Nach einem milden Dezember rutschten die Temperaturen in den vergangenen Tagen deutlich unter den Gefrierpunkt. Anders als im Melkstand ist der Melkroboter – und damit auch Wasser etwa zur Zitzenreinigung oder Spülgängen– rund um die Uhr im Einsatz. Das erhöht das Risiko, dass der Melkroboter einfriert. Andreas Niederhäuser Leiter des Kompetenzzentrum Melkforum in Zollikofen erklärt, mit welchen Massnahmen Landwirtinnen und Landwirte Frost vorbeugen können. 

Erhöhtes Risiko ab Temperaturen von null Grad

Das Risiko, dass ein Melkroboter im Winter einfriert, steigt laut Andreas Niederhäuser grundsätzlich ab Temperaturen um den Gefrierpunkt. Einen grossen Einfluss habe dabei auch der Wind. «Wenn neben tiefen Temperaturen zusätzlich die Bise bläst, verstärkt sich das Gefrierrisiko», erklärt er.

Heuer habe man bislang mehrheitlich Glück gehabt: «Die Temperaturen lagen zwar unter null Grad, starke Luftbewegungen blieben grösstenteils aus und die Kälteperiode dauerte nur wenige Tage an.»

Extremwetterperioden beim Einbau des Melkroboters mitberücksichtigen

Nach dem Motto «Vorsorgen ist besser als Nachsorgen» empfiehlt der Leiter des Melkforums bereits beim Einbau des Roboters Extremwettersituationen wie Kälte- aber auch Hitzeperioden mit zu berücksichtigen. «Sie kommen zwar nicht häufig vor, aber wenn, dann können sie ohne vorgängige Vorkehrungen schnell zum Problem werden», erklärt der Fachmann. 

Besonders bewährt gegen Frost hat sich laut Niederhäuser das leichte Einhüllen des Melkroboters. «Dazu können am Ein- und Ausgang des Roboters Streifenvorhänge angebracht werden», erklärt er. Diese helfen, die vorhandene Wärme im Roboterbereich zu halten. «Auch mit Heizung verflüchtigt sich ohne Vorhänge die Wärme.»

«Lieber ein leicht gestörter als komplett gestörter Melkablauf»

Auf den meisten Betrieben sind die Tiere auch bereits mit den Streifenvorhängen vertraut, etwa vom Übergang zwischen Stall und Auslauf. Trotzdem berichten laut Andreas Niederhäuser einige Landwirte, dass der Melkablauf durch die Vorhänge leicht gestört werde. Insbesondere rangniedrige Tiere würden teils zögern, zum Melken zu gehen. Durch die Vorhänge könnten sie nicht mehr sehen, ob der Roboter frei ist oder gerade eine rangstarke Kuh darin steht.

«Mit Vorhängen ist der Melkablauf vielleicht leicht gestört, friert der Roboter ein, ist er aber definitiv vollständig gestört», argumentiert Niederhäuser. Auch hier betont der Fachmann, wie wichtig es ist, sich bereits beim Einbau des Roboters Gedanken darüber zu machen, wie Frostschutzmassnahmen im Stall umgesetzt werden können.

Bodenheizung alleine reicht meist nicht aus

Zum Heizen eignen sich laut Niederhäuser Infrarotstrahler mit automatischer Temperaturregelung. «Neben dem Vorteil der automatischen Temperaturregelung sind sie zudem sehr preiswert», erklärt er. Bei sehr tiefen Temperaturen können an besonders gefährdeten Stellen zusätzliche Heizstrahler eingesetzt werden.

Einige Betriebe setzen zudem auf Systeme mit Bodenheizung, wodurch der gesamte Raum temperiert wird. Der Nachteil sei jedoch, dass sich Schmutz auf dem warmen Boden stärker festsetze. Zudem müsse das System häufig trotzdem mit einem Heizlüfter ergänzt werden.

Sicher in und aus dem Roboter laufen

Ebenso wichtig wie ein frostfreier Roboter sind rutschfeste Zu- und Abgänge zum Melkroboter. «Die Rutschfestigkeit muss jederzeit gewährleistet sein, denn Kühe meiden glatte Flächen und gehen dann entsprechend auch seltener zum Roboter», so Andreas Niederhäuser.

Wie im Melkstand viele Landwirte die Melkaggregate vor dem Melken in heisses Wasser legen, kann es auch im Melkroboter hilfreich sein, bei der morgendlichen Kontrolle die Zitzengummis und den Roboterarm mit Warmwasser abzuspritzen. «In der Nacht gehen die Kühe naturbedingt weniger zum Melken, entsprechend kühlt dieser stärker aus. Die Kühe nehmen die Massnahme dankend an», so Niederhäuser.

Ein frostfreier Melkroboter bringt nichts, wenn der Milchtank eingefroren ist

Neben dem Melkroboter darf auch der Milchtank nicht vergessen werden. Dieser befindet sich meist in der Nähe einer Türe. Ist diese schlecht isoliert, können Steuerung und Reinigung durch Frost lahmgelegt werden. «Während der Milchabholung wird der Melkroboter abgestellt und erst nach der Reinigung wieder gestartet. Ist die Steuerung oder die Reinigung eingefroren, bleibt auch der Melkroboter ausser Betrieb und das ganze System steht still», so Niederhäuser.

Was, wenn der Roboter doch einfriert?

Kommt es trotz Vorsichtsmassnahmen zum Einfrieren, gilt es, den Roboter mit Heizstrahlern oder einem Heissluftföhn aufzutauen. «Hilfreich ist sicherlich auch ein Telefonat mit dem Servicetechniker, der über heikle Ventile Auskunft geben kann», sagt Niederhäuser.

Um ein erneutes Einfrieren zu verhindern, können ausserdem einzelne Ventile örtlich isoliert werden. «Der erste Winter ist immer hart», so Niederhäuser. «Mit der Zeit aber kennt man den Roboter und die heiklen Punkte im Stall und weiss, wie vorgebeugt werden kann.»