Eine typische Bäuerin sei sie nicht, sagt Marina Schmucki gleich zu Beginn des Gesprächs. «Ich sehe mich eher als die Frau des Bauern. Gegenseitige Unterstützung bei allen anstehenden Projekten ist uns wichtig.» Beiläufig erzählt sie später, dass am nächsten Tag ein Dessertbuffet für 30 Personen anstehe.

Eine Beerenmousse, Linzerschnitten und Nussschnitten hat sie bereits vorbereitet, am Nachmittag folgt die Vanillecrème. Am Folgetag füllt sie die Crèmerollen, steckt Fruchtspiesschen und dekoriert all die kleinen Köstlichkeiten. Ihre Desserts serviert sie in mundgerechten Portionen – Präzision, Fingerspitzengefühl und viel Liebe zum Detail sind gefragt. «Die Produkte sollen nicht nur für den Gaumen, sondern auch für das Auge eine Freude sein.» Man spürt: Hier wird mit Leidenschaft gearbeitet. Der 40-Jährigen ist das wichtig. «Die Qualität meiner Produkte ist meine beste Werbung.»

Beruflich auf Wanderjahren, bis die Liebe sie zurückholte

Aufgewachsen ist Marina Schmucki auf einem Bergbauernhof in Mühlrüti SG. Früh lernte sie, mit anzupacken – vieles entstand in Handarbeit. Sie wollte kreativ oder mit Tieren arbeiten. Schliesslich verliess sie für die Ausbildung zur Konditorin-Confiseurin das Elternhaus und zog nach St. Gallen.

Die Anfangszeit sei nicht einfach gewesen, Heimweh habe sie begleitet. Davon liess sie sich aber nicht abhalten: Ihre beruflichen Wanderjahre führten sie in Hotels und Confiserien im Tessin, Zermatt, Pontresina und St. Moritz. Schliesslich verschlug sie die Liebe zurück in die Ostschweiz, in den Hinterthurgau. Vor zehn Jahren heirateten Marina und Andreas Schmucki.

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«Als Bauernhofkind wusste ich, worauf ich mich einlasse.» Fast zeitgleich mit ihrer Beziehung übernahm Andreas Schmucki den Tannhof seiner Eltern in Eschlikon TG. Damit sie ihrer Passion auch auf dem Hof nachgehen konnte, bauten sie den Keller zu einem geräumigen Verarbeitungsraum mit professionellen Geräten um. Die uralte Knetmaschine sowie diverse Kleingeräte konnten sie von einer Geschäftsauflösung übernehmen – so auch den Schokoladenturm. Den modernen Backofen schafften sie hingegen selbst an.

Dank der Mithilfe von Eltern und Schwiegereltern, die die Kinder betreuen, kann sie die verschiedenen Aufträge neben dem Hofalltag stemmen. Die Kinder sind heute neun und sieben Jahre alt: Der Sohn packt draussen auf dem Hof mit an, die Tochter hilft gerne in der Produktion mit.

Zwischen Haus und Hof unterwegs

Bis vor nicht allzu langer Zeit arbeiteten Schmuckis in einer langjährigen Betriebsgemeinschaft. Mit der anstehenden Pensionierung des Partners wurde diese Ende des letzten Jahres aufgelöst. Heute bewirtschaften Marina und Andreas Schmucki 55 Hektaren landwirtschaftliche Fläche und halten rund 100 Milchkühe, deren Milch in der Käserei Wängi TG weiterverarbeitet wird. Zum Betrieb gehört eine Grüngutsammelstelle, wo hochwertiger Kompost entsteht. Im Team arbeiten zwei Lernende, ein Angestellter sowie der ehemalige Betriebspartner und der Schwiegervater im Teilzeitpensum.

Täglich sitzen sechs bis acht Personen am Mittagstisch. Marina Schmuckis persönlicher Anspruch: Sie will abwechslungsreich, regional und ausgewogen kochen. Auf dem Betrieb arbeitet sie während Arbeitsspitzen und als Ablösung an den Wochenenden. Dann teilt sich Schmucki den Stalldienst gerne mit ihrem Mann und den Kindern. «Stalldienst und die Arbeit mit den Tieren sind für mich Erholung.» Entspannen kann sie mit Pferd und Pony: beim Ausreiten oder als Familie beim gemeinsamen «Wägele» mit Picknick.

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Die Bergwelt vermisse sie gelegentlich. Die Familie gönnt sich eine Woche Ferien im Jahr. Während der Schulferien produziert Schmucki nur das Minimum, damit Zeit für anderes bleibt. «Ich bin in erster Linie für meine Kinder und meine Familie da, das war mir von Anfang an wichtig.»

Mund-zu-Mund-Werbung: Qualität spricht sich herum

Ihr Geschäft entwickelte sich über Mund-zu-Mund-Werbung. Heute arbeitet Marina Schmucki zwischen 60 und 80 Prozent in der Verarbeitung und wird von Kolleginnen stundenweise unterstützt. Neben Apéro- und Dessertbuffets für Private, Schulen, Gemeinden und Betriebe gibt es einen kleinen Hofladen für die Direktvermarktung.

Hier bietet Familie Schmucki Produkte vom Hof wie Eier, Baumnüsse, Süssmost, Sirup, Konfitüren und natürlich Produkte wie Pralinen, Konfekt, Vogelnestli, Spitzbuben, Schoggiringli und Bruchschokolade zum Verkauf an. Im Frühling freut sich die Stammkundschaft über hausgemachten Osterhasen oder Spitzhäsli. Einen Teil ihrer Produkte verkauft Schmucki über die Direktvermarkter Tannzapfenland sowie unter dem Label «Huusgmachts us Landfrauehand» des Thurgauer Landfrauenverbandes und in diversen weiteren Verkaufsstellen.

Getreu ihrem Credo «Herzhaft vom Tannhof und mit Liebe zum Detail» sagt Marina Schmucki zum Abschied: «Ohne mein Umfeld, die Unterstützung meines Mannes und meiner Kinder, aber auch ohne die Anerkennung meiner Kundschaft könnte ich mir den Traum vom eigenen Geschäft auf dem Hof nicht erfüllen. Dafür bin ich dankbar.»

5 Fragen an Marina Schmucki
 
Was rührt Sie zu Tränen?
Wenn Segen in meinem Umfeld spürbar und sichtbar wird.

Ihr Rezept für Entspannung?
Zeit mit dem Pferd – es hat keinerlei Erwartungen an mich.

Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?
Vertrauen und Tiefgründigkeit, darauf gründen Beziehungen für mich.

Welche lebende oder tote Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Jesus, ich hätte einige Fragen an ihn.

Was ist Ihr Lieblingslied und warum?
Momentan ist es «Kompliment» von den Rusch Büeblä. Es drückt die Persönlichkeit von meinem Lieblingsmenschen so passend aus.