Der Klimawandel verändert die Bedingungen für Spezialkulturen, positiv wie negativ. Welche Möglichkeiten die Produzenten zur Klimaanpassung auf ihren Betrieben haben, zeigten Fachspezialist(innen) vom LZ Liebegg an der Spezialkulturen-Tagung Anfang März.

Robuste Kulturen schaffen

«Das Ziel müssen robustere Kulturen sein», lautete der Ansatz von Suzanne Schnieper, Fachspezialistin Gemüse- und Beerenbau. Der Boden spiele dabei eine entscheidende Rolle, ihn zu verbessern war Schniepers erste Empfehlung: Struktur verbessern, Humusgehalt erhöhen, die Fruchtfolge extensivieren, Gründüngungen zwischenschalten. Kompost, Hacktechnik, Mulch, Mykorrhiza und anderes fördern das Wurzelwachstum der Pflanzen

Lösung für andere Probleme

«Ihr wisst, was euer Boden leistet und wie man ihn verbessern kann», appellierte Suzanne Schnieper an die Produzenten. Diese Massnahmen würden zwar Mehrkosten generieren, seien aber auch eine Lösung für andere Probleme, spielte sie auf die schwindende Palette an Pflanzenschutzmitteln an.

Eine relativ einfache Massnahme gegen Frostschäden im Obst- und Weinbau ist das Mähen der Fahrgassen, damit die Kälte am Boden schneller abfliesst. Danach wird es schnell teuer, zum Beispiel mit der Überkronenberegnung. Die funktioniert gemäss Daniel Schnegg, Fachspezialist Obstbau, beim Kernobst, sofern der Boden das anfallende Wasser schlucken mag. Beim Steinobst ist es heikel wegen des Bakteriums Pseudomonas syringae.

Am LZ Liebegg wurden Versuche mit Pelliheat-Frostschutzöfen durchgeführt. 84 Öfen pro Hektare hoben die Temperatur in der Anlage um 3 bis 4 Grad an. Daniel Schnegg berechnete die Kosten der Heizaktion auf 15 Rappen pro Kilo Tafelkirschen, noch ohne Arbeitsaufwand, wofür der Detailhandel keinen Mehrpreis bezahlt. Diese Frostschutzöfen werden mit Trapezblech abgedeckt und eignen sich darum auch für Kulturen unter Folientunnel und mit Folienabdeckung. Paraffinkerzen kosten gemäss Schnegg pro Hektare rund das Doppelte und verursachen mehr Rauchemissionen.

Heizdrähte bei Reben

Eine innovative Massnahme im Rebbau sind mit Strom beheizte Drähte. Auch hier gilt: Die Wirkung ist gut, die Investition von 15 000 Franken pro Hektare aber teuer. Nachteilig ist zudem der Energieverbrauch.

Gegen die Trockenheit empfiehlt Fachspezialist Weinbau Urs Podzorski, die Reben bereits im Jungstadium einem moderaten Trockenstress auszusetzen, was die  Wurzelbildung fördert. Auch die Wahl der passenden Unterlage hilft. Humusaufbau verbessert die Wasserspeicherung, die Bodenabdeckung mit organischem Material reduziert die Verdunstung. Mit einer Kreiselegge können die wasserführenden Kapillaren gebrochen werden.

Weinstil neu definieren

Der Klimawandel verändert nebst dem Anbau auch den Wein selber. Die Mostgewichte nehmen zu, der Umgang mit tieferen Säuregehalten will gelernt sein. «Dabei müssen sich die Winzer auch die grundsätzliche Frage nach ihrem Weinstil und den dazu passenden Sorten stellen», sagte Podzorski.