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Bäuerlicher Innovationspreis 2019: Heubedampfungsgerät - mit Dampf gegen Milben und Sporen

Familie Haslimeier betreut Pensionspferde. Einer der Isländer hat eine Heustauballergie. Ihr selbst konzipiertes Heubedampfungsgerät machte seinen Verbleib auf dem Hof möglich und gewinnt den dritten Preis am Suisse-Tier Innovations-Wettbewerb.


Publiziert: 17.11.2019 / 08:14
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Júfur hat eine Heustauballergie. Vor viereinhalb Jahren kam der heute zwölfjährige Isländer als Pensionspferd auf den Sommerhaldenhof in Fislisbach AG. «Bei solchen Pferden entwickelt sich eine chronisch-allergische Bronchitis», sagt Landwirt Beat Haslimeier. Die Familie hatte schon früher ein Pferd mit diesem gesundheitlichen Problem in Pension, das den Hof leider verlassen musste. «Wir wollten verhindern, dass das ein zweites Mal sein muss, deshalb suchten wir nach einer Lösung», so Haslimeier.

 

Im Futterwagen bedampfen

Bei der Fütterung eines Heuallergikers hat man zwei Möglichkeiten: Umstellen auf Silage oder Haylage oder bedampftes Heu füttern. Haslimeiers entschieden sich für bedampftes Heu – für alle Pferde, denn die acht Isländer werden im Offenstall in der Gruppe gehalten. Auf dem Markt fand der Bauer kein praxistaugliches Gerät für seine Zwecke, «also war uns klar, dass wir selbst etwas entwickeln müssen».
Beat Haslimeier, seine Frau Karin und Tochter Lea, die selbst einen Isländer besitzt, kamen zum Schluss, dass das Heubedampfungsgerät folgende Anforderungen erfüllen muss:

  • kein Mehraufwand bei der Fütterung
  • das heisst, Heu direkt im Futterwagen und für alle Pferde aufs Mal bedampfen
  • Leistungsfähiges Dampfgerät
  • Dampfgerät mit guter Qualität, langlebig, erhältliche Ersatzteile

In einem Kellereibetrieb fand die Familie ein Dampfgerät mit genug Leistung, um das gesamte Heu zu bedampfen. Ursprünglich wurden damit Instrumente aus dem Weinbau sterilisiert. «Wir haben schon 98 Grad im Futterwagen gemessen. So können wir 99 Prozent des Heustaubs reduzieren», erklärt Beat Haslimeier. Das Problem bei der Heustauballergie sei übrigens nicht unbedingt der sichtbare Staub, viel davon bringe das Pferd mit den Nüstern weg, sondern die von blossem Auge nicht erkennbaren Partikel. Das Wichtigste sei, dass Schimmel, Bakterien, Pilzsporen und Milben durch den Dampf abgetötet werden könnten.

5000 Franken investiert

Im Boden des Futterwagens baute Beat Haslimeier Leitungen ein, durch die der Dampf gleichmässig verteilt wird. So bleibt man beim Einfüllen des Heus mit der Gabel nirgends hängen. Aussen am Wagen gibt es einen Anschluss für den Dampfschlauch. Obendrauf kommt ein Deckel, der die Hitze aushält. Zweimal am Tag wird das Heu für die nächste Fütterung während jeweils 45 Minuten bedampft. Damit man nicht immer hingehen muss, schaltet ein Timer das Gerät nach dieser Zeit automatisch ab. Insgesamt investierte die Familie rund 5000 Franken in ihre Innovation.
Nun musste das Heu natürlich auch noch getestet werden. Darum kümmerte sich Tochter Lea, die nächsten Sommer die Matura absolvieren wird und danach Humanmedizin studieren möchte. Sie verfasste ihre Maturaarbeit über das bedampfte Heu. Dafür untersuchte die junge Frau Proben des Heus für eine Nährstoffanalyse im Labor der Agroscope in Posieux FR und führte Fütterungsversuche mit verschiedenen Pferden durch. Sie bot ihnen mehrere Futter an: normales Heu, gewässertes Heu und das bedampfte Heu des Betriebs.

