Beim Mostobst gibt es heuer eine unterdurchschnittliche Ernte, auch in der Region Zentralschweiz und Aargau. Auf die Hälfte bis zwei Drittel einer durchschnittlichen Ernte schätzt Fachspezialist Obstbau Andreas Klöppel vom LZ Liebegg die Erntemenge beim Mostobst. Derzeit sorge in den Anlagen der Apfelwickler für zusätzlichen Fruchtfall. Aber grundsätzlich habe sich die schwache Ernte bereits nach dem nassen Frühjahr, teilweise mit Frost, und der trockenen Phase im Sommer abgezeichnet. Hagel richtete an manchen Orten zusätzlich massiv Schaden an.

Bäume stehen leer

«Es hat deutlich weniger», meldet wie viele andere Dieter Bürgi aus dem aargauischen Fricktal auf Anfrage der BauernZeitung. Tafelobst ist der wichtigste Betriebszweig des Landwirts aus Olsberg, daneben bietet er Lohnmosterei an.

Vor gut zwei Wochen hat er zum ersten Mal in dieser Saison gemostet. Endgültige Prognosen zur Erntemenge mag er noch nicht abgeben. «Aber die Produzenten, die bisher Obst abgeliefert haben, bringen weniger als in anderen Jahren.» Die Hochstammobstbäume in der Region stünden teilweise leer.

«Wir hätten Freude, wenn es 1000 Tonnen geben würde», beschreibt Adrian Muff das durchschnittliche Verarbeitungsziel seines Mostereibetriebs im luzernischen Römerswil. Aber mit dieser Menge sei heuer sicher nicht zu rechnen, vielleicht mit 700, 800 Tonnen oder auch nur mit der Hälfte. Das Obst treffe nur zaghaft ein, kommentiert der Landwirt die Saison, die im Oktober üblicherweise den Höhepunkt erreicht. Die Erntemenge sei schwach mit regionalen Unterschieden. «Unten im Seetal gibt es noch mehr als bei uns auf dem Hügelzug oben.» Dafür stimme die Qualität, lobt er. Reichlich Sonnenschein hat für hohe Zuckergehalte und gutes Aroma im Obst gesorgt.

Erntemenge zeigt generell nach unten

Adrian Muff führt die Mosterei nebst seinem Landwirtschaftsbetrieb zusammen mit seiner Frau Sandra. Das meiste Obst, das sie verarbeiten, stammt von Hochstammbäumen, zum Einzugsgebiet gehören rund zehn Gemeinden. Der Absatz läuft über Hofläden, Hochstamm Suisse und Coop. Neben der Abnahme von Mostobst bieten Muffs zudem Lohnproduktion an mit Abfüllen, Pasteurisieren und Etikettieren verschiedener Formate. «Wir betreiben auch die wahrscheinlich kleinste professionelle PET-Flaschen-Abfüllerei in der Schweiz.» Damit möglichst viele Äpfel und Birnen verarbeitet werden, vermietet der Moster eine selbstfahrende Obstauflesemaschine.

Die jüngeren Bauern seien nicht so begeistert vom Mostobst-Auflesen bei tiefen Preisen, beobachtet Adrian Muff. Heute bleibe Obst liegen, das von der älteren Generation noch verwertet worden sei. «In unserer Region sind die Strukturen eben nicht so professionell wie in der Ostschweiz.» Die Erntemengen würden tendenziell nach unten zeigen, die Preise jedoch klar nach oben. Aktuell seien sie auf einem ganz guten Niveau, findet er: «Wer will, kann ganz gut etwas verdienen.»

Schlechte Pflege ist ein Problem

Das Klima setzt den Hochstammbäumen zu. Ihre schlechte Kondition liegt aber nicht nur daran. «Viele Bäume werden nicht mehr richtig gepflegt», sagt Andreas Klöppel. Ältere Bäume würden absterben, junge würden zwar gepflanzt, aber anschliessend vernachlässigt. «So wachsen keine kräftigen Bäume nach, die mit Trockenheits- und Hitzestress umgehen können.»