Die Zunahme der Solarstromproduktion hat dazu geführt, dass vor allem im Sommer und über die Mittagszeit zu viel Strom das Netz belastet. Das betrifft auch viele Landwirtschaftsbetriebe mit grossen Solardächern. Was tun, wenn die Energieversorger die Leistungen von Anlagen begrenzen wollen und nur noch geringe Einspeisetarife zahlen? Die Tagung an der Liebegg in Gränichen «Selbst produzierten Strom effizient nutzen» stiess mit über 100 Teilnehmenden auf grosses Interesse. Organisiert war diese von der Energieberatung des Kantons Aargau.

Einspeisung wird begrenzt

Möglichkeiten zur Optimierung zeigten fünf Referenten auf. Lukas Mösch vom Regionalcenter Lenzburg des Aargauischen Elektrizitätswerkes (AEW) gab einen Überblick über die Energiestrategie 2050 und deren Auswirkungen für das Verteilnetz. Mit der Zunahme der PV-Anlagen komme man nicht darum herum, die Einspeisung bei zu grosser Produktion zu begrenzen, was inzwischen schweizweit auf 70% möglich ist. Das AEW bietet sogar an, diesen Wert auf 50% zu setzen und mit bis zu 2 Rp./kWh zu vergüten.

Batterien sind der Schlüssel

Wenn ein Landwirtschaftsbetrieb mit einer grösseren PV-Anlage auch nachts viel Strom benötige, etwa durch einen Melkroboter, eine Fütterungs- oder Entmistungsanlage, mache es wenig Sinn, überschüssigen Mittagsstrom ins Netz mit tiefer Entschädigung einzuspeisen und nachts teuren Netzstrom zu beziehen. Die Lösung heisse Speicherbatterie. Über dieses Thema referierte Martin Geidl von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er stellte die verschiedenen Batterietechnologien mit ihren Eigenschaften vor und wies auch auf die Brandgefahren hin.

Viele Faktoren berücksichtigen

Ebenso machte er für einen Milchviehbetrieb mit Roboter und Speicherbatterie einen Vergleich zwischen einem typischen Sommer- und Wintertag mit und ohne Batterie. Übers Jahr konnte bei dieser Modellrechnung mit einer Batterie ein Gewinn realisiert werden. Dieser sei allerdings von vielen Faktoren abhängig, wie Tarife für Strombezug, Einspeisung, Anzahl, Grösse und Steuerbarkeit der Verbraucher, Grösse und Ausrichtung der PV-Anlage. Zudem spiele es eine Rolle, ob der Landwirt die Anlage von extern steuern lassen wolle. Geidl wies auch darauf hin, dass Batterien der Entlastung des lokalen Netzes dienen können oder es sich mit der neuen dynamischen Strompreisgestaltung (Einkauf von günstigem Strom und Verkauf bei höheren Tarifen) etwas verdienen lasse. Eine Speicheranlage könne auch für die Lieferung von Notstrom dienen.

Beratung unumgänglich

Um das Optimum einer Solaranlage mit Batteriespeicher herauszuholen, empfehle sich der Beizug einer spezialisierten Firma. Dies bietet die Fleco-Power AG als Produzentenorganisation an. Deren Vertriebsleiter Simon Bolli präsentierte die Tätigkeit der Winterthurer Firma. Man habe schweizweit mehrere hundert Anlagenbetreiber von erneuerbarer Energie (Biomasse, PV, Wasserkraft, Wind, Batterien). Diese werden in den Bereichen Strom- und Flexibilitätsvermarktung, Eigenverbrauchsgemeinschaften (wie Lokale Elektrizitätsgemeinschaften), digitales Anlagenmanagement unterstützt.

Optima Solar Genossenschaften

Mehrere Schweizer Optima Solar Genossenschaften planen, finanzieren und bauen grosse PV-Anlagen, insbesondere auch auf Bauernhöfen. Eine der aktivsten Genossenschaften ist Optima Solar Zürich Unterland, die bereits zehn grosse PV-Anlagen baute. Geschäftsführer Oliver Franz stellte das neueste Projekt vor, die Gründung von Optima Solar Aargau. Ein Präsident sei mit Alex Füglistaller, Wohlenschwil bereits gefunden.

