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Schorf, Wickler, Läuse: So schützen Bio-Obstbauern ihre Ernte frühzeitig

Timing und konsequentes Monitoring der Schädlinge seien beim Anbau von Bio-Kernobst entscheidend. An der Fachtagung des Bio Obstbauring informierte der Obstbauberater Fabian Baumgartner über Heisswasserbehandlung und Blattlausregulierung. Das Ganze fand auf dem Betrieb von Reto Leuch in Landschlacht (TG) statt.

Im Zentrum stand der Betrieb von Reto Leuch, der auf rund 8.5 Hektaren Kernobst produziert. Neben Sorten wie Braeburn, Gala, Boskoop, Wur 037 (Freya®) und Pinova (Evelina®) gewinnt der Obstbau zunehmend an Bedeutung, während die Fischerei auf dem Bodensee weiterhin ein fester Bestandteil des Betriebs bleibt.

Seit über 25 Jahren setzt der Betrieb bei der Ernte einen Pluk-O-Trak ein, was die Arbeitsabläufe spürbar erleichtert und effizienter gestaltet. Auch in der Infrastruktur wurden Anpassungen vorgenommen: Statt Betonpfählen kommen heute Metallpfähle zum Einsatz, die einfacher zu handhaben sind. Frost tritt nur vereinzelt auf, insbesondere in der Nähe von Waldflächen.

Einblick in das Anbaumanagement

Ein wichtiger Bestandteil des Anbaus ist die Düngung mit flächig ausgebrachtem Kompost. Beim Ausdünnen kommt ein Fadengerät zum Einsatz. «Man muss früh beginnen, idealerweise im Ballonstadium, also der Phase, in der die Blütenknospen prall gefüllt sind und noch geschlossen bleiben.» Zudem werde Armicarb® eingesetzt, so Leuch.

Die Bodenpflege erfolgt durch Hacken und Mähen, wobei bewusst auch höhere Grasstreifen stehen gelassen werden, um Insekten Lebensraum zu bieten und die Imkerei zu unterstützen.

Schorf, Wickler, Läuse: So schützen Bio-Obstbauern ihre Ernte frühzeitig
Fabian Baumgartner, Obstbauberater am FiBL, stellte unter anderem eine Studie zu Heisswasserbehandlungen bei Birnen vor.

Konsequentes Monitoring von Schädlingen ist wichtig

Ergänzt wurden die praktischen Einblicke durch fachliche Inputs von Fabian Baumgartner, Obstbauberater am Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Er wies darauf hin, dass mit den bevorstehenden Niederschlägen grössere Mengen an Ascosporen (sexuelle Sporen des Schorfpilzes) ausgeschleudert werden können und präventive Massnahmen in der aktuellen Situation entsprechend wichtig sind.

Nach stärkeren und langanhaltenden Niederschlägen kann der präventive Belag abgewaschen werden, woraufhin eine Stopp-Behandlung in der Keimungsphase des Pilzes zum Einsatz kommen kann. Auch das rechtzeitige Aufhängen der Verwirrung gegen Wickler sowie ein konsequentes Monitoring bei Schädlingen wie Schalenwickler, Frostspanner und Apfelblattläusen sind entscheidend, um die bevorstehenden Pflanzenschutzmassnahmen zu planen. Dabei wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden verschiedene Strategien zur Blattlausregulierung diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.

Schorf, Wickler, Läuse: So schützen Bio-Obstbauern ihre Ernte frühzeitig
Reto Leuch stellte seinen auf rund 8.5 Hektaren betriebenen, auf Äpfel spezialisierten Obstbaubetrieb vor.

Heisswasser gegen Lagerfäule

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf aktuellen Versuchen in der Region Thurgau. In Zusammenarbeit mit Partnern wie Biofarm und Landi Leimbach werden unter anderem Heisswasserbehandlungen bei der Birnensorte Kaiser Alexander getestet. Diese werden gegen Lagerfäulnis eingesetzt, können jedoch das Risiko von Fruchthautverbräunungen mit sich bringen.

Die zweijährigen Versuche haben gezeigt, dass das Heisswasserverfahren eine gute Wirkung gegen diese Lagerfäulen erzielt und die hitzebedingten Schäden auf der Fruchthaut nur minimal auftreten. Auch zum Birnenschorf laufen entsprechende Untersuchungen.

Rückblickend wurde das Jahr 2024 als anspruchsvoll beschrieben. Ergebnisse aus Schnittversuchen des Jahres 2025 deuten darauf hin, dass ein intensiverer Schnitt das Auftreten von Konidien (asexuelle Sporen des Schorfpilzes) reduzieren kann. Zudem sollten Pflanzenschutzbehandlungen bei Vorjahresbefall früh erfolgen, da die Konidien bei regnerischem Wetter bereits vor dem Aufbruch der Knospen ausgewaschen werden können.

Lagermengen von Bio-Äpfeln nimmt zu

Abschliessend stellte Sabine Haller von Bio Suisse die Marktentwicklung bei Bio-Kernobst vor. Die Bio-Apfelanlagen sowie die damit verbundenen Lagermengen für den Handel haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig war die Nachfrage im Detailhandel nach Bio-Kernobst im Jahr 2024 erstmals rückläufig.

Um den Absatz von Bio-Tafeläpfeln auch künftig positiv zu gestalten, wurden gemeinsam mit Produzent(innen) sowie dem Gross- und Detailhandel verschiedene Massnahmen für die Vermarktung erarbeitet. Diese treten ab der Bio-Tafeläpfel-Ernte 2026 in Kraft und betreffen die Sorten und Preisklassen, den Umgang mit Umstellware sowie die Überarbeitung der Sortiervorschriften.

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