Die Ziegenhalter blicken auf eine erfolgreiche Gitzisaison zurück. «Verschiedene Kanäle wurden in der Vergangenheit entwickelt, die nun gut laufen», betont der Präsident des Schweizerischen Ziegenzuchtverbands, Stefan Geissmann. Aber auch die Direktvermarkter seien kreativer geworden in der Vermarktung von Gitzifleisch. Als positives Beispiel lobt Geissmann Coop, der Grossverteiler importiere kaum noch und setze auf einheimisches Gitzifleisch.
Mehr Ostergitzi
Die grosse Herausforderung des Ziegenmarktes ist, dass die meisten Geburten saisonal stattfinden und dadurch um Ostern eine grosse Menge Gitzi in wenigen Wochen vermarktet werden müssen. «Immer noch wird Gitzi hauptsächlich an Ostern gegessen», betont Stefan Geissmann. Mit dem Lockdown wurde vermehrt zu Hause gekocht und so sei die Nachfrage nach Ostergitzi deutlich gestiegen. Er hofft, dass die Familien auf den Geschmack gekommen sind und künftig dieser Tradition treu bleiben. Dennoch werden vermehrt auch Gitzi im Sommer und Herbst geboren, da die Ziegenmilch im Winter sehr rar und entsprechend gesucht ist. «Man kann Gitzi beispielsweise auch sehr gut auf dem Grill zubereiten»,betont Geissmann und hofft, den Zeitraum der Vermarktung ausdehnen zu können. Bisher zeigen sich jedoch Gitzi ausserhalb von Ostern nahezu unverkäuflich und erzielen entsprechend tiefe Preise.

Gute Nachfrage
Auch bei der Vermarktung von Altziegen hat sich ein Markt entwickelt: «Dieses Fleisch wird oft in Form von Trockenfleisch oder Dauerwurst angeboten, ist daher lagerfähig und gefragt», erklärt Stefan Geissmann. Dort, wo Ziegen in der Landschaftspflege unterwegs sind, lässt man oft die Jungtiere bis im Herbst bei der Mutter saugen. Diese Spezialität des Herbstgitzis, das rund sechs Monate alt ist, soll nun ebenfalls als Nischenprodukt vermarktet werden.
Deutlich mehr Schlachtungen
Dank der Einzeltiererfassung ist der Ziegenmarkt in den vergangenen drei Jahren transparenter geworden. Die Datengrundlage ist gut, rund 98 % der Ziegen haben eine korrekte Tiergeschichte. 26 177 Ziegen wurden heuer bis Ende Mai laut Proviande geschlachtet. Das sind 6,5 % oder 1587 Stück mehr als im Vorjahr. In diesem Frühling stieg geburtenbedingt der Ziegenbestand laut Identitas-Statistik auf rekordhohe 132 772 Tiere. Aktuell beträgt er noch 111 779 Tiere. Bis Ende Mai wurden in der Schweiz 260 Tonnen Ziegenfleisch produziert, das sind rund 40 Tonnen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum der Schweizerbevölkerung beträgt 80 Gramm Ziegenfleisch.

