Im Gegenzug wird er vom Fonds mit einem finanziellen Beitrag unterstützt und erhält Beratung und Begleitung eines Experten, der ebenfalls regelmässig den Boden beprobt und beurteilt.

Pilotphase ist abgeschlossen

Bodenexperte beim Fonds ist Ulrich Hampl. Er präsentierte Ergebnisse aus der dreijährigen Pilotphase des Projekts im Rahmen der Tage der Agrarökologie, die Anfang November stattfanden. Er führt auf jedem Projektbetrieb mindestens zweimal jährlich eine Flurbegehung durch und bespricht die Resultate mit den Betriebsleitenden. «Der Boden ist ein riesiges Ökosystem von Lebewesen», weiss er. «In einem Quadratmeter Fläche befinden sich 265 Gramm Leben im Boden, pro Hektar sind es 2,6 Tonnen. Bakterien und Pilze machen drei Viertel dieser Menge aus.»

Bodenentwicklung fördern

Was heisst Bodenentwicklung? Für Ulrich Hampl ist klar: «Wenn Pflanzen da sind, sind Wurzeln da. Und sind Wurzeln da, wird Bodenleben ernährt». Warum Wurzeln und eine ständige Begrünung ausserordentlich wichtig für einen fruchtbaren Boden sind, erklärt er anhand von zwei wichtigen Eigenschaften der Wurzeln. «Die Pflanzen bilden ständig neue, feinste Wurzelhärchen, die sofort wieder absterben und wie Gras unterirdisch den Bodentieren zur Verfügung stehen.» Ausserdem würden an der Wurzelspitze stärkehaltige, energiereiche Wurzelexsudate ausgeschieden. Das sei Flüssignahrung für das Leben im Boden, sagt der Bodenexperte. Der Kohlenstoff aus Wurzeln habe ein grösseres Humusbildungspotenzial, als wenn grüne Masse in den Boden eingearbeitet werde. Die Wurzeln seien das, was der Boden brauche für die Entstehung einer Krümelstruktur.

«Ich versuche, den Boden so zu füttern, wie man eine Milchkuh füttern würde.»

Anno Lutke Schipholt, Landwirt auf einem Projektbetrieb des Bodenfruchtbarkeitsfonds in Siblingen SH.

Für Anno Lutke Schipholt ist Dauerbegrünung auf seinem Betrieb die wichtigste Massnahme: «Ich versuche den Boden so zu füttern, wie man eine Milchkuh füttern würde. Ich schaue, dass der Boden immer bedeckt ist, das ganze Jahr durch.» Dafür sät er Gründüngungen, die eine möglichst grosse Artenvielfalt haben. Ausserdem setzt er auf seinem Hof seit 2012 auf nicht wendende Bodenbearbeitung.

Er hat in Zusammenarbeit mit einem Landmaschinenmechaniker aus dem Ort ein Gerät für die Tiefenlockerung entwickelt. Ebenfalls benutzt er eine Bodensonde, um die Lage und Tiefe von Verdichtungen erkennen zu können. «Man kann den Boden, wenn man die richtigen Massnahmen umsetzt, in relativ kurzer Zeit wieder in Schuss bringen», sagt der Landwirt.

Landwirt Anno Lutke Schipholt erweckt den Boden zum Leben
Anno Lutke Schipholt hat in Zusammenarbeit mit Müller Landtechnik in Siblingen ein Gerät zur Tiefenlockerung entworfen.

Pflug: gut oder schlecht?

Ob Böden gepflügt werden sollen oder nicht, sei oft eine Frage von Landwirten, weiss Bodenexperte Ulrich Hampl. Er wägt ab: «Tatsache ist, dass tiefes Wenden das Bodenleben erstmal dezimiert und es schwierig ist, es wieder aufzubauen. Gleichzeitig ist pflügen eine hervorragende Unkrautregulierung.»

Wichtig für einen fruchtbaren Boden sind Bodenlebewesen, weil sie den Aufbau von Krümelstrukturen begünstigen weiss Hampl und erklärt dies so: Krümelstrukturen bestehen aus totem Bodenmaterial (Ton oder Sandteilchen) und werden durch Wurzelausscheidungen und Ausscheidungen von Bakterien und Pilzen und durch Bakterien und Pilze selbst lebendig verbaut und wasserunlöslich gemacht. So entsteht eine Struktur, in der gleichzeitig Wasser und Luft gespeichert wird wie in einem Schwamm. «Das kann technisch nicht hergestellt werden, das passiert nur, wenn der Boden lebt», sagt er.

Den Aufwand zur Förderung des Bodenlebens nimmt Anno Lutke Schipholt gerne auf sich. «Ich höre oft: ‹Du bist ja verrückt, zwei Gründüngungen im Jahr auszusäen›, aber ich finde, wenn ich so die Speicherfähigkeit für Nährstoffe und für den Wasserhaushalt hinbringe, lohnt sich das.»

Weiterlesen