Es sind bereits zwei Wochen vergangen seit dem Rücktritt von Joel Wicki, Schwingerkönig 2022 in Pratteln BL. Wir erreichen ihn am Telefon. Er sei grad auf einer Maschine und rufe gleich zurück, entschuldigt sich der 28-Jährige. Wicki führt mit seiner Partnerin zusammen einen Mutterkuhbetrieb in Sörenberg LU. «Wir produzieren vorwiegend Veal und Beef», sagt er dann in einer ruhigeren Phase des Tages. Er ist noch immer auf Trab – einfach anders.
«Eigentlich würde ich gerne melken»
Der ehemalige Spitzenschwinger (siehe Kasten) produziert in der Bergzone III. Zum Betrieb gehört eine Alp, gelegen auf gut 1300 m ü. M. Insgesamt ist es eine Fläche von rund 50 ha, die es im Schuss zu halten gilt. Davon macht Wald mit 24 ha einen beträchtlichen Teil aus. 15 ha sind LN, der Rest Weiden im Sömmerungsgebiet.
Auf der Alp hat es Futter für 26 Normalstösse und somit auch für fremdes Vieh. Bei den Muttertieren sind etwa zwei Drittel Grauviehkühe, dazu kommen einige F1 und eine OB-Kuh, die Joel Wicki als Rind nach einem Schwingfest mit nach Hause nehmen durfte.
Der Vorbesitzer des Hofs war Kälbermäster, der Betrieb schon in die Jahre gekommen. «Eigentlich würde ich gerne melken», blickt Wicki auf diese intensive Zeit nach der Betriebsübernahme 2022 zurück. Die Mutterkuhhaltung verhalf aber zu einem einfacheren Neubau und mehr Flexibilität. Das erste Jahr führte er den Betrieb noch in Pacht, da er sich noch in der Nachholbildung zum Landwirt EFZ befand. Baustart für den Mutterkuhstall war nach dem Hofkauf im Sommer 2023.
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«Wir bauern mit Freude mit dem, was wir haben»
35 Prozent sind Biodiversitätsförderflächen, ein grosser Teil davon mit Naturschutzvertrag. «Wir brauchen robuste Tiere hier», sagt Joel Wicki. Und es braucht Kühe, die auch das extensive Futter fressen und verwerten können. Dabei helfen auch die drei Esel, ein Geschenk des Schwingerkönigs an seine Partnerin. «Wir bauern mit Freude mit dem, was wir hier an diesem Standort haben.»
Wicki hat einen Angus als Herden-Stier, im Gegensatz zu vielen Grauvieh-Betrieben, die auf Limousin setzen. Mit Angus habe er guten Erfolg. Bei der Ration müsse er auf die Eiweissversorgung achten, damit die Veal wachsen und die Kühe ausreichend Milch liefern könnten.
Es brauchte die ganze Familie
Früher, als der Entlebucher noch wochenweise in Magglingen BE, hoch über dem Bielersee am nationalen Sportzentrum, trainierte, machte seine Freundin von Montag bis Donnerstag den Stall. Er bemühte sich dann, wenigstens am Donnerstagabend abtreten zu können. So konnte er immerhin am Freitagmorgen noch in den Stall und dann gleich wieder ins Training nach Willisau LU.
Seit Herbst 2025 ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Joel Wicki verheimlicht nicht, dass er sich zwar noch fit hielt nach dem letzten Schwingfest Ende September im Tessin (er siegte im Schlussgang des Tessiner Kantonalen gegen Marcel Bieri), aber nicht mehr mit der letzten Konsequenz trainierte.
Beim Heuen und Silieren habe in den letzten Jahren immer die ganze Familie mitgeholfen. «Irgendwie ging das immer mit dem Schwingen zusammen», sagt er. Wicki hat ebenes Land, aber auch Hanglagen. Man sei maschinell gut ausgerüstet, sagt er. Das Scheunendach hat er mit einer 90-kW-Anlage eingedeckt. Bald soll ein Batteriespeicher folgen.
Die Tage bleiben lang
Nun werde der Stress wohl abnehmen, schätzt Joel Wicki. Zurücklehnen wird er sich aber nicht, dafür ist er nicht der Typ. Ist der Stall gemacht, zieht es ihn in den Tiefbau. Ursprünglich lernte er Baumaschinenmechaniker EFZ. Dieses zweite Berufsfeld hat ihn bis heute nicht losgelassen.
Wicki führt zusammen mit zwei Kollegen einen Baggerbetrieb. Unterwegs sei er vor allem auf Landwirtschaftsbetrieben für Aushube, Umgebungen und Grabarbeiten. Praktisch, wenn die Kunden auch Landwirte seien mit fixen Stallzeiten, das passe gut zusammen.
Der Baggerbetrieb wird ihn künftig tagsüber häufig beschäftigen. Es seien lange Tage, wenn er auf Baustellen sei. «Aber die Arbeit gefällt mir.» Im Moment habe er einfach Freude an dem, was er in den letzten Jahren zurückstellen musste. Arbeit und Optimierungspotenzial gebe es immer auf einem Hof, und sei es nur das Schwenten in den BFF. Verrückt machen lassen dürfe man sich deswegen nicht.
Wickis grosse Erfolge
Obwohl er seine Karriere jung beendete und wegen Corona und Verletzungen einige Jahre nur wenige Einsätze hatte, gehört der Luzerner zu den erfolgreichsten Schwingern aller Zeiten:
– Schwingerkönig ESAF Pratteln BL 2022
– Erstgekrönter ESAF Zug 2019
– 76 Kränze, davon 3 Eidgenössische
– 22 Bergfestsiege
– 15 Teilverbandsfestsiege
– 36 Kantonal-/Gau-Festsiege
Neunmal gehörte er gemäss «Schlussgang.ch» zu den zehn Bösesten des Jahres.