Eigentlich habe man das Gefühl, Betriebe seien unglaublich gesucht, meint Dominik Estermann. Doch für ihn zeigte sich die Realität etwas anders. Zwar seien schon diverse Bewerbungen eingegangen, seit er seinen Hof ausgeschrieben habe. Ein Verkauf hat aber bisher noch nicht stattgefunden. Das, obwohl es mit einer Partei bereits zur konkreten Besprechung von Vertragsbedingungen gekommen ist. Estermann erläutert die Schwierigkeiten und auch die Vorstellungen, die er von Hofnachfolgern hat.
Die Suche begann vor zwei Jahren
Seit fast 40 Jahren bewirtschaftet Dominik Estermann den Betrieb, den er 1983 teilweise und 1987 ganz von seinen Eltern übernommen hat. Diese haben den Betrieb bereits 1972 auf Bio umgestellt, Estermann kennt somit nichts anderes. Zuerst bewirtschaftete der Meisterlandwirt den Betrieb noch mit der Hilfe seiner Eltern und einem Onkel, später dann mit seiner eigenen Familie.
Estermann ist mittlerweile geschieden und hat zwei Töchter, die 21- und 24-jährig sind. Weitere Verwandtschaft, die an dem Betrieb interessiert wäre, hat er nicht. Die beiden Töchter haben nicht-landwirtschaftliche Ausbildungen gewählt. Und für sie ist es noch zu früh, den Entscheid für die spätere Weiterführung des Landschaftsbetriebes zu fällen. Estermann selbst ist 62 Jahre alt. «Es ist ja nicht so, dass ich erst vorgestern angefangen habe zu überlegen, was mit dem Hof passieren soll. Dass man sich wünscht, dass ein Nachkomme in den Betrieb einsteigt, ist ja auch irgendwie normal», meint er.
Vor zwei Jahren hat Dominik Estermann dann erstmals eine Veranstaltung zur ausserfamiliären Hofnachfolge der Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe besucht. Sein Ziel war, den Hof möglichst zeitnah übergeben zu können. Immer mit dem Bestreben, den Betrieb als Ganzes zu erhalten.
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Entweder zu klein oder zu gross
Die Vermittlungs- und Beratungsstelle «Hofnachfolge» funktioniert so, dass sich Hofabtretende registrieren lassen und dort ihre Wünsche für die potenziellen Nachfolger angeben. Hofsuchende können sich mit einem Dossier bewerben. Die Dossiers werden dann von «Hofnachfolge» selektiert und an die entsprechenden Betriebe weitergegeben. Die Betriebsleiter melden sich anschliessend bei den Hofsuchenden, die für sie infrage kommen.
Das komme ihm sehr entgegen, meint Dominik Estermann. So müsse er nicht mit 100 Leuten telefonieren, sondern habe eine übersichtliche Auswahl. Der Landwirt hat bereits mehrere Hofsuchende, deren Dossiers ihm passend erschienen, eingeladen und ihnen den Betrieb gezeigt. Jedoch bisher, ohne dass ein Verkauf stattgefunden hätte.
Diese Situation habe wohl mehrere Ursachen, vermutet der Biobauer. Zum einen sei vermutlich der siebenstellige Eigenkapitalbedarf ein Problem – zu dem dann auch noch der Kauf des Inventars dazukomme. Für junge Übernehmende eine grosse Hürde. «Ich kann den Betrieb aber auch nicht ‹verschenken›, denn sollte ich pflegebedürftig werden, gilt dies als Vermögensverzicht. Entsprechend würde ich dann keine Ergänzungsleistungen erhalten» erklärt er die rechtliche Seite. Weiter sei sein Betrieb wahrscheinlich für jemanden, der einen kleinen Betrieb suche, zu gross und für jemanden, der einen grossen Betrieb suche, zu klein.
Betriebsspiegel Biobetrieb Kreuzhof
Betriebsleiter: Dominik Estermann
Ort: Kanton Luzern, 700 m ü. M.
