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Herdenschutz: Esel halten die Raubtiere fern

Ruedi und Patrick Krähenbühl schützen ihre Schafe mit Eseln vor Wolfsangriffen. Bisher mit Erfolg.


Neugierig reckt Maggia ihre Nase aus dem Stall. Ruedi Krähenbühl schmunzelt und holt einen Leckerbissen hervor. Glücklich knuspert Maggia das Futter, neben ihr erscheinen die Nasen ihres Sohnes Mochito, der im September auf die Welt kam, und von Flo, ihrer Gefährtin. «Dort oben am Steinig-Schöriz unter dem Sigriswilergrat sömmere ich meine Schafe» zeigt Ruedi Krähenbühl auf den nahen Hügelzug. Als auf der Nachbarsalp der Wolf zuschlug und er half, die verletzten Schafe zu suchen, wusste er, dass er seine Schafe schützen will. Und so kamen er und sein Sohn Patrick auf den Esel. Per Zufall kam vor zwei Jahren die damals trächtige Maggia zu ihnen auf den Hof in der Unterlangenegg. Eine Gescheckte, wie auch der Grossteil der rund hundert Schafe der beiden Schafzüchter. «Normale Farbe ist bei uns nicht so angesagt», lacht Ruedi Krähenbühl.

Schafe und Esel sind ein gutes Team

Walliser Mutten und Engadinerschafe sowie Heidschnucken züchten Ruedi und Patrick Krähenbühl. Sie passen perfekt zum 14-Hektaren-Betrieb, dessen Gebäude für grössere Nutztiere zu klein sind, und den steilen Weiden sowie dem steinigen Berg. «Mit dem Feldstecher können wir von Zuhause aus unsere Tiere auf der Alp sehen, besonders Maggia, deren Fell im Sommer kurz und weissglänzend ist», erzählt Ruedi Krähenbühl. Zuerst hätten sie Bedenken gehabt, dass die Esel wirklich bei den Schafen bleiben, ergänzt sein Sohn. Doch nun haben sie erfahren, dass Schafe und Esel ein gutes Team sind. Oft suchten die Schafe die Nähe der Esel und wenn sie mit den Border Collies ihre Herde treiben, beobachten die Esel das Geschehen aus der Nähe. «Während es in diesem Sommer auf den Nachbarsalpen Luchsrisse gab, hatten wir keine», erzählt Patrick Krähenbühl. In anderen Jahren seien hie und da Lämmer spurlos verschwunden, wohl vom Luchs gefressen worden.

Alte Schafrassen

Krähenbühls züchten zwei seltene Schafrassen, welche im Zuchtprogramm von Pro Specie Rara sind. Einerseits die braunen Engadinerschafe und andererseits die bunten Saaser Mutten. Beide Rassen haben eine Ramsnase und grosse Hängeohren. Sie stammen wohl ursprünglich von italienischen Rassen ab, die grossen Ohren dienen der Kühlung bei heissem Wetter. Das Engadinerschaf zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Fruchtbarkeit und eine grosse Milchleistung aus. Früher wurde diese Rasse auch als Milchschaf gehalten. Beim Futter sind sie dennoch ausgesprochen anspruchslos, fressen mit Vorliebe altes Gras und Gebüsche. Diese Eigenschaft zeichnet auch die Saaser Mutte aus. Auch sie ist dazu gezüchtet, ihr Futter in grosser Höhe auf kargen Flächen zu finden. Die Saaser Mutte ist jedoch im Gegensatz zum Engadinerschaf bunt gescheckt oder uni und kommt in allen Farben vor. Auch ist die Mutte deutlich grösser und schwerer als das Engadinerschaf. Beide sind spezialisiert darauf, Weiden zu entbuschen, wurden seit jeher zur Offenhaltung der Alpweiden genutzt. Sie fressen sogar die problematische Grünerle, welche ansonsten von Weidetieren weitgehend gemieden wird.

