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«Nur Vorbilder dürfen öffentlich Berufskollegen kritisieren», sagt Stefan Krähenbühl zu den Pflanzenschutz-Initiativen

Stefan Krähenbühl ist Biolandwirt und engagiert sich gegen die Trinkwasser- und die Pestizidverbots-Initiative, die am 13. Juni zur Abstimmung kommen. Zusammen mit seiner Frau hat er sich zwei Szenarien überlegt, was bei einer Annahme der Vorlagen mit ihrem Hof passieren könnte.


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Ein Lernender fährt im Traktor und hinter im legen drei junge Frauen Brokkoli-Setzlinge in das Setzgerät. Es sind vier seiner fünf Lernenden, eine davon ist seine Tochter Lena. Familie Krähenbühl bewirtschaftet in Blessoney, Gemeinde Greng bei Murten FR einen biologischen Landwirtschaftsbetrieb.

Konsumenten nicht anlügen

Der «Hof am Murtensee» ist sehr vielseitig. Neben der Milchwirtschaft mit 40 Kühen und ammengebundener Kälberaufzucht produziert der Betrieb verschiedene Ackerkulturen, Feldgemüse und seit neustem auch Futtersoja für die Legehennen, die demnächst dazukommen.

Stefan Krähenbühl setzt sich intensiv mit den beiden Pflanzenschutz-Initiativen auseinander, die am 13. Juni zur Abstimmung kommen. Er liest jeden Artikel, der darüber in den Medien erscheint. Ein Interview mit Martin Bossard, Leiter Politik von Bio Suisse, im «Schweizer Bauer» war der Auslöser dafür, dass Krähenbühl beschloss, selber aktiv zu werden.

Er schrieb einen offenen Brief mit dem Titel «Pflanzenschutz gehört auch bei Bio dazu». Darin erklärte er, dass entgegen Bosshards Aussage, auch Biolandwirte Pflanzenschutzmittel einsetzen. «Es geht doch nicht, dass wir in so einem Abstimmungskampf die Konsumenten anlügen», sagt Krähenbühl dazu. Auf seinen Leserbrief erhielt er 32 positive Rückmeldungen. «Da merkte ich, dass ich nicht ganz falsch bin.» Der Biolandwirt ist auch im nationalen Komitee für 2× Nein vertreten.

Gerade setzen vier Lernende Brokkoli. Wegen der Trockenheit werden die Setzlinge anschliessend bewässert.

Aktiv auf Sozialen Medien

In seinem Umfeld diskutiert Stefan Krähenbühl aktiv über die Initiativen und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft und seinen Betrieb. Sein «Testmarkt» sind dabei die Besitzerinnen der Pensionspferde. «So sehe ich wie sie auf meine Argumente reagieren», sagt Krähenbühl. Er verbreitet zudem viele Beiträge auf Social Media: Whatsapp, Facebook, Instagram und neuerdings auch auf Twitter. Dort berichtet er beispielsweise über seine Kuh Flurina, die als junges Rind einen Beinbruch hatte. «Nach der Annahme der Trinkwasser-Initiative (TWI) hätten wir ihr Bein nicht im Tierspital operieren lassen können und sie notschlachten müssen», erklärt Krähenbühl im Video. Flurina erhielt nach der Operation ein Antibiotikum um einer Infektion vorzubeugen, das wäre nach Annahme der TWI nicht mehr möglich.

An die Zukunft denken

Doch was wäre, wenn beide Initiativen im Sommer angenommen würden? Darüber haben sich Stefan und seine Frau Anita bereits viele Gedanken gemacht. «Wir haben uns zwei Szenarien überlegt», sagt er.

Szenario 1: Status Quo. Es werden vermehrt Frühkartoffeln angebaut, weil es bei denen keine Krautfäule-Probleme gibt. Den Lagerkartoffelanbau würden Krähenbühls reduzieren. «Die verlagern sich wegen dem Krautfäuledruck in die Voralpen auf über 800 m ü. M.» Der Ertrag wird sinken und es muss mehr importiert werden. Mit dem Gemüseanbau würden Krähenbühls aufhören «obwohl dies den heutigen Ernährungstrends widerspricht».

