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Erfahrungsbericht: So diskutieren Klima-Aktivisten über die Landwirtschaft

Auf dem Bundesplatz suchte man bei einer offenen Versammlungen nach Wegen hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft. In der Diskussion fehlten allerdings die Bauern.


Komm zum Punkt, dachte ich, als der Klima-Aktivist vor uns all die Gesten erklärte, die bei der Versammlung zur lautlosen Kommunikation eingesetzt werden sollten. Aber die zeitliche Investition hat sich gelohnt, genauso wie die eingangs an alle gestellte Frage, ob man sich wohl fühle. «Dies ist eine öffentliche Versammlung, sie steht allen offen und jeder darf sich äussern und wird gehört». Man solle aktiv zuhören und nachdenken, statt sofort eine Position einzunehmen. Das funktionierte in den anschliessenden Gesprächen gut und auch die lautlose Kommunikation per Gesten unterstützte die respektvolle Atmosphäre.

Kommt nächstens die Polizei? 

«Bei einem technischen Anliegen formt ihr ein T», führte der Sprecher aus, «z. B. wenn das Zelt brennt.» Man werde den zeitlichen Ablauf möglichst einhalten, «ausser wenn hier gleich die Polizei reinstürmt». Damit muss man wohl rechnen, wenn man auf dem von Klimaschutz-Gruppierungen ohne Bewilligung besetzen Bundesplatz über Wege zu einer besseren Landwirtschaft diskutiert.

Für 48 Stunden wurde der Bundesplatz zum «Klimaplatz». In der Nacht vom Dienstag auf dem Mittwoch räumte die Polizei friedlich das Klima-Camp. (Bild riseupforchange.ch)

Man wünscht sich mehr Kontakt zur Landwirtschaft 

Es verlief denn auch nicht alles nach Plan: Die Fach-Referenten, die einen Input zum Start geben sollten, waren nicht erschienen. Als Ersatzlösung wurde eine Kurzfassung des Vortrags eines Swissveg-Vertreters vorgelesen. Darin übte man vor allem Kritik an der Unterstützung der Fleischbranche durch den Bund und verlangte eine Umlagerung der Direktzahlungen auf die pflanzliche Produktion.

Die Idee fand zwar zu Beginn Anklang beim Austausch in kleineren Gruppen. Schnell wandte sich das Gespräch aber der Rolle der Konsumenten und ihren als begrenzt empfundenen Einflussmöglichkeiten zu. Das dürfte daran gelegen haben, dass Landwirtinnen und Landwirte in der Runde kaum vertreten waren. Zwar schienen sich viele der Anwesenden lange und intensiv mit der Landwirtschaft und ihren politischen Rahmenbedingungen beschäftigt zu haben, es fehlte aber an Praxiswissen. Man war sich dessen auch bewusst und manche Idee endete in einer Sackgasse der Unwissenheit oder führte zu Vermutungen. «Ich finde, wir alle sollten den Kontakt zu Landwirtinnen und Landwirten suchen und z. B. in der Freizeit auf Betrieben Mitarbeit anbieten», meinte eine junge Frau. So könne man selbst aktiv etwas beitragen.

Bedarfsgerecht lokal produzieren 

Der Vorschlag, mit genossenschaftlich organisierten Quartierläden eine Alternative zu den grossen Detailhändlern zu schaffen, kam in der Gruppe gut an. Eine kleinräumigere Organisation sollte die Produktion besser auf den tatsächlichen Bedarf der lokalen Bevölkerung ausrichten sowie lange Transportwege vermeiden. Zur Anschubfinanzierung könnten Gelder aus den Direktzahlungen eingesetzt werden.

«Mehr Mitspracherecht, z. B. in einer solidarischen Landwirtschaft, schafft auch mehr Verbindlichkeit. Da müssen wir umdenken», betonte einer der Anwesenden. Unsere Gesellschaft sei auf Spontaneität und Freiheit ausgerichtet. Bei einer gemeinsamen Anbauplanung und Mitarbeit auf den Feldern gehe das eben nicht mehr – «Man verpflichtet sich zum Mitarbeiten und tut das auch.»

Alternativen für Detailhändler und internationale Abhängigkeiten 

Sobald es derartige alternative Einkaufsmöglichkeiten gäbe, würden die Detailhändler an Bedeutung und damit an Einfluss verlieren, so die Hoffnung. Schnell stellt sich aber die Frage, ob Lebensmittel noch für alle erschwinglich wären. Hier kam die Kostenwahrheit ins Spiel, die beispielsweise Fleisch wegen dessen Umweltwirkung teurer und Gemüse entsprechend billiger machen sollte.