Esel helfen bei der Weidepflege

Ob sich die Esel im Ernstfall wirklich gegen den Wolf durchsetzen können, das wissen die beiden Männer nicht. «Wenn wir auf die Alp kommen, riechen wir die Esel weitherum, wir vermuten, dass das schon reicht, um den Wolf zu warnen, dass hier wehrhafte Esel zugegen sind», so Ruedi Krähenbühl. Die Vorteile der Esel lägen auf der Hand. Alleine schon die Wanderer könnten ungehindert die Alp passieren. «Wenigstens diejenigen, welche sich nicht vor Eseln fürchten», lacht Patrick Krähenbühl. Ausserdem müsse man Esel nicht separat füttern. Sie helfen gar bei der Weidepflege, fressen am liebsten das alte Gras und Büsche. Und auch jetzt im Winter ist die Haltung der Esel anspruchsloser als die von Herdenschutzhunden. Hier an der viel befahrenen Hauptstrasse und in unmittelbarer Nähe mehrerer Nachbarn wären Hunde mit starkem Schutztrieb nicht zu halten. Die drei Esel jedoch sind genügsam, teilen sich ein Abteil im Stall und können jederzeit die Weide aufsuchen. Nur das Futter muss mager genug sein, damit sie nicht zu fett werden. Deshalb sind sie von den Schafen getrennt.

Es gibt vom Bund kein Geld

Nur einen Nachteil haben die Esel. Im Gegensatz zu Herdenschutzhunden wird ihre Haltung nicht finanziell unterstützt. Und sie wachsen einem ans Herz, das wird klar, wenn man den beiden Männern zuschaut, die ihre Esel kraulen. Bei Krähenbühls geniessen die Tiere Familienanschluss. Auch die drei Border Collies sowie die hundert Schafe, welche neugierig aus dem Wintergehege äugen. Walliser Mutten wie auch die Engadiner Schafe werden von Pro Spezie Rara gefördert. Es ist den beiden ein Anliegen, diese Rassen zu fördern, aber auch die Wirtschaftlichkeit ist ihnen wichtig, auch wenn der Betrieb nur im Nebenerwerb bewirtschaftet wird. Patrick hat die Landwirtschaftliche Ausbildung beendet und will den Betrieb übernehmen. Bewirtschaften will auch er ihn mit Schafen. Dann holt Ruedi sein Handy hervor und zeigt die Bilder. Fotos von damals, als er half nach dem Wolfsangriff auf der Nachbarsalp die Schafe zu erlösen. Noch Tage später hätten sie Tiere mit tiefen Wunder unter dem Fell gefunden. Ihnen bleibt die Hoffnung, dass sie dank der Esel ihre Schafe nie so vorfinden müssen.

Die Problempflanze Grünerle

Die Grünerle ist eine Pionierpflanze. Gerade im Berggebiet wuchern Weideflächen, die nicht mehr genutzt werden, rasch mit Grünerlen zu. Diese hilft zwar durch die Durchwurzelung Erosion zu verhindern, gegen Lawinen bietet sie jedoch wenig Schutz, da sie zu elastisch ist und unter der Schneelast abliegt. Die Grünerle produziert eine grosse Anzahl flugfähiger Samen, welche eine rasche Ausbreitung ermöglichen. Aber auch die Wurzeln sowie bodennahe Äste, die sich absenken, schlagen aus. Sie haben Wurzelknöllchen, welche Luftstickstoff binden und im Boden fixieren. Dadurch schreitet die Verbuschung noch schneller voran. Der Stickstoff wird jedoch auch als Nitrat ausgewaschen und verflüchtigt sich in Form des stark klimaschädlichen Lachgases.

Insektenvielfalt leidet

Im Gebirge verhindern Grünerlenbestände die Entstehung von Hochwäldern, da sie andere Bäume nicht aufkommen lassen. Ebenfalls leidet die Insektenvielfalt unter dichten Grün­erlenbeständen. Der grossflächige Einwuchs durch die Grünerle verändert das Landschaftsbild und den Lebensraum stark. Kurzfristig ergeben sich positive Effekte: Wenn subalpines Grasland nicht mehr beweidet wird, steigt der Artenreichtum der Pflanzen bis zu einem Grünerlen-Deckungsgrad von 25% an. Danach sinkt die Pflanzenvielfalt wieder und fällt bei spätestens 50% Grünerlen unter den Ausgangswert von Grasland.

Grosser Mehraufwand für Berglandwirtschaft

Grünerlenbestände sind aufgrund der Ungestörtheit ein beliebter Sommerlebensraum für das Schalenwild, vor allem für Rotwild. Für die Berglandwirtschaft bringt die Bekämpfung der Grünerle einen grossen Mehraufwand mit sich.

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