Sie liegt fast zuhinterst im Muschlerenschlund, die Alp Steiners Hohberg an der Kantonsgrenze zwischen Bern und Freiburg. Hier oben feiert das Hirtenehepaar Barbara und Christian Stucki dieses Jahr ein besonderes Jubiläum: Beide werden 45 Jahre alt und beide verbringen den 20. Alpsommer auf der Alp. «Und wir sind auch noch 22 Jahre lang verheiratet», doppelt Christian Stucki nach.

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Jeder packt mit an

2006 haben sie den elterlichen Betrieb von Barbara Stucki in Uebeschi übernommen. «Wir wissen langsam, wie es geht», sagt Barbara Stucki lachend, die eigentlich nie Bäuerin werden wollte. Auf der Alp ist das Betriebsleiterehepaar mit den Kindern Martina und Patric ein eingespieltes Team. Vom Melken bis hin zur Betreuung der Buvette – jeder kann anpacken, wo Hilfe nötig ist. Und wer einmal Barbaras Stuckis Älplermagronen, Käseschnitten, Rösti oder das Fondue geniessen durfte, kommt immer wieder gerne zu ihnen auf die Alp hinauf.

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Aus 30 Bewerbern

Nur durch Zufall haben Stuckis vor 20 Jahren von der Alp Steiners Hohberg erfahren. «Eines Tages kam der Nachbar zu mir und sagte: «Du, i wüster eini», weiss Stucki noch. Ohne seine Frau habe er sich damals die Alp genauer angeschaut, sich beworben und aus 30 Bewerbern den Zuschlag für die Alp Steiners Hohberg, welche der Alpgenossenschaft Düdingen gehört, bekommen. «Ich wusste inzwischen, wo meine Frau mit mir mitkommt und wo nicht», sagt Stucki trocken. Denn vor 20 Jahren habe man sich auch für die Alp auf dem hinteren Grenchenberg beworben, «dört hetärä das gar nid gfauä», weiss er noch.

Nun geht das Gelächter am Tisch aber richtig los und man spürt sofort, der Familienhalt bei Stuckis ist gross. «Mit der Alpgenossenschaft Düdingen könnten wir uns keinen besseren Partner vorstellen», sagen Barbara und Christian Stucki anerkennend. Das Verhältnis und die sehr gute Zusammenarbeit sei hervorragend und basiere auf gegenseitigem Vertrauen. Andererseits weiss die Alpgenossenschaft auch, dass sie mit Stuckis einen Volltreffer gelandet haben. Zäunen, die Buvette, die Tierüberwachung, den Betrieb im Tal und den ganzen Alpbetrieb in Schuss halten – Stuckis dürfte es nicht so schnell langweilig werden.

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Schon der 20. Alpsommer

Auf 1500 m ü. M. schauen sie auf der Alp zu den 60 fremden Rindern, zu den 24 eigenen Kühen, zu ihren Rindern, ein paar Kälbern und zu ihren sieben Ziegen, insgesamt sind es 110 Stück Vieh, das es zu betreuen gilt. Dazu gibt es noch eine Katze. «Die verbringt jetzt auch schon den 20. Sommer mit uns hier oben», entgegnet Patric Stucki, der zusammen mit seiner Schwester Martina in jeder freien Minute seine Eltern tatkräftig unterstützt. Obwohl Christian Stucki Sohn eines Käsers ist, verarbeitet er die Milch auf der Alp nicht selbst. Denn nicht weit weg von ihnen liegt die Alpkäserei Ganterschli, dort wird auch ihre Milch zu verschiedenen Käsespezialitäten verarbeitet. Sie erhalten dabei den normalen Gruyère-Milchpreis.

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Wer Stuckis kennt, weiss, dass die Viehzucht Familiensache ist. Schon an vielen Ausstellungen sorgten ihre Tiere für Furore. Suprême-Championne an der Junior Expo Thun oder sehr gute Klassierungen an der Swiss Expo und an der Expo Bulle, um nur einige zu nennen. Im Stall stehen vier Rassen, vorwiegend aber Swiss Fleckviehkühe. Für Christian Stucki, der seit sechs Jahren auch als Viehschauexperte unterwegs ist, bedeutet eine schöne Kuh sehr viel.

«Ich bevorzuge eine massige SF-Kuh mit einem guten Fundament und einem starken Euter», so der Züchter. Dass die Kühe gut zu Fuss sein müssen, zeigt sich damit, dass sie auf der Alp Tag und Nacht auf der Weide sind und nur zum Melken in den Stall kommen. «Unsere Weiden sind weitläufig und zum Teil über eine halbe Stunde vom Stall weg», so der Landwirt.

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Weiss, was der Handel will

Da der Betrieb Jahr für Jahr gegen 20 Nutzkühe verkauft, weiss Christian Stucki mittlerweile, was im Handel gefragt ist und was nicht. «Bei der Zellzahl und bei den Milchinhaltsstoffen gibt es kein Pardon», ist er überzeugt. Darum setzt er bei der Stierenauswahl auch nur das Beste der Genetik ein, egal, von welchem Anbieter. Auch ein Natursprungstier stehe immer im Stall. Vor allem aus einer Voltair- und einer Villot-Tochter habe man viele schöne Töchter erhalten. Stiere wie Odyssey, Pickel oder Kilian haben bei ihnen gut funktioniert. Aber auch Hamilton P konnte überzeugen.

Obwohl die Alpsaison noch nicht zu Ende ist, sprechen Barbara und Christian Stucki doch von einem guten Sommer. «Wir hatten immer wieder ein wenig Regen und auch genügend Futter.» Trotzdem geht es mit den Kühen am 2. September wieder ins Tal. Die Rinder bleiben dann noch bis zum 24. September auf der Alp. Dann laufen Stuckis mit zirka 70 Stück am berühmten Plaffeien-Alpabzug mit. «Das sind zirka 18 Kilometer Fussmarsch, geschmückt mit Blumen und Zügeltreicheln», so Barbara Stucki. «Dieser Alpabzug bedeutet uns sehr viel und es ist auch ein Dankeschön an all unsere Helferinnen und Helfer», sagen sie stolz.

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