«Grassbeef4Future» so lautet der Titel eines Agroscope-Projektes. Ziel des Projektes ist die Analyse der Wirtschaftlichkeit von Mutterkuhhaltungssystemen und die Suche nach Verbesserungspotenzial. Christian Gazzarin stellte an der Nordwestschweizer Mutterkuhtagung auf der Liebegg erste Zwischenergebnisse vor. 42 Betriebe hat das Projektteam analysiert, 25 davon in der Berg- und 17 in der Talzone. Analysiert wurden einzig die Daten auf Stufe Betriebszweig «Mutterkuhhaltung».
Produktiv im Tal
Die Analyse brachte weniger überraschende und überraschende Ergebnisse zutage. Wenig überraschend ist die Tatsache, dass im Talgebiet intensiver produziert wird als im Berggebiet. Die Produktivität ist im Tal rund doppelt so hoch: Natura-Beef im Tal schafft rund 320 kg/ha, im Berggebiet 170 kg/ha. Auch nicht überraschend ist die Tatsache, dass mit steigender Intensität (mehr kg SG je ha) der Deckungsbeitrag ebenfalls steigt. Schon eher überraschte, dass je Arbeitsstunde im Berggebiet mehr verdient wird, trotz tieferer Intensität und höherem Arbeitsaufwand: Rund 20 Franken je Arbeitsstunde resultiert im Berggebiet gegenüber 13 Franken im Talgebiet.
«Den Aufwand konnte ich von sieben auf unter eine Stunde pro Tier senken.»
Jonathan Kobel ist dank digitaler Lösung weniger mit Administration beschäftigt.
DZ machen es aus
Die einfache Erklärung dazu von Christian Gazzarin: «Die Direktzahlungen sind im Berggebiet mit 4000 Franken je ha wesentlich höher als im Tal mit knapp 3000 Franken.» Und schon ziemlich überraschend dürfte sein, dass der Schlachterlös je Tier nur einen kleinen Einfluss hat auf die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung. Und Tatsache ist auch, überraschend oder nicht: Wird ein fixer Stundenlohn von 28 Franken eingesetzt, resultiert bei keinem Betriebstyp ein buchhalterischer Gewinn.

Den Aufwand senken
Zufrieden mit dem wirtschaftlichen Ergebnis auf seinem Betrieb ist Jonathan Kobel aus Rubigen im Kanton Bern. Er vermarktet sämtliches Fleisch seiner Galloway-Herde direkt. In das Marketing und in die Marke «Kobel’s» hat er viel investiert, Herzblut und Geld. Verkauft werden die Produkte ausschliesslich online. Grossen Wert legt der innovative Landwirt auf die Pflege von Partnerschaften: «Dies ergibt wertvolle Netzwerke und Synergien». Mit dem Ergebnis ist er zufrieden, die Rechnung scheint aufzugehen. Weniger zufrieden war er mit dem administrativen Aufwand, insbesondere für das Bereitstellen, den Versand und die Verrechnung der Mischpakete. Deshalb suchte er zusammen mit seinem Bruder eine digitale Lösung, um Arbeitsprozesse effizienter zu erledigen. Entstanden ist die Software «Makoni». «Den administrativen Aufwand je Tier konnte ich so von sieben auf weniger als eine Stunde reduzieren», erklärte er. Und nun ist Kobel auch mit diesem Ergebnis zufrieden.
Jährlich ein Kalb pro Kuh
Der Nachmittag stand ganz unter dem Thema «Tiergesundheit». Bei der Mutterkuhhaltung stellt das Kalb den einzigen Ertrag dar. «Das Ziel ist deshalb ein gesundes, frohwüchsiges Kalb pro Kuh und Jahr», erklärte Tierärztin Maren Feldmann von Rindergesundheit Schweiz. Und ihr Kollege Martin Kaske machte gleich auch klar, wann die «Kälbergesundheit» beginnt: «Nicht erst bei der Geburt, sondern 270 Tage vorher bei der Belegung». Gerade bei Rindern ist beispielsweise die Leichtkalbigkeit ein wichtiger Aspekt. Auch die Fütterung hat einen grossen Einfluss. In der Praxis komme es immer häufiger vor, dass die Mutterkühe zu fett sind beim Abkalben. Die Ursache sieht Kaske bei der zunehmenden Fütterung von Grassilage in der Galtphase, gepaart mit dem steigenden Zuckergehalt moderner Gräser. Grassilage könne auch noch ein weiterer Risikofaktor sein für die Kälbergesundheit. «Schlechte Silagequalität kann zu schlechter Kolostrumqualität führen», so Kaske. Gut investiert ist die Zeit in die Tierbeobachtung. Zeigt ein Tier Anzeichen von Krankheitssymptomen (kalte Ohren und Nase, auffälliges Verhalten), muss schnell reagiert werden.