Offizielle Preisverleihung an der Suisse Tier Messe

Die Preisverleihung der Spezialpreise sowie der bäuerlichen Innovationen findet in diesem Jahr anlässlich der Suisse Tier Eröffnungsfeier am 22. November 2019 (9.30 Uhr bis 11.00 Uhr) statt. Begleitet wird diese von einer Podiumsdiskussion zum Messethema «Tiergesundheit».

Intensiver Heugeruch

«Die Pferde sind zu unserer Freude immer erst zum bedampften Heu gegangen», sagt ihr sichtlich stolzer Vater. Anders als man denken könnte, ist das Heu nämlich durch den Dampf nicht nass, was Pferde nicht besonders mögen, wie Lea Haslimeier erklärt. Beim Bedampfen steigt ein intensiver feiner Heugeruch aus dem Futterwagen empor. Man kann sich dabei gut vorstellen, dass das Heu den Pferden mundet.
Zur Pensionspferdehaltung kamen der gelernte Landwirt mit Handelsschuldiplom und seine Frau auf Umwegen. 2001 übernahmen sie Beat Haslimeiers elterlichen Betrieb, damals produzierten sie noch Milch.

Gerät zur Heubedampfung

  • holt sich den dritten Platz beim Suisse-Tier-Innovationspreis
  • besteht aus einem Futterwagen mit eingebauten Leitungen
  • einem hitzeresistenten Deckel für den Futterwagen
  • Anschluss für das Dampfgerät und Dampfschlauch
  • Leistungsfähigem Dampfgerät aus einem Kellereibetrieb
  • und einem Timer

Die Milchkühe wichen Mutterkühen und diese wiederum später den Pensionspferden. Die Nähe zur Stadt ­Baden und zum Ballungszentrum Zürich erweist sich für die Pensionspferdehaltung als Glücksfall. «Wir sind ideal gelegen, bei anderen Betrieben müssen die Kunden erst
30 Minuten aufs Land fahren», sagt Karin Lisser.

Gerät auf den Markt bringen

Neben den Pferden hat der Betrieb noch zwei weitere Standbeine: Das eine ist der Acker- und Futterbau mit vielfältiger Fruchtfolge (Raps, Weizen, Sellerie, Zuckerrüben, Erbsen, Bohnen, Kunst- und Naturwiesen, Ökoflächen). Das andere ist die Zusammenarbeit mit einer Obstbaumschule, wo sie die Pflege- und Maschinenarbeiten übernehmen. Tatkräftig unterstützt werden die Eltern von Lea und Sohn Samuel, der Politikwissenschaften und Volkswirtschaft studiert.
Eine Vision für die Zukunft hat Beat Haslimeier: das Heubedampfungsgerät auf den Markt zu bringen. «Natürlich ist unser Gerät erst ein Prototyp, aber so etwas liesse sich sicher verkaufen. Wir können immerhin bis zu zehn Pferde damit füttern, auf dem Markt gibt es nur Geräte für die Fütterung von einem bis zwei Pferden.» Bis es allenfalls so weit ist, freuen sich Haslimeiers erst einmal über ihren Erfolg am Suisse-Tier-Innovationswettbewerb. Die Heubedampfungsmaschine sei zwar keine «verruckte Sache, aber es machte Spass, etwas zu entwickeln, dass unser Problem löste». Und ermöglichte, dass Ljúfur auf dem Hof bleiben konnte.

Betriebsspiegel Sommerhaldenhof

  • LN: 34 Hektaren
  • Bewirtschaftung: Beat Haslimeier und Karin Lisser
  • Betriebszweige: Pensionspferde, Ackerbau, Maschinenarbeiten für Obstbaumschule
  • Tierbestand: 8 Pensionspferde
  • Kulturen: Raps, Weizen, Sellerie, Zuckerrüben, Erbsen, Bohnen, Kunst- und Naturwiesen, Ökoflächen
  • Arbeitskräfte: Bauernfamilie
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