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Markus Fischer ist ein überlegter junger Mann, der seine Emotionen im Griff hat. Als wir ihn am Mittwoch Nachmittag mit der Nachricht überraschen, dass er unser «Lehrling des Jahres» ist, freut er sich sichtlich. Aber er ist nicht einer, der unkontrollierte Luftsprünge macht, als wir ihm seine Trophäe überreichen, einen Scheck über 1500 Franken. Er habe sich schon ein wenig gedacht und gehofft, dass wir nicht allen zehn Finalist(innen) einen Besuch abstatten würden, sagt er mit einem verschmitzten Lachen.

Viele gute Bewerbungen

In der Tat ist der 21-jährige Luzerner der erste Gewinner unserer Auszeichnung. Der angehende Geflügelfachmann im zweiten Lehrjahr hat sich gegen über 80 Mitbewerber und Mitbewerberinnen durchgesetzt. Zunächst hatte die Jury 10 Finalisten und Finalistinnen ausgewählt. Diese machten es dem sechsköpfigen Gremium nicht einfach. Die jungen Berufsleute hatten sich mit viel Kreativität und Humor, mit schönen Bastelarbeiten und unterhaltsamen Videos beworben und es fiel uns ausserordentlich schwer, eine erste Auswahl zu treffen.

Die Leserschaft entschied

Die Auswahl des Lehrlings des Jahres nahm schlussendlich die Leserschaft vor. Als Entscheidungsgrundlage dienten Porträts und Videos über die Finalisten. Abstimmen konnte man auf bauernzeitung.ch und mit einem Talon in der Zeitung. Und der Gewinner ist: Markus Fischer.

Strahlend posiert er mit einigen der 11 600 Hühner, die er auf dem Betrieb seiner Eltern betreut. Hier macht er das zweite von drei Lehrjahren, begleitet vom Unterricht am BBZN Hohenrain. Im Siegerinterview äussert er sich sprachgewandt und ohne Scheu. «Es fällt mir nicht so schwer, vor Leuten zu reden», sagt er. Das liege vielleicht auch ein wenig in der Familie, der Vater habe auch das eine oder andere «Ämtli», so Fischer. Und er könne sich durchaus vorstellen, auch mal ein solches zu übernehmen. Vielleicht sogar mehrere, denn «ein Ämtli bleibt selten allein», sagt er augenzwinkernd.

Auf die Frage, ob er jeder Eierschachtel einen Werbeflyer beigelegt habe, verneint er lachend. Aber ein wenig Werbung gemacht habe er natürlich schon. Dabei nutzte er nicht nur Social Media-Kanäle, sondern auch sein analoges Netzwerk. Fischer ist als Schwinger und Guggenmusiker gut vernetzt in der Region und weit darüber hinaus. Das Preisgeld will er noch ein bisschen aufbewahren, zum Beispiel für eine Weiterbildung. Wo ihn sein Berufsleben genau hinführen wird, das ist noch offen, aber ein paar konkrete Pläne hat er bereits.

Agrotechniker als Ziel

Nach seiner Zweitausbildung zum Geflügelfachmann will der gelernte Baumaschinenmechaniker die Agrotechniker-Ausbildung anhängen. Ob er dann auf dem Familienbetrieb eine Rolle übernehme oder allenfalls andernorts einen Betrieb führen werde, sei aber noch offen. Zu Hause böten sich sicher Optionen. Neben der landwirtschaftlichen Eierproduktion betreibt Familie Fischer gemeinsam mit dem Onkel von Markus einen Verarbeitungsbetrieb im Dorf. «Wir sind der zweitgrösste Anbieter von Flüssigei-Produkten im Land», sagt Markus nicht ohne Stolz. Insgesamt verarbeitet und handelt die Firma Fischer alljährlich rund 80 Mio Eier.

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Ein bisschen feiern

Nach Interview und Fototermin lädt uns der Lehrling des Jahres zum Kaffee ein. Auch die Eltern Thomas und Irene freuen sich sichtlich über den Erfolg ihres Sohnes, dem mittleren von fünf Kindern. Zur Feier des Tages servieren sie den Besuchern ein Gläschen Eierkirsch. Heute Freitag wolle er noch ein bisschen weiterfeiern mit Kolleg(innen). Aber nicht allzu wild, sagt Markus Fischer, denn die Landwirtschaft und seine geliebte Tierhaltung fordern auch am Wochenende den vollen Einsatz.

Spannung in der Luft

Zudem liegt ja noch ziemlich Spannung in der Luft, was die Abstimmungen angeht. Möglicherweise gibt es ja dann am Sonntag noch eine weitere Gelegenheit für ein Gläschen Eierlikör oder ein Bier. Markus Fischer würde sich freuen. Er glaubt an die Schweizer Eierproduktion und die gesamte Schweizer Landwirtschaft, denn «gegessen wird immer werden, und jemand muss zu Land und Tieren schauen», sagt er.

Fest steht auch schon, wo er die Plakette für den Lehrling des Jahres aufhängen will: direkt neben dem Eingang zum Hühnerstall. «Aber zuerst muss ich noch den Chef fragen», sagt er lachend. Der stolze Vater dürfte kaum viel dagegen haben.

Nachwuchs im Zentrum

2021 hat die BauernZeitung erstmals einen Lehrling des Jahres gekürt. Die Auszeichnung stellt den Berufsnachwuchs ins Zentrum. Unterstützt wird die Auszeichnung von den Hauptsponsoren Migros und Agrisano. Unser Patronatspartner ist Agriprof, die Bildungsabteilung des Schweizer Bauernverbands. Weitere Sponsoren sind Nebiker Treuhand und UFA. Die Auszeichnung wird 2022 erneut vergeben.

Alle Artikel und Porträts zu «Lehrling des Jahres» finden Sie im in unserem Dossier.

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