Wenn es um mögliche Alternativen für die Nutzung von Weinbergen geht, fallen Oliven immer mehr als Ersatzkultur ins Gewicht. Bereits vor einigen Jahren wurde diese mediterrane Kulturpflanze, welche schon seit Längerem im Tessin Fuss gefasst hat, in der Westschweiz als Alternative zum Weinbau lanciert. Offiziell sind rund 10 000 Bäume im Tessin und weitere 5000 in der Westschweiz erfasst. Doch die Olive war schon einmal mitten in den Alpen heimisch. Gemäss Angaben vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wurden bereits bis ins 15. Jahrhundert im Wallis Oliven kultiviert. Dabei wird auch auf einen Olivenbaum in Branson oberhalb von Fully auf 700 m ü. M. hingewiesen. 

Der Olivenbaum gilt als frosthart, ist ein Selbstbefruchter und bringt einen Ertrag von bis zu 200 Kilogramm Oliven pro Jahr. Solche Bäume, welche seit Jahrzehnten überlebt haben, sind für die weitere Zukunft und Entwicklungsmöglichkeiten matchentscheidend. «Wenn wir deren genetische Herkunft kennen, wissen wir besser, welche Sorten wo am besten gedeihen, und können so den Erfolg maximieren», schreibt das FiBL. Entsprechend sieht es in der Olive ein grosses agronomisches Potenzial, indem die Schweiz zu einem neuen Akteur werden könnte.

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Seit 6000 Jahren als Ölfrucht genutzt

Diese Ölbaumfrucht gilt als eine der ältesten von den Menschen kultivierten Kulturpflanzen und steht auch als Symbol des Friedens und als Zeichen des Sieges. Die Olive ist eine immergrüne Pflanze und ihre Bäume können bis zu 2000 Jahre alt werden. Sie mag Wasserbedarf analog zu den Reben bei einer mässigen, kurzzeitigen Trockenphase, aber keine Staunässe, bevorzugt Standorte an sonnigen Lagen und trägt immergrüne Blätter. Sie blüht von Anfang April bis in den Juni. Die sich dabei bildende Frucht ist eine einsamige Steinfrucht, welche 1 bis 2 Zentimeter dick und bis zu 4 Zentimeter lang werden kann. Um den harten Steinkern, welcher die Samen enthält, bildet sich wie bei anderen Steinfrüchten das Fruchtfleisch. Für die Ölherstellung werden die grünen Oliven gewaschen und zusammen mit dem Stein vor dem Pressen zerkleinert. Für die konventionelle Gewinnung von einem Liter Olivenöl benötigt man 6 bis 7 Kilogramm Oliven.

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Diese rund um den Mittelmeerraum heimische Kulturpflanze hat als Folge des Klimawandels durchaus das botanische Zeug, an den sonnenreichen Südhängen der heutigen Reblagen des Zürcher Weinlandes zu gedeihen. Doch es gibt durchaus noch witterungs- und vegetativ- zu erfüllende Voraussetzungen, damit Oliven sich nördlich der Alpen im Freilandanbau behaupten können. Heute gibt es bereits neu gezüchtete Sorten, die im Winter eine grosse Frosttoleranz mit beachtlich tiefen Temperaturen unter null aufweisen.

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Olivenhain in Dachsen ZH wird Antworten liefern

Dies dachte sich auch ein Weinbauer aus Uhwiesen ZH, welcher in Dachsen nach dem Roden einer Rebparzelle nun einen kleinen Olivenhain mit rund 100 Bäumen angelegt hat. Dabei sind dreijährige Jungbäume mit einem Standraum von zwei auf drei Meter gepflanzt worden. Wenn alles planmässig läuft, werden diese in drei oder nach sechs Jahren Lebenszeit erstmals Früchte tragen. Diese Anlage hat dabei durchaus Versuchskaninchencharakter. Denn es gibt durchaus auch mit Blick auf die vegetative Entwicklung sowie meteorologische Voraussetzungen und Anforderungen einige offene Fragen, welche erst mit einem Freilandversuch dieser Art beantwortet werden können. Grundsätzlich sind im Olivenhain bereits sehr frostrobuste Jungbäume gepflanzt worden. Doch so ganz unbekannt sind Oliven auch im Weinland nicht. Sie lassen sich auch in speziellen Pflanztöpfen als «Zierpflanzen» kultivieren. Im Sommer stehen sie dann an gut besonnten Lagen in Gärten und auf Terrassen und werden an geschützten Orten überwintert.