Wie einer Medienmitteilung vom 23. März zu entnehmen ist, vereinfachen die Schweizer Milchproduzenten SMP ihre Führungsstruktur. Die Geschäftsleitung wird von fünf auf vier Mitglieder reduziert. Micaël Müller und Stefan Arnold übernehmen per 1. Juli 2026 gemeinsam die operative Leitung als Co-Geschäftsführer. Stephan Hagenbuch, seit 1991 bei der SMP und seit 2016 ihr Direktor, wechselt dann in eine strategische Beraterrolle als «Beauftragter des Vorstandes für Agrar- und Marktpolitik und Sonderprojekte». Christa Brügger und Stephan Schneider bleiben als weitere Geschäftsleitungsmitglieder an Bord.
SMP-Präsident Boris Beuret lässt sich zitieren: «Mit der neuen Führungsstruktur stärken wir unsere Schlagkraft und schaffen klare Verantwortlichkeiten.» Stephan Hagenbuch selbst schreibt: «Die Interessen der Milchproduzentinnen und des Produktionsstandorts Schweiz zu vertreten und die Entwicklung der Schweizer Milch mitzugestalten, ist für mich eine grosse Motivation.» Es handelt sich laut SMP um eine interne Transformation, die Abläufe vereinfach und Entscheidungswege verkürzen soll.
Wer übernimmt die SMP-Direktion?
Stefan Arnold leitet den Geschäftsbereich Marketing der SMP seit 2016. Er kommt aus dem Konsumgütermarketing, zuvor war Stefan Arnold für Unilever und Nestlé tätig. Er ist das Gesicht von Swissmilk gegen aussen, ein erfahrener Marketer, aber kein Agrarpolitiker.
Micaël Müller stiess per Februar 2025 zur SMP und leitet seither den Bereich Wirtschaft und Märkte. Zuvor war Müller nach seinem ETH-Agronomiestudium beim Bundesamt für Landwirtschaft tätig, danach bei der Migros Industrie. Als Co-Geschäftsführer für Interessenvertretung übernimmt er nun eine der anspruchsvollsten Rollen der Schweizer Milchwirtschaft, nach knapp 17 Monaten bei der SMP.
Der Kontext zum Abgang von Hagenbuch
Der Milchmarkt steht unter extremem Druck. Im Dezember 2025 lagen die Milcheinlieferungen rund zehn Prozent über dem Vorjahr, wie Stephan Hagenbuch im BauernZeitung-Interview im Februar festhielt. Das Milchaufkommen ab August 2025 bezeichnete er als «ausserordentlich». Verarbeitungskapazitäten fehlen, nachdem in den letzten Jahren bedeutende Werke in Steffisburg BE, Lucens VD und Hochdorf LU stillgelegt wurden.
Der A-Richtpreis liegt zwar bei 78 Rappen. Doch wie Boris Beuret im BauernZeitung-Interview einräumte, erhalten einzelne Produzenten effektiv noch rund 45 Rappen pro Kilo. In diesem Umfeld übernehmen Micaël Müller und Stefan Arnold die Führung eines Verbandes, dessen Mitglieder unter existenziellem Druck stehen. Das schafft nicht automatisch Vertrauen, auch wenn die Medienmitteilung von Stärke und Schlagkraft spricht. Vor knapp drei Wochen hatte Boris Beuret im Interview mit der BauernZeitung auf die Frage nach Rücktrittsforderungen noch geantwortet, personelle Konsequenzen seien «weder fair noch zielführend». Per 1. Juli gibt Stephan Hagenbuch nun die operative Verantwortung ab. Gibt es einen Zusammenhang?
Sicherstellen, dass und wie es weitergeht
Wie Boris Beuret auf Anfrage erklärt, habe die Änderung in der Führungsstruktur nichts mit der Situation auf dem Milchmarkt zu tun. Es gehe vielmehr um die Organisation und die strategische Planung für die Schweizer Milchproduzenten.
Hagenbuch ist seit 35 Jahren bei der SMP. Eine Zeitspanne, in der er ein einzigartiges institutionelles Gedächtnis aufgebaut hat. Wer 35 Jahre in einer Organisation verbringt, kennt nicht nur die Strukturen und Prozesse: Er kennt die Geschichte jeder wichtigen Entscheidung, die Logik hinter agrarpolitischen Kompromissen, die Netzwerke in Bundesbern und in der Branche, die persönlichen Beziehungen zu Produzenten, Verarbeitern und Politikerinnen. Dieses Wissen lasse sich nicht in einem Organigramm abbilden und entsprechend hoch sei seine Bedeutung für das Unternehmen, so Beuret.
In seiner neuen Rolle als «Beauftragter des Vorstandes für Agrar- und Marktpolitik und Sonderprojekte» übernehme Hagenbuch eine wichtige Funktion für die SMP. Dadurch werde auch der Wissenstransfer sichergestellt – ein Aspekt, den Beuret als zentral bezeichnet.