Im Grünen Zentrum an der BEA in Bern roch es zwar nach Teig und Käse, doch die Hauptrolle spielten in diesem Jahr die Schweizer Früchte. Apfel, Birne und Co. war die Sonderschau mit verschiedenen Ständen, Aktionen und Infostationen gewidmet. «Am besten läuft die Mostpresse», bemerkte Ueli Steffen, Geschäftsführer des Verbands Berner Früchte, der während der Messe täglich im Einsatz war. Die Kinder stehen Schlange, um ihren eigenen Saft zu pressen. Ebenfalls beliebt ist die Sortendegustation. «Für uns ist es interessant zu wissen, welche Sorten beim Publikum gut ankommen», so Steffen. Eine riesige Kirsche klärt über Saisons auf, andernorts gibt es Informationen zu Nützlingen und Schädlingen.

Die Konsument(innen) mit allen Sinnen ansprechen

Konzept leicht angepasstObstverband lanciert die jährliche Fruchtsaft-Prämierung neuDonnerstag, 23. Dezember 2021 Am 7. Mai hatte das Grüne Zentrum mit der Obstsaftprämierung auch etwas für die Produzent(innen) zu bieten. In diesem Jahr fand sie erstmals unter dem Namen «Die Goldene Presse» statt und widmete sich den Fruchtsäften. Er sehe im Trend hin zu Regionalem und Speziellem sowie dem steigenden Konsum von Fruchtsäften eine Chance für die Obstbranche, erklärte Jimmy Mariéthoz, Präsident des Schweizer Obstverbands (SOV). Präsentation und Qualität würden indes an Bedeutung gewinnen. «Die Leute wollen verzaubert werden: Es geht nicht nur darum, den Durst zu löschen oder mit Vitaminen versorgt zu werden», fuhr Mariéthoz fort. Vielmehr wollten die Konsument(innen) erstaunt und mit allen Sinnen angesprochen werden. Die Latte für Produzent(innen) hängt demnach hoch und «es braucht Mut, sich für die Prämierung anzumelden und seinen Saft von Fachleuten beurteilen zu lassen», ist er sich bewusst.

Heimat und Zauber im Glas

Der SOV-Präsident verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Anwesenden das Leid durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine für eine Weile vergessen und die Auszeichnungen Freude bereiten könnten. Denn die «fabelhaften» Fruchtsäfte sind aus seiner Sicht immer auch ein Stück Heimat und Zauber, auf das man stolz sein sollte.

Die richtige Balance messbar machen

Was einen guten Fruchtsaft ausmacht, damit hat sich Jonas Inderbitzin, Sensoriker bei Agroscope, eingehend befasst. Bekanntlich geht es um die richtige Balance von Süsse und Säure, wobei diese beiden Faktoren nicht mit dem Brix-Wert respektive dem Gesamtsäuregehalt gleichgesetzt werden können. Hingegen konnte der von ihm präsentierte Index, der die Süsskraft verschiedener Zuckerarten im Saft und den pH-Wert miteinbezog, die gesuchte Balance besser abbilden. «Die Analytik kann helfen, die sensorische Qualität des Fruchtsafts zu verbessern», ist Inderbitzin überzeugt.

