«Ich habe schon erlebt, dass nach drei Minuten Gespräch drei Viertel der Anwesenden weinten», berichtete Meryl Meyer vom BBZN Schüpfheim LU von ihren Erlebnissen aus Beratungen für Hofübergaben. Es seien immer sehr bewegende Situationen. Der Beratungsdienst bemühe sich, rechtlich, finanziell und zwischenmenschlich professionelle und faire Lösungen zu erarbeiten. Sie stelle fest, dass zwischenmenschliche Aspekte eine immer grössere Rolle spielen. Da seien unterschiedliche Haltungen zur Hofübernahme zum Ertragswert oder Verkehrswert, unausgesprochene Wünsche oder  falsche Erwartungen, die zu Enttäuschung führten, nannte Meyer als Beispiele. «Eine faire Hofübergabe gibt es in der Regel nicht. Wichtig ist ein gemeinsamer Fairnessgedanke, den alle Beteiligten mittragen können.»

Gegenseitiges Verständnis aller Beteiligten

Wenn Konflikte innerhalb von Familien über Jahre aufgestaut seien, könnten die nicht kurzfristig gelöst werden, sagte Meryl Meyer. Es brauche bei Hofübergaben viel gegenseitiges Verständnis aller Beteiligten, und die Rollen sollten geklärt sein.

Über die unterschiedlichen Rollen von Personen auf dem Landwirtschaftsbetrieb und den Rollenwechsel bei Hofübergaben wurde von drei Beraterinnen am kürzlichen «BBZN-Stammtisch» referiert. Solche Stammtische für Information und Diskussion werden seit drei Jahren angeboten, jeweils drei vor Ort und einer online.  

Die Rollen zu klären, hilft weiter

Rollen seien immer mit Erwartungen verbunden, und Werte und Erfahrungen würden uns prägen, erklärte Heidy Jenni vom BBZN Schüpfheim. Es gelte, sich der eigenen Rolle, sei es als Partnerin, Betriebsleiter, Arbeitgeberin, Schwiegertochter, Lehrmeister oder Mutter und Vater, bewusst zu werden. So könnten auch Konflikte verhindert werden und Reflexion stärke die Widerstandskraft.

Gerade bei Hofübergaben seien die Rollen der abtretenden und übernehmenden Generation sehr unterschiedlich, meinte Jenni. «Die einen haben mit Herzblut ihr Lebenswerk erschaffen und aufgebaut, die andern müssen ihre eigenen Erfahrungen noch machen und darauf aufbauen.» 

Denkbar sei auch, dass die Abgeber gerne am Bewährten festhalten würden und weniger risikobereit seien, während die Übernehmer offen für Veränderungen seien und Pläne und Visionen hätten. Anspruchsvoll sei es, wenn Familien unterschiedlich ticken. «Passt die kantige Schwiegertochter zur runden Familie des Hofnachfolgers?», fragte Jenni. Neue Personen müssten auf dem Hof zuerst ihren Platz finden.

Zeit und Raum bieten

Auch Geschwister hätten unterschiedliche Rollen und Haltungen, sei es als verzichtende oder künftig im Betrieb involvierte Personen. Es gelte deshalb bei den Gesprächen, Klarheit zu schaffen, Wünsche und Bedürfnisse zu listen, genügend Zeit zu geben und schliesslich die Entscheide schriftlich festzuhalten. «Man muss Raum geben, um Reibungen zu vermeiden.»

Heidy Jenni zog das Fazit, dass Rollen lernbar und veränderbar sind, Rollenwechsel Zeit und Kommunikation brauchen, und die Klärung der Rollen Entlastung schafft. «Wertschätzung und Respekt sind zentral für eine gelingende Zusammenarbeit.»

Unternehmergeist ist anspruchsvoll

Andrea Schmid-Furrer vom BBZN Schüpfheim ging auf die Rolle von Unternehmerinnen und Unternehmern auf Landwirtschaftsbetrieben ein, shliesslich müssten Betriebsleitende wirtschaftlich und unternehmerisch handeln. «Nicht jeder ausgebildete Landwirt ist per se auch ein Unternehmer. Die Unternehmerrolle muss bewusst übernommen werden.» 

Bauern und Bäuerinnen hätten gleichzeitig die Rolle des strategisch denkenden Verwaltungsrates, des operativen Chefs und des Mitarbeitenden. Es bestehe die Gefahr, auf der Stufe Mitarbeitender stecken zu bleiben und so betriebsblind zu werden. «Gute Unternehmer sind chancenorientiert, risikobereit, innovationsfreudig und denken langfristig.» Es sei aber auch sehr wichtig, sich mit der Buchhaltung zu beschäftigen, Stärken und Schwächen zu erkennen, Optimierungen zu nutzen und zu wissen, was denn die eigene Arbeit koste. Es reiche nicht, wenn Nutzen und Kosten gleich hoch seien, es brauche eine Rendite für künftige Investitionen.

Unternehmer müssten zudem das Risikomanagement beherrschen mit den vier Hauptrisiken auf einem Bauernhof: Produktion (wie Wetterextreme, Krankheiten, Schädlinge), Markt (mit Preisschwankungen und Nachfrageveränderungen), Finanzen (bei Liquiditätsproblemen oder Zinsänderungen) und Gesundheit, sowohl psychisch wie physisch.