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Hofer will Weiterentwicklung der AP in eine Politik für Landwirtschaft und Ernährung

Das diesjährige Agrarpolitik-Forum widmet sich heute und morgen dem Klimawandel. BLW-Direktor Christian Hofer nahm dabei nur eine Woche nach dem AP-Sistierungsantrag der WAK-S eine von deren Forderungen auf.


Ein Schlüsselsatz fiel gleich zu Beginn der Veranstaltung: «Landwirtschaft ist Akteur und Betroffener in der Klimadebatte zugleich», sagte Markus Wildisen, Leiter des Inforamas zur Begrüssung.

Letzter Jahrzehnt in der Schweiz 1,54 Grad wärmer

Seine Aussage illustrierte Andreas Fischlin, der Vize-Vorsitzende des internationalen Klimarats IPCC mit einigen Zahlen: Das letzte Jahrzehnt war in der Schweiz 1,54 Grad wärmer als die vorhergehende Zehnjahresperiode. Damit ist die Temperaturzunahme in der Schweiz deutlich höher, als im globalen Durchschnitt.

Der Agrarsektor steure laut Fischlin etwa 23 Prozent der weltweiten Netto-Emissionen bei und rund drei Viertel des Frischwasserverbrauchs gehen in den Primärsektor. Gleichzeitig werden die Bedingungen auf dem Land immer anspruchsvoller: Immer mehr Menschen leben in Verwüstungsgebieten, während die Flächen der Feuchtgebiete abnehmen.

Minimaler BLW-Kommentar zur Sistierung

Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft erläuterte anschliessend die Schweizer Landwirtschafts- und Klimapolitik. «Ich stecke mitten in einem interessanten politischen Prozess», sagte er zum Auftakt. Damit spielte er auf die von der Ständeratskommission (WAK-S) angestrebte Sistierung der Agrarpolitik 2022+ (AP 22+) an.

Das sei deshalb interessant, weil das Gesetz (erneut) geöffnet wird, jetzt habe die Politik die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Man müsse jetzt Weichen stellen für die Landwirtschaft der Zukunft. Das Grasland Schweiz müsse sich vermehrt mit den Themen Trockenheit, Wassermangel, und Hitzestress der Tiere befassen.

«Auch der Konsum trägt Mitverantwortung»

«Die Landwirtschaft leidet unter dem Klima und trägt gleichzeitig Verantwortung», unterstrich Hofer. Aber auch der Konsum trage eine Mitverantwortung. 2/3 der Emissionen stammten aus Lebensmittel-Importen, 80 Prozent der Emissionen stammen aus dem Konsum tierischer Produkte. Zudem seien Ernährungsfehler (Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten) die bedeutendste Quelle der zunehmenden Gesundheitskosten.

Hofer verwies auf die 2011 publizierte Klimastrategie des Bundes für die Landwirtschaft. Es brauche zum Erreichen der Ziele das Zusammenwirken aller Akteure. Der Bundesrat hat in einem ersten Schritt eine Reduktion um 20-25 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 vorgeschlagen, im Weiteren ist (bzw. war) ein ganzer Strauss von Massnahmen im Rahmen von AP 22+ vorgesehen.

Bis 2050 klimaneutral

Bis 2050 will der Bundesrat gar eine klimaneutrale Schweiz, wie Hofer in Erinnerung rief. Dafür brauche es solide Grundlagenverbesserungen. Wichtige Punkte seien die Pflanzen- und Tierzucht, wo man vermehrt auf hitzerobuste Sorten setzen müsse, effiziente Bewässerungssysteme sowie Bodenverbesserungsmassnahmen.

Es brauche zur Erreichung der Ziele – und damit nahm Hofer eine Forderung der WAK-S auf – eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik in eine Politik für Landwirtschaft und Ernährung. Eine solche böte eine Chance für die Landwirtschaft, aus ihrer Opferrolle rauszukommen, so Hofer.

Zusammenfassend erklärte Hofer, für die Landwirtschaft sei der Klimawandel eine doppelte Herausforderung: «Sie muss sich dem Klima anpassen und gleichzeitig Emissionen soweit möglich vermeiden».

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