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Douglasien-Bäumen im Wald eine Chance geben

Der schnell wachsende Nadelbaum verträgt Hitze und Trockenheit besser als die Fichte und ist von der Holzindustrie gefragt.

Die Douglasie gilt als besonders klimaresistent. Wie viel Hoffnung darf man in diese Baumart setzen? Ein Waldrundgang in Dintikon AG brachte Informationen.

Sauer muss der Boden sein

Es gibt wohl keinen schöneren Douglasienbestand mit Naturverjüngung in der Schweiz als im Rieteberg ob Dintikon bei Wohlen. Da stehen sie, die borkigen, pfeilgeraden Riesen, die bis 60 Meter hoch und 150 cm breit werden können und pro Stück bis zu 30 Kubikmeter hochwertiges Holz hergeben. Gleich buschweise sind sie umringt von aufkommenden Jungbäumen, die ohne menschliches Zutun gedeihen.

«Wichtig hierfür ist der Untergrund, eine silikatführende Rissmoräne», sagt Peter Ammann, Co-Fachstellenleiter Waldbau im Bildungszentrum Wald in Lyss BE. «Sauer müssen die Standorte sein, ansonsten hat die Douglasie Mühe.» Das trifft auf rund die Hälfte des Schweizer Mittellandes zu.

Achtung Hirsch

Matthias Bruder, Leiter des hiesigen Forstbetriebes, kennt die Geschichte der Douglasienkolonie im Rieteberg. «Interessant ist, dass in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in diesem Wald kaum die Rede von Douglasien war», sagt er. Vielleicht, weil in jener Zeit ein Schüttepilz den Douglasien arg zusetzte. «Auch wenn die Douglasie momentan wenig von Schädlingen bedroht ist, kann so ein Szenario immer wieder eintreffen», sagt Peter Ammann. Mehr Angst macht aber der Hirsch, der seit Kurzem auch im Aargau anzutreffen ist. Er hinterlässt an den Douglasien enorme Schäl- und Fegschäden. Wo er heimisch ist, müssen die Bäume aufwendig geschützt werden. Ohne Regulation der Hirschbestände kann die Douglasie nicht überleben.

Trotzdem: Der Baum macht Freude. Auch der Preis. Bis zu 400 Franken pro Kubikmeter können für die schönsten Stücke gelöst werden. Gut auch, dass die Rietenberger Bäume bis weit hinauf wertgeastet sind. «Vor einigen Jahrzehnten war Brennholz hochbegehrt. So kamen die Bauern in die Wälder und ernteten Douglasienäste», sagt Matthias Bruder. Auch sorgt die Douglasie für ein stufiges Waldbild. Da es bei der Douglasie keine Stockausschläge und keine Wurzelbrut gibt, ist sie nicht invasiv. Zudem ist sie extrem sturmresistent – und wenn sie fällt, dann als ganzer Stamm und ohne zu brechen.

Bafu ist kritisch

Und doch – die Fichte und Tanne als Brotbaum der Holzindustrie ablösen wird die Douglasie nicht. Im Aargau macht der Douglasienbestand rund 1,6 Prozent aus, in der gesamten Schweiz fünfmal weniger. Die Zeiten von Monokulturen in den Schweizer Wäldern sind vorbei, ohnehin sollte die Douglasie nur einzeln oder truppweise angepflanzt werden. Einschränkend wirken zudem kantonale Verordnungen auf das Einbringen von Gastbaumarten wie die Douglasie. Auch ist das Bundesamt für Umwelt (Bafu) eher kritisch eingestellt. «Wir setzen auf Baumarten, die naturverjüngt aufkommen», sagt der ebenfalls anwesende Robert Jenni von der Sektion Waldleistungen und Waldpflege. Das tut die Douglasie nur bedingt. Immerhin können die zusätzlichen Fördergeldern, die der Bund erst kürzlich gesprochen hat, nun auch der Douglasie zugutekommen.

Wie auch immer – Matthias Bruder zählt weiterhin auf die Douglasien in seinem Forstrevier und empfiehlt, diesem Baum eine Chance zu geben. «Wenn es zu aufwendig wird, hört man von selbst wieder auf», sagt er. Wenn es aber passt, wie im Rietenberg, «ergänzen Douglasien den Waldbestand auf wertvollste Art und Weise».