Süssmost gewinnt bei Publikum und Jury

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Besonders interessiert waren die Anwesenden selbstredend an den Resultaten der Prämierung (siehe Kasten unten). Katja Lüthi, wissenschaftliche Mitarbeiterin des SOV, verlas die Gewinner(innen) der Gold- und Silberdiplome und bat sie gruppenweise auf die Bühne. Ausserdem hatte sie sich «einen kleinen Spass erlaubt», wie sie es ausdrückte, und die besten Produkte aus allen Kategorien zusätzlich von den BEA-Besuchern verkosten lassen. 860 Personen kamen so in den Genuss unterschiedlicher Fruchtsäfte, die Lüthi zu diesem Zweck unter falschem Namen quasi inkognito bei den Produzenten bestellt hatte. Dieser «Familienpreis», in Form eines kleinen, mit Smarties gefüllten Pokals, ging an Ueli Steffen aus Koppigen BE. Dass sein Süssmost mit deutlichem Abstand das Rennen machte, wundere ihn nicht: «Die meisten mögen es süss und ein Nektar hatte es sicher schwieriger». Nicht ohne Grund werden für die eigentliche Prämierung nur Produkte innerhalb einer Kategorie verglichen. Und nicht umsonst wurden in der Kategorie Süssmost am meisten Produkte angemeldet. Steffens Süssmost überzeugt aber auch die Fachleute und brachte Steffen ein Gold-Diplom ein. «Es ist gut, dass das so übereinstimmt», meint der Berner, «sonst hätte ich mich schon fragen müssen». Schliesslich bringe es nichts, wenn nur die Fachwelt sein Produkt gut findet, nicht aber die Konsumenten.

Keinen Birnensaft beigemischt

Wie alle Ausgezeichneten erhielt Ueli Steffen einen Umschlag mit der fachlichen Beschreibung seines Produktes und den Resultaten der Laboranalysen. Vor allem ersteres interessiere ihn, die Zahlen werde er aus Neugier innerhalb der Rangliste miteinander vergleichen. «Die Säfte mit dem höchsten Zuckergehalt sind nie an der Spitze», weiss der Berner. Er habe selbst 600 Sorten auf dem Betrieb und mische sie, um Süsse und Säure optimal ausbalancieren zu können. Ausserdem besteht Steffens Süssmost nur aus Apfelsaft – «ich mag persönlich keinen Birnensaft darin». Es braucht seiner Meinung nach viel «Gschpüri» für eine gute Mischung. «Und am Ende muss ich je nach Ernte mit den Posten arbeiten, die es eben hat», fügt Ueli Steffen hinzu.

Die Qualität der Schweizer Fruchtsäfte aus der bäuerlichen Obstverwertung hat sich laut dem Berner in den letzten Jahren immer verbessert. Das sei das Verdienst des SOV, der schon vor mehreren Jahrzehnten in die Aus- und Weiterbildung investierte sowie vor allem auf die Kontrollen ein Auge warf. «Das Resultat zeigt sich heute deutlich», freut sich Ueli Steffen: Der goldene Saft sei heute meist von hervorragender Qualität, was vor 30 Jahren noch nicht in dieser Deutlichkeit erkennbar gewesen sei.

Im nächsten Jahr wird im Rahmen der «Goldenen Presse» Cider prämiert.

 

87 Proben fachlich verkostet
Insgesamt haben in diesem Jahr 53 Produzentinnen und Produzenten 87 Proben eingereicht. Die drei höchstbewerteten Produkte der Prämierung wurden mit 93 Punkten von einer geschulten Jury bewertet und anschliessend zu Kategoriensiegern gekürt:

Kategorie «Apfelsaft geklärt/ geschönt»: Andreas Jost von der Stiftung Uetendorfberg aus Uetenberg BE mit dem Produkt «Charge Nr. 457»
Kategorie «Apfelsaft naturtrüb»: Mosterei Bussinger aus Hüttwilen TG mit dem Produkt «Herbstgold Pinova»
Kategorie «verdünnte Säfte»: Cédric Kilchherr von fruitdefendu.ch aus Founex VD mit dem Produkt «POMALO»

Neben den Kategoriensiegern haben fünf weitere Produkte Gold gewonnen:

Fruchtnektare: Aprikosennektar von Moïse und Jordane Carron aus Fully VS Ebenfalls Gold Sonderfruchtgetränke: Der Traubensaft von Jean-Marc Thury aus Etoy VD
«Apfelsaft geklärt/geschönt»: Gregor Rehmann aus Kaisten AG mit «Süssmost geklärt» und Ueli Steffen von Oeschberg Früchte aus Koppingen BE mit dem Produkt «Süssmoscht»
Die detaillierten Resultate finden Sie hier