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Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost: Ein neuer Präsident und viele offene Fragen

Die Delegierten der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost wählten Reto Schaufelberger zum neuen Präsidenten. Antworten auf den abrupten Abgang des früheren Präsidenten Hanspeter Egli gab es nicht – dafür waren mit Bundesrat Albert Rösti und SMP-Präsident Boris Beuret prominente Gäste vor Ort.

Es war nicht nur der tiefe Milchpreis oder die Turbulenzen am Milchmarkt, was die Delegierten an der 20. Delegiertenversammlung der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) in Mörschwil (SG) bewegte, sondern auch der abrupte Abgang von Präsident Hanspeter Egli, den die VMMO-Geschäftsstelle knapp anderthalb Monate vor der DV in einer kurzen Mitteilung kommunizierte.

Vizepräsident Urs Werder leitete die Delegiertenversammlung und stellte gleich zu Beginn klar, dass Fragen bezüglich Eglis Abgang nicht beantwortet würden. So einfach liessen sich Delegierte wie Sandy Bossert nicht abspeisen (siehe Box) und forderten unter dem Schlusstraktandum 13 «Verschiedenes» Transparenz und Aufklärung. Werder blieb dabei und verweigerte die Auskunft.

Nachfolge einstimmig gewählt

Auf die DV hin demissionierten zudem Adrian Annen, Anton à Porta, Hanspeter Brändle, Martin Müller, Alfred Preisig und Armin Zimmermann. Einstimmig wählte die Versammlung ihre Nachfolger:

  • Roland Eggenberger aus Grabs (SG)
  • Cyril Graf aus Davos (GR)
  • Gabi Mettler-Kühne aus Benken (SG)
  • Thomas Roffler aus Grüsch (GR)
  • Vroni Seliner aus Schänis (SG)
  • Heiri Tschumper aus Wattwil (SG)

Ohne Gegenstimme ging auch die Wahl von Reto Schaufelberger aus Fischenthal (ZH) vonstatten. Der 42-Jährige produziert Käsereimilch für die Käserei Preisig in Sternenberg (ZH). Zudem ist er Vizepräsident der Landi Bachtel und Fenaco-Verwaltungsratsmitglied. In seiner Antrittsrede erklärte er, wie er den VMMO führen will – nämlich fachlich stark, nahe an der Basis und politisch wirksam.

Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost: Ein neuer Präsident und viele offene Fragen
Die sechs neugewählten Vorstandsmitglieder Vroni Seliner, Roland Eggenberger, Gabi Mettler-Kühne und Cyril Graf (1. Reihe, v.l.) sowie Heiri Tschumper und Thomas Roffler (hintere Reihe, v.l.).

Verbandsjubiläum mit Bundesrat Rösti gefeiert

Gratulationen zum 20-jährigen Verbandsjubiläum gab es von Martina Wäger, Bundesrat Albert Rösti und Boris Beuret. Die Mörschwiler Gemeindepräsidentin und Bauerntochter Wäger drückte dabei ihre Wertschätzung gegenüber den Milchproduzenten und der Landwirtschaft aus und sagte: «Es ist unschätzbar wertvoll, dass wir Landwirtschaft im Dorf haben. Die Bauernfamilien produzieren für uns Lebensmittel, pflegen unsere Kulturlandschaft und beteiligen sich aktiv am Dorfleben.»

Zwischen Schützen und Nutzen

Die Nah- beziehungsweise Selbstversorgung ist auch Bundesrat Albert Rösti ein Anliegen. Er erinnerte an die Corona-Pandemie und sagte: «Wer gibt uns die Garantie, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt, wenn Lieferketten aufgrund der geopolitischen Turbulenzen nicht mehr funktionieren?»

VMMO muss Transparenz und Vertrauen schaffen

[IMG 3] Hanspeter Egli hat 20 Jahre lang einen super Job gemacht, überzeugte mit Kompetenz und hatte immer ein offenes Ohr. Es ist ein Armutszeugnis und zeugt von einer gewissen Arroganz, dass niemand vom Vorstand das Wort ergriff, um das Wirken von Hanspeter Egli, der selbst nicht anwesend war, zu würdigen. Es ist auch ein Affront, gleich zu Beginn der Versammlung zu erklären, dass Fragen zu Eglis abruptem Abgang nicht beantwortet werden. Da auch der Geschäftsführer Hans Berner abwesend war, und gekündigt hat, wäre es nötig gewesen, über die Probleme an der VMMO-Spitze transparent zu informieren. Nur das schafft Vertrauen. Es liegt nun am neu gewählten Präsidenten Reto Schaufelberger, Kontinuität, Ordnung und Transparenz zu schaffen. Etwas anderes können wir uns in der Branche nicht leisten – und ist uns aktuell gebeutelten Milchproduzenten auch nicht zumutbar.

In seinem Referat ging er auf die Schnittstellen seines Umweltdepartements mit der Landwirtschaft ein. Das betraf den Wolf, die Raumplanung, neue Züchtungstechnologien, die Klimapolitik und die Energieversorgung. «In meiner Position muss ich immer wieder zwischen Schutz und Nutzen abwägen», sagte er und weiter: «Wir mussten in den vergangenen Jahren viele Initiativen bekämpfen. Das gelang, und zwar vor allem dank euch Produzenten.»

Auch die Ernährungsinitiative werde scheitern, aber man dürfe eine Abstimmung nie unterschätzen. Als ehemaliger Geschäftsführer der Schweizer Milchproduzenten (SMP) könne er nachvollziehen, in welch schwieriger Lage sich die Milchbauern befinden.

Arbeitsgruppe soll Milchmarkt stabilisieren

Auf die Weiterentwicklung des Milchmarkts ging SMP-Präsident Boris Beuret ein. Die SMP engagiere sich in der Arbeitsgruppe der Branchenorganisation Milch (BO Milch). Bis Herbst sollen konkrete Lösungen zur Marktentlastung vorliegen, um die sinkenden Milchpreise zu stabilisieren und in Zukunft gegen solche Krisen gewappnet zu sein. Er setzt sich dafür ein, dass die Milchproduktion landesweit erhalten bleibt und das inländische Absatzpotenzial voll ausgenutzt wird.ƒ

Rund 3700 Mitglieder aus neun Kantonen

Dank der Liegenschaftserträge weist das VMMO-Finanzergebnis 2025 einen Gewinn von rund einer Viertelmillion Franken aus. «Dieser wird dem Genossenschaftsvermögen zugewiesen», erklärte Niklaus Fässler, Finanzverantwortlicher und Geschäftsführer ad interim. Für das Jahr 2025 wurden den Mitgliedern rund 700 000 Franken als Kostenbeteiligung an den SMP-Produzentenbeiträgen zurückerstattet. Mit einem finanziellen Zuschuss von rund 99 000 Franken unterstützte der VMMO zudem 120 Mitglieder, die 2025 einen Betriebs- und Familienhelferdienst beanspruchten. Per Ende 2025 lag der Mitgliederbestand der VMMO bei 3753 Betrieben aus neun Kantonen. Den grössten Mitgliederbestand weist der Kanton St. Gallen aus, gefolgt vom Kanton Zürich.

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