Es begann mit einem Screenshot. «Danke Migros», schrieb ein Milchproduzent am Dienstagabend auf seinem Social-Media-Profil. Der rote Pfeil auf dem Bild zeigte unmissverständlich auf drei Worte: «Hergestellt in Europa». Darunter: M-Classic Kochbutter, 4 x 250 Gramm, im Aktionsangebot für 13.10 Franken statt 15.20. Gültig bis 18. Februar 2026.

Das reichte. Die Posts gingen in der Landwirtschaftsszene viral – eine Weiterleitung nach der anderen.

Auch SVP-Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger schaltete sich per WhatsApp-Status ein: «Migros ernsthaft?» – mehr brauchte es nicht. Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Kommentare, Empörung, Unverständnis. Für die meisten Betrachter stand fest: Jetzt importiert der grösste Schweizer Detailhändler also auch noch EU-Butter – und das ausgerechnet in diesem Moment.

Der Butterberg ist real

Die Aufregung hat einen realen Hintergrund. Die Schweiz sitzt derzeit auf einem veritablen Butterberg. Ende Juni 2025 lagerten laut der Branchenorganisation Milch (BOM) über 6000 Tonnen Butter in den Tiefkühllagern.

Abo Milchmarkt «Da stimmt also irgendetwas nicht»: Das Rätsel um importiertes Milchpulver Dienstag, 10. Februar 2026 Und in diesem Kontext – Volllager, Milchpreissenkungen, Marktdruck – wirbt die Migros online für eine Butteraktion mit dem Hinweis «Hergestellt in Europa». Man muss kein Landwirt sein, um zu verstehen, warum das in der Branche die Sicherung raussprengt.

Die unbequeme Aufgabe der Medienverantwortlichen

Wir haben bei Migros nachgefragt, was hier falsch läuft. Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Leiterin der Migros-Medienstelle, erklärt am Mittwoch: «Bei der Aussage im Angebot ist uns ein Fehler unterlaufen. Es handelt sich bei der M-Classic-Kochbutter um Schweizer Butter. Sowohl auf dem Umkarton als auch auf der Einzelverpackung ist dies korrekt angegeben. Wir entschuldigen uns für die Verwirrung, die durch die fehlerhafte Produkt-Kommunikation entstanden ist.» Die Aktion ende gleichentags, und die Beschreibung sei bereits am Tag davor korrigiert worden.

Kein IT-Problem, kein Import, keine strategische Entscheidung – einfach eine falsch eingegebene Produktbeschreibung. Drin sei alles korrekt gewesen: Schweizer Butter, Schweizer Deklaration, Schweizer Milch. Der Fehler lag einzig auf dem digitalen Angebotszettel.

Kein Einzelfall – aber diesmal umgekehrt

Wer die Geschichte kennt, weiss: Das war nicht immer so eindeutig. 2019 und 2020 importierte die Migros tatsächlich Kochbutter aus Deutschland und Belgien, weil die Schweizer Lager leer waren. Ein blauer Kleber auf der Packung verkündete damals nüchtern: «Rohstoffmangel – Produktionsland vorübergehend EU». Die Empörung war gross, SVP-Nationalrat Martin Haab fragte den Bundesrat schriftlich an, ob hier eine Täuschung der Konsumenten vorliege. Einer reichte sogar Strafanzeige ein.

Abo Internationale Einflüsse Der Weltmarktpreis für Milch steigt – C-Milchpreis reagiert auf tiefem Niveau Donnerstag, 12. Februar 2026 Die Ironie des aktuellen Falls ist unübersehbar: Damals war die Butter tatsächlich aus der EU – und die Deklaration technisch korrekt. Heute ist die Butter Schweizer – und die Deklaration falsch. Das Resultat, zumindest was die Empörung betrifft: nahezu identisch.

Was bleibt

Der Fall ist schnell aufgeklärt, der Schaden für die Migros überschaubar. Und doch wirft er ein Schlaglicht auf eine Branche unter Strom. Wenn ein simpler Tippfehler in der Online-Produktbeschreibung binnen Stunden Nationalräte auf den Plan ruft, zeigt das, wie dünnhäutig die Situation geworden ist. Milchbauern kämpfen gegen sinkende Preise, volle Lager und einen Markt, der ihnen zu wenig zurückgibt. Da braucht es keinen echten Import, um die Nerven blank zu legen – ein falsches Wort reicht.