Mit der Milchproduktion würden Krähenbühls abwarten. Sie produzieren heute silofreie Käsereimilch für den Mont Vully Bio-Käse. Die Pensionspferde würden aufgegeben, vor allem wegen Antibiotika und Futterzukauf. Denn auf Fruchtfolgeflächen kann man kein Ökoheu produzieren. Die Legehennenhaltung würden Krähenbühls ausbauen. Sie erhalten bald 250 Legehennen fürs Hühnermobil. Für diese haben Krähenbühls bereits 2,5 ha Futtergetreide angesät. Den Süsskartoffelanbau würden sie ausdehnen, denn diese kommen ohne Pflanzenschutzmittel aus. So oder so würde der Hof am Murtensee auf mehr Wertschöpfung im Betrieb sowie Nischen und Tourismus setzen.

Szenario 2: Der Biomarkt fällt zusammen. Die Preise von Milch und Fleisch fallen zusammen. Senkt die Käserei die Milchpreise? Fallen die Preise für Mischpakete zusammen oder nur die Schlachtviehpreise? In diesem Szenario sehen sich Stefan und Anita Krähenbühl mehr im Handel. Sie liefern heute schon in verschiedene Läden. Zudem würden sie den Tourismus hochfahren, den Betrieb nur noch extensiv führen und auf Direktzahlungen ausrichten. Stefan Krähenbühl würde als Agronom FH wieder in den Nebenerwerb gehen und auf dem Hof den Jungen Platz machen. Auch die fünf Lehrstellen würden wegfallen.

Die Kälber der Milchkühe dürfen mit ihren Ammen auf der Weide bleiben, bis sie abgesetzt sind.

Wer ist ökologischer?

Produktionstechnisch sieht Stefan Krähenbühl die Initiativen als nicht durchführbar. Die Risiken überwiegen zu stark. «Markttechnisch würden 50 % der Biobauernfamilien auf der Strecke bleiben», sagt der Landwirt. Daher sei er gegen beide. Krähenbühl will zudem konventionelle Bauern dazu ermutigen zu zeigen, was sie für die Ökologie machen. Er ist nämlich überzeugt, dass ein ÖLN-Grünlandbetrieb ökologisch besser unterwegs ist als ein intensiver Bio-Gemüsebaubetrieb. Zudem findet es Krähenbühl problematisch, «dass im Initiativkomitee eine Gruppe von Weltverbesserern aus Biokreisen sitzt, die eine grosse Mehrheit der Bauern öffentlich kritisiert». Die, die zu kritisieren angefangen haben, seien Dauerkritiker und hätten Vision Landwirtschaft, Birdlife und Pro Natura auf die Fährte gelockt. Krähenbühl denkt, dass die Bio Suisse die Pestizidverbots-Initiative heute nicht mehr durchwinken würde, denn eine grosse Mehrheit von Biobauern mit Spezialkulturen sei seiner Meinung.

«Nur Vorbilder dürfen ihre Berufskollegen öffentlich kritisieren», sagt Stefan Krähenbühl. Er spricht verschiedene Themen an und richtet sich dabei gegen die Initianten mit Spezialkulturen: ausländische Mitarbeiter mit Billiglöhnen statt Lernende, Bodenfruchtbarkeit, Pflanzenschutzmitteleinsatz und Fruchtfolge. «Solange ein Biogemüsebauer chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel einsetzt, darf er keinen ÖLN-Graslandbauern kritisieren.» Die Initianten wollen eine «Wende» erzwingen. Aber keiner von ihnen bildet entsprechend Lernende aus.

CO2 ist wichtiger

Viel wichtiger als die Diskussion über die Pflanzenschutzmittel findet Stefan Krähenbühl die CO2-Frage. Dieses massive Problem müsse man lieber früher als später lösen. Zu diesemThema löst er aktuell seine Hausaufgaben wie pfluglos, regenerativ, Pflanzenkohle, Humus, Kunstwiese oder langlebige Kühe.

Betriebsspiegel Hof am Murtensee

Name Stefan und Anita Krähenbühl

Ort Greng FR

LN 45 ha

Viehbestand 40 Milchkühe plus Jungvieh, 2 Ammenkühe, 20 Pensionspferde

Kulturen Kartoffeln, Süsskartoffeln, Konsumbohnen, Getreide, Mais, Raps, Freilandgemüse und Soja.

Arbeitskräfte Stefan und Anita Krähenbühl, 5 Lehrlinge (EFZ, HAFL), 3 Mitarbeiter

www.hofammurtensee.ch

 

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