Bauernmarkt ist super, Detailhandel nicht, so lautet hier die Botschaft. (Bild riseupforchange.ch)

Man diskutierte über verschiedene Verbote, deren Umsetzbarkeit und Auswirkungen. Einige wollten beispielsweise den Import von Fleisch oder Futtermitteln verbieten, andere unsinnige Einfuhren wie etwa Heidelbeeren aus Peru. «Könnten Bäuerinnen und Bauern auch im Ausland auf den lokalen Bedarf ausgerichtet produzieren, wären sie nicht von Exporten in andere Länder abhängig», gab ein mittelalterlicher Herr zu bedenken. Dann müsse man sich bei Importstopps keine Sorgen um Arbeitsplätze in den Produktionsländern machen.

Einigung auf drei Kernpunkte 

Am Ende war die Gruppe zur Schlussdiskussion stark geschrumpft. Es gehörte zum Konzept, dass jeder frei kommen und gehen konnte. Am Ende einigte man sich im Konsens auf folgende Punkte:

  1. Bevorzugung klimafreundlicher, agro-ökologischer Methoden und Produkte.
  2. Sicherung gerechter Einkünfte für die kleinbäuerliche Landwirtschaft, welche die Ausübung einer nachhaltigen Landwirtschaft ermöglichen.
  3. Gewährleistung einer ausgeprägten Ernährungssicherheit, Produktion für den heimischen und lokalen Bedarf (gemeinsam von Produzenten und Konsumenten definiert), Sicherstellung der Belastbarkeit der Ernährungssicherheit sowie Minimierung der Transporte durch Umsetzung einer standortangepassten Landwirtschaft.

Die Forderungen der Klima-Bewegungen werden unterschiedlich zusammengefasst, laufen aber alle auf dieselben wichtigsten Punkte hinaus. (Bild riseupforchange.ch)

Keine Vorwürfe an die Bauern

Damit endete die Diskussion in etwas sperrigen Forderungen. Was sich aber festhalten lässt, ist die Sympathie und Wertschätzung der Anwesenden gegenüber Landwirtinnen und Landwirten. Niemand kam auf die Idee, einfach eine Umstellung der Anbaupraktiken zu fordern. Auch für das, was aus Sicht der Klima-Bewegungen heute in der Landwirtschaft zu verbessern wäre, machte man keine Bauern verantwortlich. Vielmehr bemühte man sich um eine vollständige Sicht auf die Probleme und eine Lösung an der Wurzel – sprich dem gesamten Wirtschaftssystem.

Es fehlt an bäuerlichem Wissen

Dass keine Bäuerlichen anwesend waren, erschwerte die Diskussion. Es fehlte schlicht das Wissen um die tatsächlichen Gegebenheiten in der Landwirtschaft. Allerdings war es trotz der eingangs erwähnten Absichten nicht ganz einfach, an der Klima-Versammlung teilzunehmen. Das lag nicht an den Veranstaltern oder den Teilnehmenden, sondern vielmehr an den äusseren Umständen: Im Voraus war der Ort lange unbekannt, genauso wie die Entwicklung der Lage auf dem Bundesplatz. Man musste sich folglich ziemlich bemühen, um dabei zu sein – und nur wenige dürften das Programm der Aktionswoche im Detail studiert und die Klima-Versammlung zum Thema Landwirtschaft entdeckt haben. 

Die Klima-Bewegungen und ihre Sympathisanten scheinen ein grosses Interessen an der Landwirtschaft zu haben und den Kontakt zu Bäuerlichen zu suchen. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um in Zukunft gemeinsam griffige Lösungsansätze zu finden. 

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Florian Stucki ist Landwirt und versucht, jungen Leuten den bäuerlichen Alltag und die landwirtschaftliche Realität näher zu bringen.
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In Horboden im Berner Deimtigtal arbeitet Florian Stucki auf dem Milchwirtschafts-Betrieb seiner Eltern. Seit zwei Monaten beteiligt sich der 24-jährige gelernte Landwirt ausserdem an den Diskussionen der Landwirtschaftsgruppen des Klimastreiks (KS). Herr Stucki, wie kamen Sie zum Klimastreik? Florian Stucki: An einem Parteitreffen machte mich jemand auf den Landwirtschafts-Chat aufmerksam. ...
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