Tobias Kritzer, Pächter des Landwirtschaftsbetriebes bei der Stiftung Haus und Hof Hermolingen in Rothenburg, melkt seine Kühe im Roboter mit eigenem Solarstrom. Erst kürzlich konnte er im Baurecht einen neuen Milchviehstall für rund 60 Kühe erstellen, angebaut an die bestehende Scheune, wo weiter das Futter und Jungvieh untergebracht sind.
Zusätzlich noch selber in eine Solaranlage auf dem Dach zu investieren, wollte er auch aus finanziellen Gründen nicht. So prüfte er in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hermolingen die Möglichkeit für ein Contracting. Dafür ist das Interesse von Firmen gross. Schliesslich entschied man sich für «Swiss Clever Energy» (SCE), eine Tochter der Bernischen Kraftwerke.
Strom für Heim und Hof
Diese finanzierte und erstellte eine rund 90 kWp grosse PV-Anlage mit einer Jahresproduktion von rund 100 000 kWh auf dem Dach der neuen Liegehalle. Zwischen SCE als Stromanbieterin und Pächter Tobias Kritzer sowie der Stiftung wurde ein Stromliefervertrag im Rahmen eines Zusammenschluss zum Eigenverbrauch abgeschlossen. Für die Dauer von 25 Jahren wurde ein fixer Strompreis vereinbart. Der nicht selber in Haus und Hof benötigte Strom wird durch SCE übernommen. «Ich profitiere so von günstigerem Solarstrom, musste die Anlage aber nicht selber finanzieren und bauen und muss mich auch nicht um den Unterhalt oder die Stromvermarktung kümmern», begründet Bauer Kritzer.
Solarstrom für Heu

Selber investiert in eine PV-Anlage hat Roland Zemp, Grimsle, in Schüpfheim im Entlebuch. Die 20-kWp-Anlage auf dem Scheunendach wurde im vergangenen Herbst vom Zentralschweizer Energiedienstleister CKW montiert. Eine grössere Anlage scheiterte an der limitierten Stromzuleitung zum Hof. «Mein Ziel war mehr Eigenversorgung mit Strom», meint der Landwirt zu seiner Motivation. Deshalb wird mit dem Solarstrom auch der grosse Warmwasserspeicher beschickt, die Wärme liefert ansonsten eine Schnitzelheizung. Und ergänzend trocknet Zemp das Heu neu auch mit einer mit dem Überschuss-Strom betriebenen Elektroheizung.
Anfänglich noch skeptisch
Selber investiert hat auch Martin Köpfli aus Sins. Er war zwar früher etwas skeptisch, die hohen Investitionen schreckten ihn ab. Er liess sich aber von Kollegen motivieren, mit einer Energieberatung die individuelle betriebliche Situation genauer anzuschauen. Zweifel wichen der Begeisterung und das Angebot von MBR Solar habe ihn überzeugt. Auf dem Betrieb verbrauchte er immer mehr Strom, etwa wegen Melkroboter, Milchkühlung, Gülletechnik, Wärmepumpe und vielem mehr. Bei steigenden Stromkosten – zumal der Leistungszähler diese noch in die Höhe trieb – sei es sinnvoll, auf die Eigenproduktion zu setzen, erklärt Köpfli.
«Die Börsenpreise werden nicht stark sinken.»
CKW geht davon aus, dass die Strompreise nicht mehr so niedrig wie vor Jahren werden.
Im vergangenen Oktober wurde eine 128-kWp-Anlage auf das Blechdach der Liegehalle in Ost- und West-Ausrichtung montiert. Jährlich kann er mit über 130 000 kWh rechnen, seit Januar bis Ende Juni waren es schon 67 000 kWh, wie er auf seiner App vom Natel abliest. Das ist deutlich mehr Strom, als er auf dem vielseitigen Milchwirtschaftsbetrieb jährlich verbraucht. Im Jahresschnitt könne er mit einem Eigenverbrauchsanteil von mindestens zwei Dritteln rechnen. Was er ins Netz einspeist, werde von der lokalen Energieversorgungsgenossenschaft Elektra Sins mit guten 12 Rappen vergütet. Mittelfristig prüft Köpfli auch einen Batteriespeicher, je nach Entwicklung der Stromkosten. Die Anlage kostete ihn rund 1000 Franken pro kWp, auch dank viel Eigenleistungen. Zwar musste er bis zur Trafostation noch ein neues Kabel einziehen lassen, das ermögliche aber eine Erweiterung der PV-Produktion auf weiteren Dächern des Betriebes.
Jetzt einsteigen
Wer sich mit dem Thema Energie auseinandersetze, nehme den eigenen Stromverbrauch viel bewusster wahr, die App trage zur Sensibilisierung bei. Bauern gibt Martin Köpfli den Rat, nicht nur Dachflächen für den Eigenverbrauch mit PV-Modulen zu verlegen, sondern auf maximale Produktion zu gehen, zumal die Stromkosten wohl weiter steigen und so auch die Rücklieferung immer interessanter wird. Es sei sinnvoll, jetzt einzusteigen und vielleicht eine Dachsanierung vorzuziehen. Aber grundsätzlich lohne sich vorher eine Energieberatung durch einen externen Fachmann. «Denn selber ist man manchmal etwas betriebsblind.»

