Die abrupte Stilllegung von Fabriken in China zu Beginn der Pandemie hat noch immer Nachwirkungen auf die Versorgung diverser Unternehmen mit wichtigen Vorprodukten. So werden weltweit auch Produktionsrückstände in der Agrarindustrie bemerkt, denn fast alle chemischen Produkte sind in der Lieferkette mit China verbunden. Können Pflanzenschutzmittel hierzulande knapp werden?
Verschiedene Gründe führen zu Engpässen
Aktuell bestünden Kapazitätsengpässe in der See- und Luftfracht, welche zu Anspannungen in den Lieferketten führen, bestätigt Scienceindustries Switzerland, der Wirtschaftsverband Chemie, Pharma und Life Sciences, der BauernZeitung. Gründe hierfür seien u. a.:
- wieder aufgenommene Industrieaktivität mit gesteigerter Nachfrage von Rohstoffen und Zwischenprodukten
- Unterbrüche in den Logistikketten durch Einstellung der Abfertigung in Häfen
- Kapazitätsengpässe bei der Entladung der Schiffsfracht
- jüngste Wetterereignisse in den USA.
Diese würden zu massiv höheren Frachtkosten und längeren Lieferfristen führen.
Scienceindustries schätzt, dass erst im Laufe des Jahres 2022 wieder eine Entspannung eintreten wird. «Wir beobachten die Situation sehr genau und überprüfen die Versorgungssituation periodisch. Wir können jedoch keine Aussagen betreffend der Verfügbarkeit bestimmter Pflanzenschutzmittel für das Jahr 2022 machen», heisst es auf Anfrage. Scienceindustries bestätigt aber, dass gemäss Aussagen ihrer Mitgliedsunternehmen bereits einige Wirkstoffe nur knapp verfügbar sind.
Produktionskapazitäten werden aufgebaut, um Lieferschwierigkeiten auszugleichen
Syngenta bestätigt die Einschätzung von Scienceindustries. «Die Lieferkettenprobleme stehen einerseits im Zusammenhang mit dem Brexit, andererseits v. a. aber auch mit Covid-19 oder Naturkatastrophen, die sich bspw. in den südlichen Teilen der USA auf das Geschäft ausgewirkt haben», so Beat Werder von Syngenta.
Syngenta versuche allfällige Lieferkettenprobleme anhand eines sehr starken, technologieorientierten Lieferkettenmanagements auszugleichen. «So verfügen wir über starke und vorrangige Beziehungen zu wichtigen Lieferanten und Logistikpartnern wie Maersk und DHL und können unsere Sendungen nahezu in Echtzeit verfolgen, so dass wir Lieferprobleme erkennen und die erforderlichen Massnahmen ergreifen können, um unsere Kunden mit den bestmöglichen Lieferzeiten zu bedienen», fügt er an.
Abhängig von einem funktionierenden Zulassungsverfahren
Syngenta profitiere auch von der Tatsache, dass das Unternehmen über ein dezentrales Produktionssystem mit einer Wirkstoffproduktion und einem sehr dichten System von Formulierungsstandorten auf der ganzen Welt verfügt. Je nach Situation würden die Produktionskapazitäten an einem der zahlreichen Standorte aufgebaut, um Lieferschwierigkeiten auszugleichen. Davon profitiere auch die Schweiz. Gleichzeitig könnten Engpässe für die Schweiz bei gewissen Produkten aber nicht immer ausgeschlossen werden.
Es sei aber auch ein funktionierendes Zulassungsverfahren sehr relevant für die Planungssicherheit der Bauern und der Zulieferfirmen, betont Beat Werder. «Ressources müssen langfristig eingeplant und ein international sehr komplexes Fertigungs- und Vertriebssystem muss auf verlässlichen Grundlagen aufgebaut werden können. »
Sollten Landwirt(innen) Pflanzenschutzmittel nun auf Vorrat kaufen?
«Wir empfehlen, sich direkt an die Lieferanten zu wenden, um die Versorgung der von ihnen benötigten Pflanzenschutzmittel sicherzustellen», so Scienceindustries.
Nach Rücksprache mit der Agroline, ein Unternehmensbereich der Fenaco und Lieferantin der Landi-Pflanzenschutzprodukte, gebe es derzeit bei ihnen keine grösseren Engpässe. «Die Beschaffungslage ist zwar angespannt, dank unseren langfristigen Partnerschaften und Investitionen in Lagerkapazitäten in der Schweiz sowie – ergänzend, wo notwendig – unserem internationalen Beschaffungsnetzwerk, sollten wir in der Lage sein, grössere Engpässe bei wichtigen Produkten zu verhindern», führt Geri Busslinger, Verkaufsleiter Agroline, aus.
Wäre dennoch ein Kauf auf Vorrat angebracht? «Wir empfehlen Landwirt(innen) mit ihren Berater(innen) Kontakt aufzunehmen und die Saison ganz normal zu planen», fügt er an.