Mehr Eigenverbrauch

Seit Juni 2025 hat Stefan Lüscher (40) vom Lüscherhof, Muhen, nebst seiner Solaranlage von 85 kW einen Batteriespeicher von 215 kWh und mit einer Leistung von 50 kVA. Wichtigste Verbraucher sind Melkroboter für 75 Kühe, Milchkühlung, Stalllüftung für 120 Mastschweine und Heubelüftung (Stromverbrauch 100 000 kWh/J.). Die ersten Ergebnisse seien positiv: Glättung der Stromspitze, die bisherige Einspeisebegrenzung ist durch den Speicher kompensiert, die Eigenverbrauchsquote wurde im Sommer bis auf 70% erhöht.

Förderung läuft aus

Batteriespeicher auf Landwirtschaftsbetrieben können von den kantonalen Kreditkassen seit einigen Jahren unterstützt werden. Letztes Jahr wurden im Aargau 70 Gesuche für Batteriespeicher auf Bauernhöfen bewilligt, in der Grösse zwischen 20 und 430 kWh. Zurzeit seien 30 Gesuche hängig. Die Unterstützung beträgt Fr. 200.00 und ist befristet bis Ende 2026.

Auch im Kanton Luzern wurden schon zahlreiche Speicher gefördert. Aktuell stünden aber 150 Gesuche auf der Warteliste, sagt Samuel Brunner von der Kreditkasse. Die Gelder für 2026 seien bereits ausgeschöpft. Ab sofort würden keine Gesuche mehr entgegengenommen.

Junglandwirte interessierten sich für Batteriespeicher
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Stromspeicherung wurde auch an einem Anlass der Junglandwirte Zentralschweiz Ende Januar thematisiert. An der Besichtigung bei Ruedi Odermatt vom Bauernhof Pulverturm in Stans nahmen rund 80 Junglandwirtinnen und Landwirte teil. Odermatt installierte einen 103 kWh Batteriespeicher von Alpvolt im Aussenbereich. Die 53 kWp PV-Anlage liefert dafür den Strom. Von den rund 24 MWh Stromverbrauch auf dem Betrieb konnten vor der Installation des Batteriespeichers nur rund 6 MWh aus der Gesamtproduktion von 44 MWh durch eigenen Solarstrom gedeckt werden. Der Batteriespeicher erhöht nun den Eigenverbrauch und liefert auch Strom in der Nacht. Wegen des vergleichsweise doch eher geringen eigenen Stromverbrauches auf dem Betrieb sei der Speicher derzeit noch nicht wirtschaftlich.

Strom für weitere Bezüger
Odermatt möchte aber bald das Wohnhaus anschliessen und setzt auf weitere Abnehmer, dank des Standortes des Betriebes im Dorf. Daniel Birrer von SyEnergy, welcher den Batteriespeicher in Betrieb genommen hat, erläuterte, worauf geachtet wurde. So sei bei der Erneuerung der Elektrohauptverteilung bereits Batterie, Elektromobilität und ein Zusammenschluss für den Eigenverbrauch (ZEV) berücksichtigt worden.

Kosten sinken, Wirtschaftlichkeit steigt
Oliver Pel von Alpvolt gab weitere Einblicke in die Speicher und ihre Funktion. Die Batterie kann durch den integrierten Generatoranschluss bei Notstrombedarf zusätzlich mit einem Zapfwellengenerator aufgeladen werden, falls die Sonne nicht ausreichen sollte. Weil Batterien in den letzten Jahren immer günstiger wurden, sei die Wirtschaftlichkeit gestiegen. Es könne je nach Situation mit einem Payback von drei bis fünf Jahren gerechnet werden. Die Alpvolt-Batterien böten mit dem integrierten und inkludierten Energiemanagement System alles, was es brauche (Eigenverbrauchsoptimierung, PeakShaving, Regelenergie), um den Speicher wirtschaftlich betreiben zu können. Raphael Heini / Josef Scherer