Interesse der Bauern wächst
Das seit einiger Zeit wieder zunehmende Interesse der Bauern für Solaranlagen bestätigt auf Anfrage CKW, aber auch Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau (BVA), der auch die Dienstleistung Energieberatung betreut. Eng arbeitet der BVA im Bereich Solar mit den Partnern Alectron und MBR Solar zusammen. Zwar gebe es derzeit einige Unsicherheiten wegen der Liefersituation für PV-Komponenten oder der Weiterentwicklung der Rückliefervergütung, sagt Bucher.
Die ist seit Anfang Jahr beispielsweise beim Energieversorger CKW sprunghaft angestiegen, auf über 26 Rappen pro KWh. Vorher lag sie unter zehn Rappen, wie bei vielen Versorgern noch heute. Auch Ralf Bucher erhält derzeit für seinen ans lokale Stromunternehmen gelieferten Überschuss-Solarstrom weniger als 8 Rappen, bedauert er. «Allerdings liegen meine Gestehungskosten auch unter 10 Rappen.»
Rücklieferung lohnend
Grund für die bessere Rückvergütung bei CKW ist der Wechsel auf den Referenzmarktpreis, während andere Unternehmen noch immer relativ fixe und tiefe Preise für den eingespeisten Strom vergüten. Der quartalsweise festgelegte Referenzmarktpreis richtet sich nach den Preisen an der Strombörse. Dieser lag im ersten Quartal bei über 26 Rappen, zwei Jahre zuvor waren es zwischen 2 und 4 Rappen pro kWh. Wo der Preis im zweiten Quartal liegt, werde vom Bundesamt für Energie erst Mitte Juli kommuniziert, heisst es bei CKW. Aufgrund der aktuellen europäischen Strompreisentwicklung sei allerdings nicht davon auszugehen, dass kurz- oder mittelfristig die Börsenpreise wieder das tiefe Niveau von vor Jahren erreichen würden. «Die Produktion von Solarstrom lohnt sich derzeit mehr denn je», betont CKW-Mediensprecher Marcel Schmid.
«Eine vorherige Energieberatung ist sinnvoll.»
Martin Köpfli rät, die betriebliche Situation vor einer Investition zu klären.
Solarstrom immer günstiger
In der Tat könne heute auf Bauernhöfen Solarstrom sehr günstig produziert werden, betont Ralf Bucher vom BVA. Für kleinere Anlagen um 30 kWp liegen die Gestehungskosten je nach individueller Situation bei Aufdach-Systemen bei 6 bis 8 Rappen, bei grösseren Anlagen mit über 100 kWp sinken die Kosten gemäss Bucher deutlich unter 5 Rappen pro KWh.
«Es ist so oder so rentabel, ob der Strom nun selber verbraucht oder verkauft wird.» Bucher empfiehlt deshalb, Anlagengrössen aufgrund der markant geänderten Rahmenbedingungen nicht mehr wie früher teils empfohlen nur auf den Eigenverbrauch auszurichten, sondern Dachflächen maximal zu belegen. Das unterstreicht auch CKW. «Grundsätzlich gilt, dass sich eine Solaranlage lohnt. Wir raten die Möglichkeiten einer Dachfläche möglichst auszunutzen.» Als hemmend werde häufig die fehlende genügend dimensionierte Stromzuleitung erachtet. Vor allem bei grösseren Anlagen müsse diese allenfalls teuer ausgebaut werden bei abgelegenen Höfen. Es sei deshalb je nach Objekt gut abzuklären, wer die Erschliessung zu finanzieren habe. «Bei den heutigen Strompreisen lohnt es sich bei grösseren Anlagen aber auch, in die Zuleitung zu investieren», meint Bucher.
Verzögerte Materiallieferungen
Die aktuellen Lieferschwierigkeiten wegen der Weltwirtschaftslage betreffen auch Komponenten von Photovoltaikanlagen. So kann es zu einigen Verzögerungen kommen, zumal die Nachfrage ungebremst ist. «Der Markt von europäischen PV-Modulen und Marken-Wechselrichtern ist derzeit ausgetrocknet, Lieferzeiten von 30 Wochen und mehr sind die Regel», schrieb die in der ganzen Schweiz tätige MBR Solar Ende Mai auf ihrer Website. Von vielen Lieferanten gebe es heute weder verbindliche Preise noch verbindliche Liefertermine. MBR rechnet damit, dass bis Ende 2022 mit grösseren Lieferverzögerungen auf fast allen Komponenten zu rechnen sei. Beim Energiedienstleister CKW ist hingegen weniger das Material der limitierende Faktor. «Wir haben in der Regel genügend Panels und Materialien an Lager», sagt Mediensprecher Marcel Schmid. Vielmehr beschäftige die ganze Solarbranche der akute Mangel an Fachkräften. «Allein bei CKW sind im Solarbereich aktuell 40 Stellen offen.»

