Nach dem Corona-Boom gelang es nicht allen Hofläden, die Laufkundschaft zu treuen Stammkunden zu machen. Hinzu kommen der Teuerungsschub und eine Verschiebung der Prioritäten hin zu Ferienreisen. Homeoffice ist auch out und demzufolge wird weniger selbst gekocht.

Die Kundentreue auch im Jahr 2022 aufrechterhalten konnten vor allem Hofläden, die verkehrsgünstig gelegen sind. Aber nicht nur, sagt Ernst Lüthi, Präsident des Fachzentrums Direktvermarktung des Schweizer Obstverbands: «Erfolgreich sind Hofläden, die sich gut positioniert haben, über einen Brand verfügen und authentisch sind.»

«Wir konnten unsere Umsätze ins Jahr 2022 hinüberretten.»

Vinzenz Bütler

DirektvermarktungFamilie Bütler hat in einen modernen Hofladen investiert: «Plötzlich sehen wir lauter neue Gesichter»Mittwoch, 16. November 2022 Auch der Hofladen von Astrid und Vinzenz Bütler in Wädenswil ZH ist an einer Durchgangsstrasse gelegen. Sie haben ihren alten Hofladen im vergangenen Jahr flächenmässig verdoppelt und modernisiert. Die Eröffnung war im Oktober 2022. «Wir konnten unsere Umsätze ins Jahr 2022 hinüberretten», sagt Vinzenz Bütler. Neben dem Standort zähle der Bekanntheitsgrad («Wir sind in der Region bekannt») und die Qualität.

Während der Pandemie setzte zudem die Familie Stettler in Bolligen BE auf den Ausbau des Hofladens. Der Betrieb ist eigentlich auf Marktfahren ausgerichtet und hat einen Marktstand auf dem Bundesplatz in Bern und einen in Bolligen. Da während des Lockdowns der Markt nicht stattfinden konnte, erweiterten sie ihren ursprünglich 4 m2 grossen Hofladen nach und nach. Dieses Provisorium endete im Juni 2022, als sie einen schönen modernen Hofladen eröffneten. «Klar sind die Umsätze nicht mehr wie 2021, aber der Hofladen lohnt sich immer noch. Der Trend zu Regionalität hält an», sagt Walter Stettler.

«Wer nicht rechnet, soll nicht gschäften.»

Walter Stettler

Preisniveau halten

Aber es braucht ein rigoroses Kostenmanagement, um im aktuellen Umfeld einen Hofladen zu betreiben. «Wer nicht rechnet, soll nicht gschäften», bringt es Stettler auf den Punkt. Laut Ernst Lüthi gehe die Kundschaft vermehrt davon aus, dass die Produkte in einem Hofladen billiger als im Grossverteiler sein müssten. «Jeder, der mit seinem Laden einen anständigen Stundenlohn erwirtschaften will, kann nicht günstiger sein», sagt er.

«Es gibt Hofläden, die ihre Produkte zu Tiefstpreisen anbieten.»

Ernst Lüthi

Und ja, es gäbe Hofläden, die ihre Produkte zu Tiefstpreisen anbieten. «Aber es kann nicht sein, dass die Bäuerin dann quasi zum Nulltarif präsent ist, Regale auffüllt oder Konfitüren herstellt.» Im Gegenteil, aufgrund der steigenden Kosten für Energie, Geräte und Maschinen sowie Verpackungsmaterial seien Hofladenbetreiber gezwungen, ihre Preise moderat anzuheben.

Sparen, wo man kann

Beim Verpackungsmaterial lässt sich sparen, wenn man gewisse Gebinde gemeinsam einkauft. So bezieht Vinzenz Bütler seine Früchteschalen bei der kantonalen Zentralstelle für Obst und Gemüse, die jeweils eine Sammelbestellung für ihre Mitglieder macht. Lüthi und Stettler sind dazu übergegangen, Flaschen aus Glas oder PET direkt bei einem Hersteller in Grossmengen zu beziehen.

Eine grosse Kostenersparnis sei zudem, wenn man Geräte oder Maschinen nicht liefern lässt, sondern selbst abholt beziehungsweise bei einem Defekt ausbaut und beim Reparateur vorbeibringe, sagt Stettler.

Auch gelte es, eine straffe Tourenplanung zu machen, wenn man selbst Obst ausliefere. «Unsere Früchtekörbe liefern wir nur am Montagvormittag aus, ansonsten gibt es einen Lieferzuschlag», sagt Stettler.

Wochenendeinkauf boomt

Es gibt aber noch andere Stellschrauben, beispielsweise die Öffnungszeiten. Laut den oben erwähnten Hofladenbetreibern sind die Öffnungszeiten am Wochenende immer wichtiger.

Hochbetrieb herrsche nicht nur am Samstag, sondern immer mehr auch am Sonntag.

Ein Produkt mag noch so gut sein, aber wenn es in einem Regal unten in einer Ecke steht, wird es übersehen. Bevor so ein Produkt zum Ladenhüter wird, solle man es neben der Kasse platzieren, so ein Tipp von Ernst Lüthi. Nur sparen und Warenmanagement allein hilft nicht, Marketing muss sein. Das betrifft nicht nur die Präsenz in den Sozialen Medien, sondern auch Inserate und kleinere Events auf dem Hof.

Laut den zurzeit verfügbaren Zahlen des Bundesamts für Statistik hat sich die Zahl der Betriebe, die auf Direktvermarktung setzen, von 2010 bis 2020 verdoppelt. Jeder vierte Betrieb verkaufte Produkte direkt ab Hof.

Bis zu 300 000 Franken
Der Hofladen-Boom während der Pandemie ist in diesen Zahlen noch nicht enthalten, aber wie man hört und wie die Beispiele von Bütler und Stettler zeigen, wird weiter in Hofläden investiert. Nicht etwa nur im kleinen Umfang, sondern mit Summen zwischen 100 000 und 300 000 Franken. Das ergab eine stichprobenmässige Umfrage bei Agrarkreditkassen. Die Anzahl Gesuche lassen sich rein zahlenmässig und von der Investitionssumme her nicht vergleichen mit jenen für Ökonomiegebäude, dennoch laufen eine Handvoll IK-Anträge für Hofläden und Verarbeitungs- sowie Lagerräumlichkeiten in den Kantonen Basel-Landschaft, Bern, St. Gallen und Zürich.
Auf 2023 könnten die Gesuche zur Finanzierung von Hofläden durch die revidierte Strukturverbesserungsverordnung noch ansteigen. Auf 2023 wird die erforderliche Betriebsgrös­se für einen Investitionskredit für Diversifikation, also Direktvermarktung und Hofläden, von 1 auf 0,6 SAK gesenkt. Diesbezüglich wird gelockert, auf der anderen Seite wird geschraubt.

Finanzierung mit Stolperstein
Mit Bundesgeldern gebaute Gebäude und Räumlichkeiten darf man nicht zweckentfremdet nutzen. Mehr und mehr sind solche Gebäude auch mit einem Rückbaurevers versehen. Was immer mehr zur Hürde wird, ist die Raumplanung. So sind Hofläden prioritär in bestehende Bauten einzugliedern. Verkaufsstände oder -automaten sind nur im Hofbereich erlaubt, auch wenn es mancherorts Sinn machen würde, den Verkaufsstand zur Steigerung der Kundenfrequenz an eine nahegelegene Strasse zu verlegen.