LN: 22 ha, Acker- und Futterbau, 140 Hochstammbäume
Viehbestand: 190 Mastschweine, bis 2021 35 Milchkühe
Mit jemandem zusammen auf die Übergabe hinarbeiten
«Früher hat man sich festgelegt und diesen Plan dann durchgezogen. Dass jemand 50 Jahre im gleichen Unternehmen blieb, ist eher die Regel als die Ausnahme gewesen. Heute ist das viel schnelllebiger», meint Dominik Estermann. «Junge Leute wollen sich nicht mehr festlegen», so sein Eindruck. Und auch, dass ein Paar dann wirklich am gleichen Strick ziehe, sich bewusst sei, dass eine Betriebsleitung physisch und psychisch ein intensiver Job sei, da habe er schon verschiedenes erlebt in den letzten drei Jahren.
«Ehrlichkeit, Respekt und Anstand, mehr braucht es nicht» so Estermann, das gelte sowohl in Beziehungen als auch in fast allen anderen Zusammenhängen. Es sei wichtig, dass ein Hofsuchender zu sich selbst und seiner Partnerin ehrlich sei, dass die beiden wüssten, was sie wollten. «Und zwar, dass sie sich sicher sind, dass sie nicht nur denken, etwas zu wollen. Oder sich vielleicht von anderen Meinungen beeinflussen lassen.» Wenn man etwa schon zu Beginn vor Ort merke, dass einem ein Betrieb nicht zusage, dann solle man das doch direkt sagen, das zeuge von Anstand und Respekt. «Ich möchte mit jemandem zusammen auf die Hofübergabe hinarbeiten, der oder die Interesse hat und weiss, was er oder sie will.»
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Loslassen ist nicht das Problem
Bei den Besichtigungen kann Dominik Estermann auf einen Bekannten zählen, den er jeweils als «Sparringpartner» dabei hat. Sprich, er kann sich nach den Besichtigungen mit ihm austauschen und schätzt es, dass so die Möglichkeit besteht, sich auch intensiver mit den Interessierten austauschen zu können. Denn vier Ohren hören mehr als zwei und zwei Personen, die Fragen stellen und beantworten, erfahren mehr und können mehr weitergeben.
Dass sich nun die Suche nach einem Hofnachfolger so in die Länge ziehe, das gehe ihm an die Substanz, meint Estermann. Er hatte 2021 eine Erschöpfungsdepression, die er aber gut überstanden hat (wir berichteten, Ausgabe 49/2023). Dennoch merke er, dass er dünnhäutiger werde. Nicht, weil das Loslassen ein Problem sei, sondern, weil er ohne Kaufinteressent keinen Fahrplan habe.
Dass er gerne vor der Pension noch etwas ausserhalb der Landwirtschaft machen würde, ist für Estermann schon lange klar. Denn er ist ein leidenschaftlicher Handwerker. Schweissen, Konstruieren, die Reparatur von Anbaugeräten oder Mithilfe beim Bau oder Innenausbau, das sei sein Ding.
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Ein Familienbetrieb
Das Zweifamilienhaus und der Betrieb werden von Dominik Estermann aktuell im Ist-Zustand erhalten. Es gebe sicherlich Investitionen, die man tätigen müsse oder könne. Das komme auch immer auf den Anspruch des Käufers an, so Estermann. Er möchte aktuell nicht mehr investieren, solange er nicht weiss, ob das auch im Interesse des nächsten Betriebsleiters wäre. Wiederum sei er der Erste, der dabei ist – sofern gewünscht – um etwas anzupacken.
Dem Biobauern ist es ein Anliegen, dass sein Hof mit Leidenschaft weiter bewirtschaftet wird und einer neuen Familie ein Einkommen sichern kann. Und dass die Bewirtschafter in der Arbeit auch den Ausgleich finden, auch wenn es manchmal anstrengend sei. «Schön wäre es zudem, wenn es weiterhin ein Biobetrieb bleiben würde,» meint Estermann zu seinen Wünschen. Eine Kontaktaufnahme soll ausschliesslich über die Vermittlungs- und Beratungsstelle «Hofnachfolge» erfolgen.
Kurs Hofnachfolge
Ausserfamiliäre Hofnachfolge statt Betriebsauflösung: Am 22. Januar, 9.15 bis 16 Uhr in Busswil TG oder am 27. Januar, 9.15 bis 16 Uhr in Muri AG, findet jeweils eine Tagung für Landwirte und Bäuerinnen ab 55 Jahren statt. Die Themen sind Fachreferate zu rechtlichen, finanziellen und persönlichen Aspekten, Entscheidungsgrundlagen erhalten – Gleichgesinnte treffen.
Anmeldung und weitere Informationen unter Tel 061 971 71 31 oder www.hofnachfolge.ch